Schusswaffen-Delikte in der Schweiz 2025 verdoppelt – Expertin warnt vor Panik

Nach dem tödlichen Schussvorfall in Aarau zeigt die Kriminalstatistik einen starken Anstieg bei Schusswaffendelikten. Eine Expertin der Uni St. Gallen mahnt zur Gelassenheit.

Schusswaffen-Delikte in der Schweiz 2025 verdoppelt – Expertin warnt vor Panik

Verdopplung bei Schusswaffen-Delikten – St. Gallener Kriminologin relativiert Zahlen

Nach dem tödlichen Schussvorfall in Aarau vom Sonntag mit einem Todesopfer und mehreren teils Schwerverletzten rücken aktuelle Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik in den Fokus. Wie SRF berichtet, hat in der Schweiz im vergangenen Jahr 32 Mal jemand versucht, mit einer Schusswaffe eine andere Person zu töten – doppelt so viele Fälle wie im Vorjahr. Bei schwerer Körperverletzung mit Schusswaffen wurden 2025 ebenfalls 13 Fälle registriert, deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

Nora Markwalder, Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der Universität St. Gallen, ordnet die Zahlen ein. «Um wirklich einen Anstieg feststellen zu können, muss man eine längere Beobachtungsperiode betrachten», sagt sie. Für den Anstieg könnten verschiedene Faktoren verantwortlich sein – darunter Zufall oder ein Einzelfall mit mehreren Opfern. Ihr Fazit: «Man muss jetzt nicht Alarm schlagen.»

Zudem betont Markwalder, dass die Zahl vollendeter Tötungen mit Schusswaffen 2025 gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen ist. Im historischen Vergleich zeige sich ohnehin ein deutlicher Rückgang: In den 1990er-Jahren habe es in der Schweiz weit mehr Schusswaffen-Tötungen gegeben als heute. Als Referenzpunkt nennt die Kriminologin das Jahr 2009, als 55 Personen durch Schusswaffengewalt ums Leben kamen. «Die letzten zehn Jahre ist eigentlich eine Stabilisierung festzustellen», so Markwalder.

Klare Ursachen für den langfristigen Rückgang lassen sich laut der Professorin nicht benennen. Eine mögliche Erklärung sei die abnehmende Zahl privater Schusswaffen in Schweizer Haushalten, was Befragungsstudien belegten. Als Gründe dafür nennt Markwalder die Verkleinerung der Armee sowie eine sinkende Bereitschaft, Armeewaffen zu Hause zu behalten.

Auffällig ist zudem eine Verschiebung bei den Tatwaffen: «Wir sehen in den Zahlen, dass es eigentlich seit 2016 mehr Stichwaffen-Tötungen gibt als Schusswaffen-Tötungen», erklärt Markwalder.

Fälle wie jener in Aarau – ein Todesopfer, mehrere Verletzte, öffentlicher Raum – seien glücklicherweise selten. Laut der Kriminologin zeige die Datenbank, dass solche Vorfälle mit mehreren Opfern im öffentlichen Raum in den vergangenen Jahrzehnten nur vereinzelt vorgekommen seien. Typischerweise gebe es pro Vorfall ein Opfer, und Täter und Opfer kennen sich. Ob das im Fall Aarau zutrifft, ist Gegenstand laufender Ermittlungen. Viele Fragen sind noch offen. Die Kantonspolizei Aargau hat für Mittwochnachmittag eine Medienkonferenz angekündigt.

Source: SRF

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