Verurteilter Windpark-Betrüger Holt flüchtig – meldet sich aus Moskau

Hendrik Holt kehrte am 25. August nicht aus einem genehmigten Freigang in die Berliner JVA zurück. Auf Instagram erschienen Bilder und Videos, die aus Moskau stammen sollen.

Verurteilter Windpark-Betrüger Holt flüchtig – meldet sich aus Moskau

Fahndung nach Hendrik Holt: Flucht aus offenem Vollzug, Grüße aus Russland

Der wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilte Unternehmer Hendrik Holt ist am 25. August nicht von einem genehmigten, unbegleiteten Ausgang in die Justizvollzugsanstalt (JVA) im Süden Berlins zurückgekehrt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück auf Anfrage schriftlich bestätigt, dass Fahndungsmaßnahmen eingeleitet wurden.

„Mittlerweile liegen Tatsachen vor, aufgrund derer von einer Flucht auszugehen ist", erklärte ein Behördensprecher. Holt habe der JVA per E-Mail schriftlich mitgeteilt, dass er nicht zurückkehren werde.

Instagram-Posts deuten auf Moskau hin

Am Donnerstagnachmittag tauchten auf dem verifizierten Instagram-Account „hendrikrichardholt" – mit über 60.000 Followern – ein Bild und ein Video auf, die aus Moskau stammen sollen. Beide Beiträge wurden als Story hochgeladen und verschwinden nach einem Tag automatisch. Das Bild zeigt eine nächtliche Straße mit dem Text: „Liebesgrüße aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch." Das Video schwenkt von einem pinken Haus zu einem gelben.

Die F.A.Z. hat das Videomaterial mit Straßenansichten des russischen Kartendienstes Yandex Maps abgeglichen. Demnach befindet sich das pinke Gebäude im Moskauer Stadtteil Basmannyj im Nordosten der Stadt. An einem gelben Nachbarhaus ist in einer Yandex-Aufnahme aus dem Jahr 2025 ein rotes Plakat für eine Opernaufführung erkennbar – dasselbe Plakat ist auch in der Instagram-Story zu sehen.

Auch die Wetterbedingungen passen: Laut dem Wetterdienst der World Meteorological Organization war es am betreffenden Donnerstagnachmittag in Moskau bewölkt, was dem Foto entspricht. Ob Holt selbst zu diesem Zeitpunkt vor Ort war, ist jedoch unklar. Die Möglichkeit, dass jemand anderes das Material aufgenommen hat oder dass es mithilfe von Künstlicher Intelligenz verfälscht wurde, kann nicht ausgeschlossen werden.

Vom Wunderkind zum Häftling

Der heute 36-jährige Holt galt einst als unternehmerisches Wunderkind aus dem Emsland. Gemeinsam mit weiteren Beteiligten vermarktete er im großen Stil Windparks, die nur auf dem Papier existierten. Mehrere ausländische Energiekonzerne fielen auf den Schwindel und gefälschte Dokumente herein und schlossen Projektverträge mit Holts Unternehmensgruppe ab.

Im Frühjahr 2020 wurde Holt spektakulär im Berliner Nobelhotel Adlon festgenommen. Ermittler beschlagnahmten mehrere Luxuslimousinen, Schmuck und Bargeld. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn 2022 zunächst zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Betrugs; durch weitere Urteile erhöhte sich die Gesamtfreiheitsstrafe auf mehr als acht Jahre, wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung. Nachdem Holt und Mitangeklagte 2023 ihre Revisionsanträge beim Bundesgerichtshof zurückgezogen hatten, wurden die Entscheidungen rechtskräftig.

Berliner Vollzugslockerungen im Fokus

Zunächst verbüßte Holt seine Strafe in einem niedersächsischen Gefängnis, bevor er im Sommer 2023 auf eigenen Antrag nach Berlin verlegt wurde. Seit dem Frühjahr 2025 durfte er die JVA tagsüber im Rahmen des offenen Vollzugs verlassen. Berlin setzt dieses Instrument zur Vorbereitung auf die Entlassung deutlich häufiger ein als andere Bundesländer. Im Fall Holt ist die Berliner Justiz mit dieser Praxis nun gescheitert.

Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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