Lebenslang für Mörder von Amy Lopez – Urteil in Koblenz nach 32 Jahren

32 Jahre nach dem Mord an der US-Touristin Amy Lopez hat das Landgericht Koblenz den 81-jährigen Täter zu lebenslanger Haft verurteilt. DNA-Auswertung ermöglichte den Durchbruch in dem Cold Case.

Lebenslang für Mörder von Amy Lopez – Urteil in Koblenz nach 32 Jahren

Lebenslang für 81-Jährigen: Cold Case Amy Lopez nach mehr als drei Jahrzehnten aufgeklärt

Das Landgericht Koblenz hat einen 81 Jahre alten Mann wegen des Mordes an der US-amerikanischen Touristin Amy Lopez zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Wie n-tv berichtet, stellte das Gericht zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Die Tat hatte der Angeklagte bereits zu Prozessbeginn pauschal eingeräumt.

Richter Rupert Stehlin sprach von einem „außergewöhnlichen Fall". Bei aller Erleichterung über die Aufklärung bleibe eine große Bedrückung, sagte er bei der Urteilsverkündung. Die Kammer folgte damit den übereinstimmenden Anträgen von Staatsanwaltschaft, Nebenklagevertretern und Verteidigung.

Die Tat vom September 1994

Laut Gericht lockte der Mann die damals 24-jährige Amy Lopez im September 1994 nahe der Festung Ehrenbreitstein in ein abseits gelegenes, leerstehendes Gebäude. Dort fesselte er sie, missbrauchte sie sexuell und tötete sie mit neun Messerstichen. Kurz nach der Tat entdeckten spielende Kinder die Leiche. Der Mord sei heimtückisch und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs erfolgt, urteilte das Gericht.

Richter Stehlin beschrieb das Vorgehen als zielgerichtet und geplant – der Begriff „Menschenjagd" treffe es treffend. Gerichtssprecherin Eva Maria Kahn erklärte: „Amy Lopez war fatalerweise zur falschen Zeit am falschen Ort." Der Verurteilte habe an jenem Tag bewusst nach einem Vergewaltigungsopfer gesucht – Amy Lopez sei ein Zufallsopfer gewesen.

Nach Angaben des Gerichts beging der Mann in den Jahrzehnten nach der Tat weitere Sexualdelikte und saß dafür teils mehrjährige Haftstrafen ab. Nach dem Ende seiner letzten Strafe im Jahr 2005 sei er nicht mehr auffällig geworden.

DNA-Spur führt zu Festnahme im Seniorenheim

Jahrzehntelang blieb der Fall ungeklärt. Den Durchbruch brachte die Auswertung alter DNA-Spuren mit neuen technischen Methoden: Die Probe ließ sich dem 81-Jährigen eindeutig zuordnen. Ende Februar 2026 wurde er daraufhin in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen.

Sein Verteidiger erklärte, der Mann habe die DNA-Probe freiwillig abgegeben, weil er „endlich Klarheit haben wollte". Die jahrelange Ungewissheit habe ihn „extrem belastet", weshalb er sich der Verantwortung habe stellen wollen.

Voller Sitzungssaal, gefasste Angehörige

Der Prozess erstreckte sich über insgesamt vier Verhandlungstage. Bereits vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Menschen in langen Schlangen angestellt; im Sitzungssaal war an allen Tagen jeder Platz belegt. Besonders prägend war die Anwesenheit des Vaters und des Bruders von Amy Lopez, die rund eine Stunde lang dem Verurteilten gegenübersaßen – und dabei gefasst blieben.

Anwältin Kathrin Kienle, die die Angehörigen vertrat, sagte nach dem Urteil: „Das Urteil kann selbstverständlich nicht die Tat ungeschehen machen, es kann auch Amy nicht zurückbringen." Ihr Vater und ihr Bruder hätten ihr mitgeteilt, über all die Jahre hinweg nie inneren Frieden gefunden zu haben – solange der Täter nicht gefasst war. Die Anwesenheit der beiden bei der Urteilsverkündung sei der „Versuch eines Abschlusses", so Kienle. Sie hoffe, dass sie diesen Frieden nun finden könnten.

Angeklagter schweigt – ein einziger langer Satz

Während des gesamten Prozesses verhielt sich der 81-Jährige weitgehend teilnahmslos und schweigsam. Staatsanwalt Gislai und die Nebenklage hoben sein emotionsloses Auftreten hervor: Er habe „kein echtes Mitleid" und keine öffentliche Reue gezeigt. Verteidiger Volker Klein erklärte dazu, er habe seinem Mandanten davon abgeraten – „für einen Mord kann man sich nicht entschuldigen". Gegenüber seinem Anwalt soll der Mann jedoch Reue gezeigt haben.

Nach der Urteilsverkündung verzichtete Verteidiger Klein auf eine Revision. Angesprochen vom Richter sagte der Angeklagte: „Ich nehme das Urteil an, das ist das Einzige, was ich noch gut machen kann." Es war der längste Satz, den er in den vier Verhandlungstagen gesprochen hatte. Auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage legten nach kurzer Absprache keine Rechtsmittel ein.

Staatsanwältin Andrea Maier erklärte, das Urteil sei damit rechtskräftig. „Wir sind heilfroh gewesen, als wir die Tat nach so vielen Jahren aufklären konnten und einen Täter zur Strecke bringen konnten", sagte sie. „Das zeigt, dass man auch immer wieder an diesen Cold Cases dranbleiben muss."

Source: n-tv

Read this article in English