Amoklauf auf Techno-Festival in Aarau: Schweizer Täter schweigt zu Motiv
Ein 43-jähriger Schweizer soll auf einem Rave in Aarau eine Frau getötet und sechs weitere verletzt haben. Das Motiv bleibt unklar, ein politischer Hintergrund wurde ausgeschlossen.

Schüsse auf Rave in Aarau: Behörden stufen Tat als Amoklauf ein
Ein 43-jähriger Schweizer aus dem Kanton Jura soll in der Nacht auf Sonntag auf einem Techno-Festival in Aarau wahllos das Feuer eröffnet und dabei eine Frau getötet sowie sechs weitere Personen verletzt haben. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung nach einer Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwochnachmittag.
Der Verdächtige stellte sich in der Nacht auf Montag selbst bei der Polizei in seinem Heimatkanton. Michael Leupold, Kommandant der Aargauer Polizei, erklärte, es handle sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um den gesuchten Schützen. Hinweise auf weitere Täter oder Mitwisser gebe es keine. Die Zahl der Verletzten stieg von fünf auf sechs, nachdem sich eine verwundete Person erst am Montag bei der Polizei gemeldet hatte.
Der zuständige Staatsanwalt Christoph Rüedi, der den Verdächtigen selbst verhörte, gab an, dieser habe die Aussage verweigert. Er habe lediglich mitgeteilt, dass es ihm seit Längerem gesundheitlich schlecht gehe. Eine psychische Erkrankung sei möglich, entsprechende Belege lägen jedoch noch nicht vor. Das Motiv für den Angriff bleibe weiterhin unklar, ebenso warum der Mann gezielt dieses Festival in einem anderen Kanton aufgesucht habe. Auf ein politisches oder extremistisches Motiv gebe es keinerlei Hinweise. Die Behörden gehen von einem Amoklauf aus — kein Terrorakt, kein Auftragsmord.
Tathergang: 40 Schüsse mit einem Sturmgewehr
Einsatzleiter Matthias Schildknecht schilderte neue Details zum Ablauf. Der mutmaßliche Täter fuhr demnach am frühen Sonntagmorgen mit seinem Fahrzeug auf einen Parkplatz in der Nähe des Raves und ging dann zu Fuß weiter. Mit einem Sturmgewehr vom Typ AKS-74 — umgangssprachlich als Kalaschnikow bekannt — feuerte er demnach 40 Schüsse auf Festivalbesucher. Das Festival war zu diesem Zeitpunkt offiziell bereits beendet, auf dem Gelände befanden sich jedoch noch mehr als 100 Personen.
Neben dem Sturmgewehr führte der Mann zwei Pistolen mit sich. Alle Waffen waren auf ihn registriert und legal erworben worden. Der Mann hatte eine Ausbildung in der Schweizer Armee absolviert, diese jedoch 2013 verlassen und seine Dienstwaffe abgegeben. Auf dem Rückweg zu seinem Fahrzeug schoss er beim Parkplatz noch auf ein weiteres Auto, bevor er in Richtung Aarau davonfuhr.
Fahrzeughinweis führte schnell zur Identifizierung
Der Vorfall am Parkplatz erwies sich als entscheidend für die Ermittlungen: Anhand von Fahrzeugtyp und Kennzeichen konnten die Behörden den Kreis der infrage kommenden Fahrzeuge rasch eingrenzen. Der Tatverdächtige hatte sich zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits selbst gestellt.
Offene Fragen und Informationsleck
Die Pressekonferenz ließ zentrale Fragen offen. Unklar bleibt, ob das Festival tatsächlich ein Zufallsziel war — und warum ein Mann mitten in der Nacht in einen anderen Kanton zu einem bereits beendeten Event gefahren sein soll. Ungeklärt ist zudem, wie der Verdächtige trotz einer möglichen schweren psychischen Erkrankung legal Waffen — darunter ein Sturmgewehr — erwerben oder behalten konnte.
Zusätzlich warf die Pressekonferenz Fragen zur Informationspolitik auf: Viele der am Mittwoch bekannt gegebenen Details waren zuvor bereits an italienische Medien durchgestochen worden. Warum die Aargauer Polizei dennoch mehrere Tage wartete, bevor sie die Öffentlichkeit informierte, und wie es zu dem Leck kommen konnte, blieb unbeantwortet. Die Behörden verwiesen auf laufende Ermittlungen, die eine vollständige Offenlegung derzeit noch verhinderten.
Source: Süddeutsche Zeitung