Hakenkreuz-Foto und Schlägereien: Hansa Rostock leitet Ausschlussverfahren ein
Rostocker Hooligans sollen in England gekämpft und vor einer Hakenkreuz-Flagge posiert haben. Hansa Rostock reagiert mit Vereinsausschlüssen und Stadionverboten.
Hakenkreuz-Skandal überschattet Hansa-Jubiläumsreise nach England
Mehr als zehn Personen aus der Hooligan-Szene des FC Hansa Rostock sollen Ende Juli in England an verabredeten Schlägereien mit Anhängern der Glasgow Rangers und Olympique Lyon teilgenommen haben. Wie BILD unter Berufung auf eine „Exif-Recherche" berichtet, ereigneten sich die Auseinandersetzungen am Rande des Freundschaftsspiels beim FC Watford.
Fotos aus dem Anschluss an die Prügeleien zeigen mehrere mutmaßlich Beteiligte gemeinsam – auf einer Aufnahme posiert die Gruppe vor einer Hakenkreuz-Flagge. Die Exif-Recherche nennt sechs Personen namentlich.
Vereinsführung eingeschaltet, Krisensitzungen abgehalten
Die Klubführung erfuhr nach eigenen Angaben erst am Freitagvormittag von den Vorwürfen und den Bildern. Daraufhin traf sie sich mehrfach zu Krisensitzungen. Gegen mehrere Personen sollen nun Vereinsausschlussverfahren eingeleitet werden; zusätzlich kündigte Hansa Hausverbote sowie örtliche Stadionverbote an.
Vorstandsboss Ronald Maul (53) erklärte gegenüber der „Ostsee-Zeitung": „Die auf den Bildern zu erkennenden Personen sind uns teilweise aus dem Vereinsumfeld bekannt." Unter den Abgebildeten sollen sich demnach auch Personen befinden, die regelmäßig Heimspiele im Ostseestadion besuchen.
Beteiligte auch bei Kinderfest des Vereins
Besonders belastend ist für den Klub, dass einzelne der abgebildeten Personen offenbar auch bei vereinseigenen Veranstaltungen präsent waren. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es: „Besonders erschütternd ist für uns, dass einzelne der im Bericht abgebildeten Personen auch bei Veranstaltungen im Vereinsumfeld, unter anderem bei unserem Kinderfest, dabei waren." Damals habe es keinerlei Hinweise auf entsprechende Hintergründe gegeben. Der Verein kündigte an, auch diesen Aspekt umfassend aufzuarbeiten.
Der Aufsichtsrat stellte sich geschlossen hinter die Maßnahmen des Vorstands. Hansa informierte nach eigenen Angaben umgehend seine Sicherheitspartner: den Deutschen Fußball-Bund, die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern, den Staatsschutz des Innenministeriums in Schwerin sowie die Bundespolizei. Ob bundesweite Stadionverbote folgen – möglicherweise auch durch den DFB – muss nun geprüft werden.
Große Mehrheit der Fans reiste friedlich
Rund 7.000 Hansa-Anhänger waren zum 60. Vereinsgeburtstag nach England gereist. Anlass war das Freundschaftsspiel beim FC Watford. Die große Mehrheit feierte friedlich; Bilder singender Fan-Massen hatten weit über Rostock hinaus Aufmerksamkeit erregt. Die Hakenkreuz-Aufnahme und die Gewaltvorwürfe gegen eine kleine Gruppe belasten nun das Bild dieser Jubiläumsreise nachträglich erheblich.
Source: BILD