Prozess gegen sechs «Junge Tat»-Mitglieder ab September in Zürich

Am 4. September beginnt vor dem Bezirksgericht Zürich der Prozess gegen sechs Anhänger der rechtsextremen Gruppierung «Junge Tat». Den Anführern drohen 15 Monate Freiheitsstrafe.

Prozess gegen sechs «Junge Tat»-Mitglieder ab September in Zürich

Rechtsextreme Gruppe vor Gericht: Anklage gegen «Junge Tat» in Zürich

Wie Google News CH — Crime (de) berichtet, beginnt am 4. September vor dem Bezirksgericht Zürich der Strafprozess gegen sechs Anhänger der als rechtsextrem eingestuften Gruppierung «Junge Tat». Im Zentrum stehen die beiden Anführer Tobias Lingg (23) und Manuel Corchia (25), die als öffentliche Gesichter der Organisation bekannt sind.

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl beantragt für beide je 15 Monate Freiheitsstrafe — sechs Monate vollziehbar, neun Monate bedingt. Dazu kommen Geldstrafen und Bussen. Die Anklagepunkte umfassen Diskriminierung und Aufruf zu Hass, Nötigung, Landfriedensbruch sowie Hausfriedensbruch, wie aus den am Freitag vom Gericht veröffentlichten Unterlagen hervorgeht.

Kirchenaktion während Pride-Gottesdienst

Zu den schwerwiegendsten Vorwürfen zählt ein Vorfall vom Juni 2022 in der Zürcher Kirche St. Peter und Paul. Während eines gut besuchten Pride-Gottesdienstes drangen Beschuldigte durch eine Seitentür ein und stellten ein 2,4 Meter hohes Holzkreuz mit der Aufschrift «NOPRIDEMONTH» auf. Dabei wurde die religiöse Feier gestört, die Anwesenden wurden verhöhnt, und am Steinboden entstand ein Sachschaden von knapp 9000 Franken. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung sowie als Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit.

Einschüchterung bei Kinderlesung im Tanzhaus

Im Oktober 2022 verschafften sich drei Beteiligte Zugang zu einer «Queer Story Time» im Tanzhaus Zürich — einer Kinderlesung mit rund 50 Anwesenden. Laut Anklageschrift zeichneten sie heimlich Gespräche auf und versuchten, ein Transparent auszurollen. Vor dem Gebäude zündeten weitere Gruppenmitglieder Pyrotechnik, skandierten Parolen und verteilten Flugblätter. Rauch und das martialische Auftreten veranlassten die Anwesenden aus Furcht, das Lokal vorübergehend nicht zu verlassen.

Aktionen auf Dächern und Bauwerken

Das Gericht behandelt zudem mehrere unbewilligte Einsätze auf öffentlichen Gebäuden. Im November 2022 bestiegen Mitglieder das Dach des SBB-Hauptbahnhofs in Basel, entrollten ein Transparent mit der Aufschrift «Kriminelle abschieben» und zündeten Rauchpetarden. Im April 2024 brachten sie beim Kesselhaus in Winterthur ein Transparent zum Thema Remigration an. Bereits im Mai 2022 war ein Baukran an der Zürcher Molkenstrasse bestiegen worden.

Schlägereien am Hauptbahnhof Zürich

Lingg und Corchia wird ausserdem vorgeworfen, sich im Februar 2022 am Hauptbahnhof Zürich an Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Demonstrationsgruppen beteiligt zu haben. Dabei soll es zu Faustschlägen und Fusstritten gekommen sein. Die Anklage sieht darin den Tatbestand des Landfriedensbruchs erfüllt.

Vier weitere Mitangeklagte

Die Rolle der übrigen vier Mitangeklagten bewertet die Justiz als untergeordnet; sie waren bei einzelnen Aktionen in wechselnder Besetzung dabei. Eine beschuldigte Frau fällt unter ihnen besonders auf, da sie an der Aktion beim Tanzhaus sowie in Winterthur beteiligt gewesen sein soll. Gegen vier der weiteren Beteiligten waren zuvor separate Strafbefehle ergangen — wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung oder Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz —, gegen die sie Einsprache erhoben hatten. Ihre Fälle werden daher nun ebenfalls vor Gericht verhandelt.

Source: Google News CH — Crime (de)

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