Drohnenanschlag auf Flughafen Leipzig/Halle: Bundesregierung macht Russland verantwortlich

Am Flughafen Leipzig/Halle wurden mit Sprengstoff bestückte Drohnen entdeckt. Die Bundesregierung sieht russische Geheimdienste als Auftraggeber.

Drohnenanschlag auf Flughafen Leipzig/Halle: Bundesregierung macht Russland verantwortlich

Russische „Wegwerfagenten" hinter Drohnenanschlag auf Flughafen Leipzig/Halle

Die Spuren des Anschlagsversuchs am Flughafen Leipzig/Halle führen nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden zu sogenannten Wegwerfagenten eines russischen Geheimdienstes. Wie Tagesschau berichtet, brauchte die Bundesregierung drei Wochen, um zu diesem Schluss zu gelangen – aus Rücksicht auf die Beweislage und als Gegengewicht zur russischen Propaganda.

Nur wenige Tage nach dem Fund einer mit Sprengstoff präparierten Drohne auf dem Flughafengelände hatte sich die russische Botschaft in Berlin auf der Plattform X zu Wort gemeldet. Sie bezeichnete den Vorfall als „hastig zusammengezimmerte Provokation" und lenkte den Verdacht auf die Ukraine. Die Bundesregierung wollte einer solchen Darstellung erst dann substanziell entgegentreten, wenn belastbare Beweise vorlagen.

Mehrere Drohnen, eine DNA-Spur

Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zufolge waren beim Anschlagsversuch offenbar zwei mit Sprengstoff bestückte Drohnen im Einsatz. Die erste wurde kurz vor Mitternacht in der Nacht vom 4. auf den 5. August in der Nähe einer ukrainischen Antonov-Maschine auf dem Flughafengelände entdeckt. Ein technischer Defekt verhinderte die Zündung des Sprengstoffs.

Zehn Tage später stieß die Polizei auf einem Feld in Kabelsketal, westlich des Flughafens, auf Teile einer weiteren Drohne. Auch dort wurde eine kleinere Menge desselben Sprengstoffs in unmittelbarer Nähe sichergestellt. Berichte über eine Kollision einer dritten Drohne mit einer DHL-Frachtmaschine in derselben Nacht haben sich laut ARD-Hauptstadtstudio nicht bestätigt – die Ermittler gehen davon aus, dass es sich wahrscheinlich um einen Vogel handelte.

Im Ort Kursdorf, ebenfalls in Flughafennähe, fanden die Ermittler weitere Spuren der Operation: eine Antenne an einem Baum, Metallteile, die möglicherweise zu einer weiteren Drohne gehören, sowie Hinweise auf eine Explosion an einer bestimmten Stelle. Der genaue Ablauf dort ist nach aktuellem Stand unklar. Möglich ist, dass die Antenne zur Signalverstärkung eingesetzt worden war.

Die aufgefundenen Drohnen sollen mit SIM-Karten ausgestattet gewesen sein, um sie per Mobilfunk steuern zu können. Die Akkukapazität war offenbar nicht für größere Distanzen ausgelegt – ein möglicher Grund, warum die Operation technisch scheiterte. An der Drohne auf dem Flughafengelände sicherten die Ermittler außerdem eine DNA-Spur, die einer bestimmten Person zugeordnet werden konnte.

Dobrindt: „Professionelle Technik, niedrige Ausführungsebene"

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte am Nachmittag, dass die eingesetzten Bauteile, der Sprengstoff und die Zündtechnik aus anderen hybriden Operationen Russlands sowie aus dem Krieg gegen die Ukraine bekannt seien. „Die vor Ort festgestellte Technik und das Zusammenspiel der einzelnen Elemente muss als professionell bezeichnet werden", sagte Dobrindt. Sie lasse ein hohes Maß an technischer Expertise und organisatorischem Aufwand erkennen.

Zugleich ordnete Dobrindt die Ausführung der Aktion dem Bereich der sogenannten Wegwerfagenten zu – Personen, die im Auftrag eines Geheimdienstes handeln, ohne direkt mit ihm in Verbindung gebracht werden zu können. „Die Gesamtbetrachtung fügt sich in das bekannte Muster russischer hybrider Operationen in Europa ein", sagte er. Erkenntnisse aus nachrichtendienstlichem Aufkommen belegten, dass beteiligte Personen im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt hätten. Die Bundesregierung kommt deshalb zu dem Schluss, dass Russland den hybriden Angriff in Leipzig zu verantworten hat.

Ermittlungen dauern an, keine Festnahmen

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios stieß man im Verlauf der Ermittlungen auf mindestens eine Person, die Verbindungen zu einem russischen Geheimdienst haben soll. Festnahmen konkreter Tatverdächtiger gelangen bislang nicht. Mit der Aufklärung befasst sind vor allem das Bundesamt für Verfassungsschutz, das eng mit befreundeten europäischen Inlandsdiensten zusammenarbeitet, sowie das Bundeskriminalamt. Der Generalbundesanwalt führt ein Ermittlungsverfahren.

Die Sicherheitsbehörden sind nach eigenen Angaben auch ohne Festnahmen überzeugt, dass Wegwerfagenten unter russischer Führung hinter dem Anschlag stecken. Da das dahinterstehende Netzwerk nach Einschätzung der Behörden weiterhin aktiv ist, können nicht alle gewonnenen Erkenntnisse veröffentlicht werden – zumal die Ermittlungen noch laufen.

Ein weiterer Faktor: Viele der vorliegenden Hinweise stammen aus geheimdienstlichen Quellen, teils aus dem Ausland, die einer Offenlegung nicht zugänglich sind. Russische Dienste setzen dem Vernehmen nach bewusst auf das System von Wegwerfagenten und Strohmännern, weil es so nahezu unmöglich wird, sie gerichtsfest als Auftraggeber zu identifizieren. Ob die bisherige Beweismenge für eine formelle Attribuierung ausreicht, ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen noch offen.

Source: Tagesschau

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