Mordprozess Fabian: Zeuge berichtet von Geldnöten und Verlustängsten der Angeklagten
Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock hat ein Verwandter von Gina H. über ihre finanziellen Probleme ausgesagt.

Zeuge im Mordprozess: Gina H. wollte kurz vor Fabians Tod Kredit aufnehmen
Im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian hat ein Verwandter der Angeklagten Gina H. vor dem Landgericht Rostock belastendes Zeugnis abgelegt. Wie DER SPIEGEL (Justiz & Kriminalität) berichtet, schilderte der Mann, dass Gina H. Anfang 2025 aus finanziellen Gründen eine Umschuldung angestrebt habe. Zudem habe sie einen Kredit in fünfstelliger Höhe aufnehmen wollen und ihn um eine Bürgschaft gebeten — er habe zugestimmt. Derzeit begleichen ihre Großeltern, bei denen die Frau zuletzt gewohnt habe, die laufenden Raten.
Ob die Angeklagte schuldig sei, könne er nicht beurteilen, sagte der Zeuge. „Ich kann niemandem in den Kopf gucken." Eine Erklärung für den Tod Fabians habe er „gar nicht".
Der Verwandte berichtete außerdem, dass Gina H. bereits seit ihrer Jugend unter Verlustängsten geliehen habe. Es falle ihr schwer, Menschen gehen zu lassen, die ihr nahestünden. Zum konkreten Umgang der Angeklagten mit ihrem eigenen Sohn und Fabian könne er keine genauen Angaben machen.
Die Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater beschrieb der Zeuge als „hauptsächlich harmonisch", erinnerte sich jedoch an eine Situation, in der der Kindesvater ihr gegenüber handgreiflich geworden sein soll — das sei etwa zwei Jahre her.
Wie bereits in früheren Prozesstagen wurden zahlreiche Sprach- und Textnachrichten verlesen, die Spannungen in der Beziehung zwischen der Angeklagten und Fabians Vater belegten. Noch am Tag nach dem Fund der Leiche tauschten beide im Minutentakt Sprachnachrichten aus. „Mein Sohn ist tot. Das Leben ist scheiße", soll der Kindesvater darin gesagt haben. „Man fühlt sich einfach leer, hilflos." Gina H. antwortete: „Es ist auch für mich nicht einfach."
Laut Anklage soll die Frau Fabian im Oktober erstochen und seinen Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben. Als Motiv gilt den Ermittlern ihre Beziehung zu Fabians Vater sowie eine zeitweise Trennung von ihm. Am Montag hatte Gina H. erstmals im Prozess ausgesagt und die Vorwürfe zurückgewiesen.