Crans-Montana-Brand: Barbetreiber Jacques M. erneut in Haft – diesmal wegen häuslicher Gewalt
Jacques M., Betreiber der Bar, in der Silvester 41 Menschen starben, sitzt wegen mutmaßlicher häuslicher Gewalt in U-Haft. Der Vorfall könnte die Brandermittlungen beeinflussen.

Neue Verhaftung im Fall Crans-Montana: Barbetreiber unter Verdacht der häuslichen Gewalt
Jacques M. befindet sich erneut in Untersuchungshaft – diesmal nicht im Zusammenhang mit dem verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation" im schweizerischen Crans-Montana, sondern wegen mutmaßlicher häuslicher Gewalt gegen seine Ehefrau Jessica M. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurde M. in der Nacht vom 11. auf den 12. August verhaftet. Als erstes hatte der Westschweizer Fernsehsender Léman Bleu darüber informiert.
Jessica M. soll infolge des Vorfalls ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Über ihren aktuellen Zustand ist nichts bekannt. Der Schweizer Rundfunk bestätigte die Inhaftierung. Die Anwälte von Jacques M. reagierten auf eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung vom Montag zunächst nicht.
Erster Brand, zweite Verhaftung
Beim Brand in der Silvesternacht waren 41 Menschen ums Leben gekommen und 115 weitere teils schwer verletzt worden. Das Feuer war nach bisherigem Ermittlungsstand durch eine an einer Champagnerflasche befestigte Sprühkerze ausgelöst worden, die auf Schaumstoff übergriff, der zur Schalldämmung an Decken und Wänden des Kellers angebracht war. Die Herkunft dieses Materials ist nach wie vor Gegenstand der Untersuchungen, da sie entscheidend dafür ist, ob es den Brandschutzvorschriften entsprach.
Jacques M. hatte bereits nach der Brandkatastrophe zwei Wochen in Untersuchungshaft verbracht, war jedoch nach Zahlung einer Kaution freigelassen worden. Seither musste er sich regelmäßig bei der Polizei melden und durfte die Schweiz nicht verlassen. Wie lange die erneute Haft angesetzt ist, ist derzeit nicht bekannt. In beiden Verfahren gilt die Unschuldsvermutung.
Mögliche Wende in den Brandermittlungen
Der Schweizer Rundfunk spekuliert bereits, ob die neue Verhaftung einen indirekten Wendepunkt in den Ermittlungen zur Brandkatastrophe darstellen könnte. Aus „mehreren mit dem Fall vertrauten Personen" will der Rundfunk erfahren haben, dass die Eheleute M. nach dem gewalttätigen Vorfall nun möglicherweise gegeneinander aussagen könnten. Bislang sollen beide in nicht öffentlichen Anhörungen weitgehend übereinstimmende Aussagen gemacht haben. Konkrete Belege für einen bevorstehenden Bruch gibt es jedoch noch nicht. Weitere Anhörungen zur Brandkatastrophe sind für den Herbst und Winter – voraussichtlich November und Dezember – geplant.
Wachsende Vorwurfsliste
Mit dem neuen Vorwurf der häuslichen Gewalt hat sich die Liste der mutmaßlichen Vergehen gegen die Betreiber des „Le Constellation" erneut verlängert. Zuletzt war Jessica M. der Urkundenfälschung verdächtig geworden. Hintergrund: Jacques M. hatte zunächst behauptet, den fraglichen Schaumstoff in einem Baumarkt in Riddes gekauft zu haben – was das Geschäft widerlegte, da es das entsprechende Produkt zu dem Zeitpunkt nicht im Sortiment geführt habe. Kurz darauf legte M. persönlich bei der Polizei eine Rechnung aus Hoyerswerda vor, die sich im Verlauf der Ermittlungen jedoch als wahrscheinliche Fälschung herausstellte.
Neue Spur: früherer Betreiber soll Schaumstoff bestellt haben
Eine Recherche des Schweizer Tages-Anzeigers, mit dem die Süddeutsche Zeitung kooperiert, brachte nun eine weitere Spur ans Licht: Demnach soll der frühere Besitzer und Betreiber der Bar den Schaumstoff im Auftrag der Eheleute M. bestellt haben – 550 Quadratmeter für rund 6.670 Euro. Für diese Transaktion existiert nach bisherigem Kenntnisstand eine echte Rechnung. Warum der ehemalige Betreiber das Geld für die M.s vorgestreckt haben soll und weshalb dieses Detail erst jetzt bekannt wird, bleibt vorerst ungeklärt.
Source: Süddeutsche Zeitung