BEC-Betrug: Nigerianer zu acht Jahren Haft verurteilt – 7,5-Mio.-Schaden an US-Hilfsorganisationen
Ein US-Bundesgericht verurteilte den 32-jährigen Olusegun Adejorin zu 96 Monaten Haft wegen BEC-Betrugs mit 7,5 Mio. USD Schaden.

Acht Jahre Haft für BEC-Betrüger nach Millionenschaden an Wohltätigkeitsorganisationen
Ein US-Bundesgericht hat den 32-jährigen nigerianischen Staatsangehörigen Olusegun Adejorin wegen eines weitreichenden Betrugssystems zu 96 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, wie Google News AT — Crime (de) berichtet. Adejorin wurde des Drahtbetrugs, des erschwerter Identitätsdiebstahls sowie des unbefugten Zugriffs auf geschützte Computersysteme schuldig befunden.
Zwischen Juni und August 2020 nahm Adejorin gezielt Mitarbeiter gemeinnütziger Organisationen in den US-Bundesstaaten Maryland und New York ins Visier. Er hackte E-Mail-Konten, verwendete gefälschte Domains und gab sich als autorisierter Mitarbeiter aus. Dadurch veranlasste er Überweisungen von insgesamt 7,5 Millionen US-Dollar auf Konten unter seiner Kontrolle.
Im August 2024 wurde Adejorin aus Ghana an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Im Dezember 2025 folgte der Schuldspruch in den wesentlichen Anklagepunkten, nun die Verkündung der Haftstrafe.
Globale Welle von BEC- und Finanzbetrug
Der Fall steht exemplarisch für eine zunehmende Professionalisierung im Bereich Business Email Compromise (BEC), bei dem Entscheidungsträger durch täuschend echte Kommunikation zu Fehlüberweisungen bewegt werden. Interpol meldete im Rahmen der „Operation Jackal IV" – durchgeführt von November 2025 bis Juni 2026 in 22 Ländern – erhebliche Erfolge: 58 Festnahmen, 263 identifizierte Verdächtige und allein in Südafrika sichergestellte Vermögenswerte von 3,67 Millionen US-Dollar.
Die Operation richtete sich insbesondere gegen westafrikanische Kriminalitätsgruppen, denen Krypto-Anlagebetrug, Liebesbetrug und Geldwäsche vorgeworfen werden. In Rumänien identifizierten Ermittler gestohlene oder gewaschene Gelder im Wert von 143 Millionen Euro im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten.
Steigende Schäden in den USA, Europa und Australien
Die Division of Consumer Protection im Bundesstaat New York bezifferte die Verluste durch Anlagebetrug im Jahr 2025 auf über 8 Milliarden US-Dollar – ein Zuwachs von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. KI-gestützte Deepfakes spielen dabei eine wachsende Rolle, um für betrügerische Kryptowährungen zu werben. Das FBI bezifferte die gesamten Internet-Kriminalitätsschäden für 2025 auf 20,877 Milliarden US-Dollar.
In Europa verzeichnete die Lloyds Bank einen Anstieg bei Betrugsfällen durch die Nachahmung von Steuerbehörden um 10 Prozent; der durchschnittliche Schaden pro Fall lag bei 2.288 Britischen Pfund. In Australien verloren Bürger im vergangenen Jahr 166,8 Millionen US-Dollar durch umgeleitete Zahlungsanweisungen.
Weitere Urteile und laufende Verfahren
Parallel zu Adejorin wurden weitere Schuldsprüche in ähnlichen Netzwerken vollstreckt. Der 40-jährige Oluwasegun Baiyewu wurde zu 95 Monaten Haft verurteilt, weil er zwischen Mai 2020 und Oktober 2021 insgesamt 3,1 Millionen US-Dollar aus Romantikbetrug und E-Mail-Betrug gewaschen hatte – unter anderem durch den Kauf von Fahrzeugen in den USA, die anschließend nach Nigeria exportiert wurden.
Zusätzlich wurden fünf Männer angeklagt, 7,4 Millionen US-Dollar aus Betrug im Bereich des technischen Supports gewaschen zu haben. Das Netzwerk nutzte zwischen Oktober 2024 und März 2026 über 40 Bankkonten und zahlreiche Briefkastenfirmen, um Gelder nach China und Hongkong zu transferieren. Ein Prozessbeginn ist für den 9. November angesetzt.
Source: Google News AT — Crime (de)