SEK stürmt Lkw von Strom-Saboteur am Hambacher Forst – Verdächtiger flüchtig
Spezialkräfte durchsuchten einen Lastwagen nahe dem Hambacher Forst, doch der gesuchte Daniel V. (48) war nicht darin. Die Fahndung läuft europaweit.

Fahndung im Hambacher Forst: Strom-Saboteur entwischt SEK-Zugriff
Nahe dem Braunkohletagebau Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen hat das Spezialeinsatzkommando (SEK) einen auffälligen Lastwagen gestürmt – doch der gesuchte Tatverdächtige Daniel V. (48) war nicht an Bord. Das berichtet BILD.
Die schwer bewaffneten Beamten näherten sich dem Fahrzeug mit Vorsicht, da sie Sprengfallen nicht ausschlossen. Als die Türen aufflogen und das SEK den Laster durchsuchte, fanden sie niemanden. Der Verdächtige war bereits geflohen.
NRW-Innenminister Herbert Reul (74, CDU) bestätigte kurz darauf die Meldung. Daniel V. sei vermutlich zu Fuß unterwegs und werde nicht weit kommen, so der Minister.
Hundertschaft und Mantrailer-Hunde im Einsatz
Auch in der Nacht fahndeten die Einsatzkräfte mit Hochdruck im Hambacher Forst nach dem Verdächtigen. Laut Polizei Köln war eine Hundertschaft vor Ort. Am Nachmittag waren zudem Mantrailer-Hunde eingesetzt worden, um die Fährte des mutmaßlichen Täters aufzunehmen.
Der SEK-Zugriff erfolgte in unmittelbarer Nähe des seit Jahren umstrittenen Braunkohletagebaus zwischen Aachen und Köln. Ob der Verdächtige dort weitere Anschläge geplant hatte, blieb zunächst unklar. In einem Bekennerschreiben hatte er angegeben, fossile Energieträger bekämpfen zu wollen – darunter Braunkohle.
Sprengstoffverdächtige Gegenstände in Wohnung gefunden
Bereits zuvor hatten Ermittler die Wohnung des 48-Jährigen in Gevelsberg durchsucht. Reul äußerte sich dazu auf einer Pressekonferenz: „Wir haben in der Wohnung des Verdächtigen einiges gefunden, nämlich verdächtige Stoffe beziehungsweise sprengstoffverdächtige Gegenstände. Zur Menge können wir im Moment noch nichts sagen. Alle diese Funde werden von den Spezialisten untersucht."
Dem Verdächtigen wird eine Sabotageserie an Umspannwerken in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen vorgeworfen. Die Behörden fahnden europaweit nach ihm.
Bekennerschreiben mit Namen und Adresse
Das Bekennerschreiben, das die einzelnen Anschläge miteinander verbindet, enthielt laut Reul ungewöhnlich viele Details. Der Verfasser nannte darin seinen vollen Namen sowie seine Anschrift – „sehr ungewöhnlich, relativ selten", so der Minister. Dennoch werde nun geprüft, ob Daniel V. tatsächlich der Täter sei und ob weitere Personen beteiligt waren.
Reul bewertete die Schreiben als authentisch: „Der Verfasser nennt als Motiv den Kampf gegen fossile Brennstoffe."
Bundesinnenminister spricht von Klimaextremismus
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) war ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend. „Nach aktuellem Stand muss man hier von Klimaextremismus ausgehen", sagte er im Anschluss an Reuls Ausführungen.
Während der Konferenz griff Dobrindt offenbar zu seinem Mobiltelefon, nachdem er eine Eilmeldung erhalten hatte. Er reichte das Gerät an Reul weiter. „Wenn Sie die Eilmeldungen zurzeit gerade mitverfolgen, dann sehen Sie, dass es gerade eine aktuelle Operation gibt", so der Bundesminister.
Source: BILD