Mordprozess Güstrow: Gina H. bricht erstmals ihr Schweigen im Fall Fabian (8)
Am Landgericht Rostock hat die beschuldigte Gina H. am Montag erstmals ausgesagt. Die 30-Jährige soll den achtjährigen Fabian erstochen und seine Leiche verbrannt haben.

Angeklagte Gina H. legt am Landgericht Rostock erstmals Aussage ab
Im Mordprozess um den getöteten Achtjährigen aus Güstrow hat die Beschuldigte Gina H. am Montag um 9.30 Uhr erstmals das Wort ergriffen. Wie 20 Minuten berichtet, hatten ihre Verteidiger die Aussage bereits vor einigen Wochen beim Landgericht Rostock angekündigt.
Die 30-Jährige ist laut Anklage dafür verantwortlich, den Buben Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und seine Leiche anschliessend in Brand gesetzt zu haben. Die Leiche wurde am 14. Oktober gefunden.
Lückenhafte Handy- und Fahrzeugdaten belasten die Angeklagte
Die Handydaten von Gina H. werden im Prozess als «extrem lückenhaft» bezeichnet. Am Tattag sendete ihr Gerät während einer ganzen Stunde keine Daten aus. Auch die Aufzeichnungen ihres Pick-ups weisen eine auffällige Lücke auf: Alle Fahrzeugdaten zwischen dem 3. September und dem 13. Oktober fehlen — genau jener Zeitraum, in den Fabians Tod fällt. «Es ist sehr komisch, denn die Daten sind abrupt ab dem 13. Oktober wieder vorhanden», sagte der Sachverständige, der das Fahrzeug laut «Stern» untersucht hatte. Ein händisches Löschen schliesse er zwar «nahezu aus», eine Störung durch einen Störsender könne er hingegen nicht ausschliessen. Ebenso sei es möglich, dass das System die Daten selbst überschrieben habe.
Im Prozessverlauf kamen ausserdem verdächtige Suchanfragen zur Sprache — darunter «Polizei – Pressemeldungen» am Tag von Fabians Verschwinden sowie die Frage «Fressen Wildschweine tote Menschen?».
Zeugen zeichnen ein belastendes Bild
Zahlreiche Zeugen haben vor Gericht gegen Gina H. ausgesagt. Nachbarin Heike M. gab an, von der mutmasslichen Täterin per Telefon über den Leichenfund informiert worden zu sein — die Worte seien «völlig emotionslos» gefallen. H. habe dabei gefragt: «Soll ich dir ein Bild machen?», womit sie Fabians Leiche meinte. Dieselbe Zeugin schilderte, sie habe Gina H. früher einmal kritisiert: «Ganz ehrlich Gina, du kümmerst dich mehr um die Pferde als um deinen Sohn.»
Eine Arbeitskollegin von Fabians Vater Matthias R. berichtete, dieser sei von Gina H. nach der Trennung ständig angerufen und unter Druck gesetzt worden; nach der Trennung sei er «aufgeblüht». Eine weitere Nachbarin gab an, Gina H. habe in dieser Phase eigenen Angaben zufolge Suizidversuche unternommen.
Oberstaatsanwalt Oliver Schley sieht ihre «manipulative Art» durch die Vielzahl der Aussagen bestätigt.
Ex-Freund bekennt sich zu ihr
Gina H. war zum Zeitpunkt von Fabians Tod die Ex-Freundin seines Vaters. Inzwischen sind die beiden erneut ein Paar. «Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr», sagte Matthias R. im Laufe des Verfahrens. Sie hätten sich im Gefängnis wieder angenähert.
Source: 20 Minuten