Kunstraub in Messina: Museumswärter unter Verdacht nach Diebstahl von Antonello-Gemälden
Vier Renaissancewerke von Antonello da Messina wurden am Ferragosto-Feiertag aus dem Museum von Messina gestohlen. Ein Wärter gilt nun als Beschuldigter.

Ferragosto-Diebstahl in Sizilien: Vier Meisterwerke weg, ein Wärter beschuldigt
Vier wertvolle Gemälde des Renaissancemalers Antonello da Messina sind in der Nacht des 15. August aus dem Regionalmuseum von Messina gestohlen worden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, steht inzwischen ein Museumswärter als Beschuldigter da — wegen widersprüchlicher Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft.
Der Einbruch geschah ausgerechnet am Ferragosto, Italiens höchstem Sommerfeiertag. Die Täter umgingen die Alarmanlage des Museo Regionale Interdisciplinare di Messina (MuMe) und bewegten sich italienischen Medienberichten zufolge zielsicher zu den bedeutendsten Werken des Hauses: der doppelseitigen Tafel der „Madonna mit Kind und einem Franziskanermönch in Anbetung" sowie dem San-Gregorio-Polyptychon von 1473, einem mehrteiligen Altarbild, das eine Madonna mit den heiligen Gregor und Benedikt, Engeln und einer Verkündigungsszene zeigt.
Von den fünf erhaltenen Tafeln des Polyptychons nahmen die Diebe insgesamt vier Kunstwerke mit. Zwei der größeren, unhandlicheren Tafeln ließen sie unmittelbar vor dem Museum zurück — warum, bleibt eine der offenen Fragen. Eine Anwohnerin entdeckte die Gemälde kurz nach 21 Uhr und alarmierte die Polizei. Es war damit die Polizei, die die anwesenden Museumsmitarbeiter darüber in Kenntnis setzte, dass ein Einbruch stattgefunden haben könnte.
Widersprüche unter den Wärtern
An dem Abend sollen vier Museumswärter im Dienst gewesen sein. Einem Bericht der Zeitung La Repubblica zufolge wurden alle vier befragt. Eine Aufseherin gab demnach an, den ausgelösten Alarm gar nicht bemerkt zu haben. Ein Kollege räumte ein, die Sirene gehört zu haben, habe sie aber für einen Fehlalarm gehalten — es habe so etwas schon früher gegeben. Eine weitere Mitarbeiterin erklärte, das System sei nach wenigen Minuten neu gestartet worden.
Gegen einen der vier Wärter wird nun ermittelt. Er soll sich bei der Befragung in Widersprüche verwickelt haben und gilt seitdem nicht mehr als Zeuge, sondern als Beschuldigter. Das Museum hatte bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass alle vier Mitarbeitenden versetzt und Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet worden seien.
Für Ermittler und Öffentlichkeit stellt sich dieselbe Frage: War es eine Reihe von Versagen — oder war ein Insider an der Tat beteiligt? Die Videoaufnahmen der Überwachungskameras zeigen laut Medienberichten, dass die beiden Täter das Museum gut kannten und sich zielgerichtet bewegten. Offenbar genügte ein Brecheisen, um die Türen zu öffnen.
Millionenwerte aus Messina
Museumsdirektorin Marisa Mercurio bezeichnete den Diebstahl kurz nach der Tat als „großen Verlust für das Museum, die Stadt, die Bevölkerung und die Kunstwelt". Wie hoch genau der Schaden ist, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Ein Anhaltspunkt: Für ein anderes Werk von Antonello da Messina, das „Ecce Homo", zahlte der italienische Staat Anfang des Jahres bei einer Auktion zwölf Millionen Euro.
Der Verbleib der gestohlenen Werke ist weiterhin unbekannt.
Mafia als wahrscheinlichste Spur
Von Beginn an stellte sich die Frage, wer von einem solchen Diebstahl profitieren könnte. Die Gemälde gelten als unverkäuflich — zu bekannt, zu einzigartig, nicht in Einzelteile zerlegbar wie etwa gestohlene Juwelen.
Experten nennen zwei Möglichkeiten: Ein vermögender Privatsammler könnte die Werke für sich allein besitzen wollen — eine fast schon legendäre, aber wenig wahrscheinliche Erklärung. Weitaus plausibler erscheint den Ermittlern die Beteiligung der Mafia.
Dass kriminelle Organisationen wie die Camorra in Kunstwerke investieren, ist seit Jahren dokumentiert. 2016 wurden zwei van-Gogh-Gemälde im Landhaus eines Mafiabosses aufgefunden — vierzehn Jahre nach ihrem Diebstahl aus einem Museum. Der Weiterverkauf ist dabei oft nicht das eigentliche Ziel. Gestohlene Kunst dient kriminellen Organisationen als Zahlungssicherheit bei größeren Drogengeschäften, als Machtdemonstration oder als Verhandlungsmasse gegenüber Behörden — etwa um Strafmilderungen zu erwirken.
Im Fall der van Goghs war es ein Komplize des Camorra-Bosses, der den Hinweis auf den Verbleib der Bilder gab. Er kooperierte später mit den Ermittlern und versuchte, diese Zusammenarbeit als strafmildernden Umstand geltend zu machen.
Ob hinter dem „Furto di Ferragosto" in Messina ähnliche Motive stecken, ist derzeit Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Source: Süddeutsche Zeitung