Sechsfachmord in Stade: Frau des Schützen schlug auf sterbende Sozialarbeiterin ein

Beim Amoklauf in einer Jugendeinrichtung in Stade erschoss ein 45-Jähriger sechs Menschen. Neue Details zeigen das Ausmaß der Gewalt.

Sechsfachmord in Stade: Frau des Schützen schlug auf sterbende Sozialarbeiterin ein

Sechs Tote nach Schüssen in Stader Jugendhilfeeinrichtung – neue Details zur Bluttat

Beim Sechsfachmord von Stade kommen immer mehr erschreckende Einzelheiten ans Licht, berichtet BILD. Ein 45-jähriger türkischer Staatsangehöriger aus Garbsen bei Hannover eröffnete am Montagmittag das Feuer in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der niedersächsischen Kleinstadt – mitten in einem Hilfeplangespräch.

Sechs Menschen sterben, Täter flieht mit Geisel

Beim Eintreffen von Polizei und Rettungskräften lagen vier Menschen tot in der Einrichtung. Eine weitere Person starb trotz Reanimationsversuchen noch vor Ort, eine sechste erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Unter den Toten befinden sich zwei Frauen und ein Mann, die als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover vor Ort waren, sowie zwei Frauen und ein Mann aus der Stader Einrichtung selbst. Die Tochter des mutmaßlichen Täters sowie deren Mutter blieben unverletzt.

Nach der Tat floh der Schütze in einem Auto, dessen Fahrerin er dem „Spiegel" zufolge mit vorgehaltener Waffe zur Flucht zwang. Beamte schossen auf die Reifen des Fahrzeugs und nahmen beide Insassen fest. Die 64-jährige Fahrerin hatte in den Tagen vor der Tat mehreren Medien Papiere zukommen lassen, in denen sie sich als Patentante des Babys bezeichnete. Sie wurde befragt und anschließend aus dem Gewahrsam entlassen.

Sorgerechtsstreit als mutmaßliches Motiv

Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass ein eskalierter Sorgerechtsstreit die Tat auslöste. Das Jugendamt hatte das Sorgerecht des Vaters einschränken wollen, nachdem ein Gutachten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Verletzungen bei dem fünf Wochen alten Baby festgestellt hatte. Das Kind war im April als Notfall in eine Hannoveraner Klinik eingeliefert worden; Ärzte stellten Hirnblutungen fest und äußerten den Verdacht auf ein Schütteltrauma. Die Eltern bestritten dies. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelte gegen beide Elternteile wegen des Verdachts auf Misshandlung von Schutzbefohlenen, beiden wurde die Gesundheitsfürsorge entzogen. Später gestatteten die Behörden, dass Mutter und Kind gemeinsam in der Stader Einrichtung leben durften. Das Gespräch am Montag sollte Unterstützungsmaßnahmen und Umgangsregeln für die Familie klären.

Täter mehrfach durch Aggressivität aufgefallen

Mehrere Medien nennen den mutmaßlichen Täter als Fatih Khan G. – die Polizei hat den Namen bisher nicht offiziell bestätigt. Behördenangaben zufolge handelt es sich um einen in Deutschland geborenen türkischen Staatsangehörigen, der polizeibekannt ist und als auffällig, aggressiv und schwierig gilt.

Bereits während der Behandlung des Babys in Hannover war der Vater nach Angaben der behandelnden Ärzte aggressiv geworden. Die „Süddeutsche Zeitung" berichtete, er habe im Verlauf der mehrwöchigen Behandlung Ärzte bedroht und gesagt: „Wenn meiner Tochter was passiert …". Er habe zudem die Polizei eingeschaltet, um eine Notoperation zu verhindern. Die Ärzte erstatteten Anzeige gegen ihn. Die Mitarbeitenden des Jugendamtes Hannover reisten Medienberichten zufolge zu dritt an, weil sie zumindest mit einem schwierigen Gespräch rechneten.

BILD berichtete darüber hinaus, dass dem Mann in der Türkei der sexuelle Missbrauch einer Tochter aus einer früheren Beziehung vorgeworfen wird. Er soll aus der türkischen Untersuchungshaft geflohen und danach in Deutschland untergetaucht sein – den deutschen Behörden war dies bis zur Tat nicht bekannt.

Tatwaffe für rund 4.000 Euro erworben

Die mutmaßliche Tatwaffe, dem NDR zufolge eine Beretta Modell 70, wurde bei der Festnahme beim Verdächtigen gefunden. Der 45-Jährige soll sie eine Woche vor der Tat am Berliner Kurfürstendamm erworben und zusammen mit 21 Schuss Munition rund 4.000 Euro bezahlt haben. Diese Angaben hat die Polizei bisher nicht offiziell bestätigt. Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten übereinstimmend lediglich, der Mann habe weder eine Erlaubnis zum Besitz noch zum Führen einer Schusswaffe gehabt.

Ermittlungen gegen die Mutter des Kindes laufen weiter

Die Mutter des Kindes, einer Polizeiangaben zufolge 34-Jährigen, und das Kind wurden dem „Spiegel" zufolge vom Vater kurz vor den Schüssen aus dem Raum geschickt. Eine mögliche Tatbeteiligung der Frau ist jedoch weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Auch gegen die Fahrerin des Fluchtfahrzeugs wird ermittelt. Ob und welcher Tatvorwurf angeklagt wird, kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden.

Bundesweites Entsetzen, Kanzler und Ministerpräsident reagieren

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, er sei „erschüttert bis ins Mark". Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies zeigte sich entsetzt über die „Grausamkeit und Brutalität, mit der der Täter dort vorgegangen ist", und betonte, bei den Opfern handele es sich um Menschen, „die sich täglich darum kümmern, dass andere Menschen eine Perspektive bekommen". Die Region Hannover teilte mit, Kolleginnen und Kollegen seien bei der Ausübung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe ums Leben gekommen.

Source: BILD

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