Flydubai-Pilot Machchhar vereitelt Cockpit-Angriff und rettet 182 Passagiere

Der indische Kapitän Smit Machchhar überwand schwere Stichwunden, um einen Anschlag eines Copiloten im Cockpit zu verhindern. Die Boeing 737 war von Dubai nach Tel Aviv unterwegs und wurde nach Saudi-Arabien umgeleitet.

Flydubai-Pilot Machchhar vereitelt Cockpit-Angriff und rettet 182 Passagiere

Pilot mit Stichwunden rettet 182 Menschen im Flugzeug

Laut WELT hat der indische Flugkapitän Smit Machchhar ein Messerattentat eines Copiloten im Cockpit einer Flydubai-Maschine vereitelt und damit die Leben von 182 Passagieren bewahrt. Machchhar, der in einem Krankenhaus in Abu Dhabi behandelt wird, berichtete von dem Vorfall am Freitag in einer Videoschalte mit dem indischen Premierminister Narendra Modi.

Die Boeing 737 war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, wurde aber zur Notlandung nach Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens umgeleitet. Der omanische Copilot griff Machchhar an und verletzte ihn schwer mit einem Messer. Machchhar erlitt tiefe Wunden an Arm, Hals und Hinterkopf.

„Ich kämpfte um mein Leben", beschrieb der Pilot mit bandagiertem Kopf die Situation aus dem Krankenzimmer. „Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich nicht aufstehe, dann würden die Passagiere ihr Leben verlieren." Trotz erheblichen Blutverlusts rappelte sich Machchhar auf und schaffte es, die Cockpittür zu öffnen. Dies ermöglichte Passagieren, eindringen und den Angreifer zu überwältigen.

Machchhar, der seit 17 Jahren Pilot ist und seit elf Jahren als Kapitän fungiert, erklärte, dass er die Absturzgeschwindigkeit des Flugzeugs durch sein Körpergefühl spürte, obwohl er zu Boden lag. „Ich fliege seit 17 Jahren Flugzeuge. Ich kann genau spüren, was mit einem Flugzeug geschieht, selbst wenn meine Augen geschlossen sind. Als ich am Boden lag, fühlte ich, dass das Flugzeug abstürzte."

Ein mitreisender Zahnarzt, Shota Musaev, half dem blutenden Pilot mit Erste-Hilfe-Maßnahmen. „Der Pilot verlor sehr viel Blut", sagte Musaev der britischen „Daily Mail". „Sein Arm war aufgeschlitzt, ebenso sein Hals. Außerdem hatte er eine sehr tiefe Wunde am Hinterkopf. Das gesamte Cockpit war voller Blut." Musaev und andere Passagiere hielten Machchhar wach und stoppten die Blutungen mit Stoffstücken.

Die Dramatik der Minuten nach dem Angriff wurde in Videos dokumentiert, die in sozialen Netzwerken zirkulierten. Passagiere sind zu hören, die dem Piloten zurufen: „Stay awake, stay awake! Don't fall asleep!" Musaev forderte später: „Wäre das Cockpit verschlossen geblieben, hätten wir wahrscheinlich nichts tun können. Es wäre ein zweiter 11. September geworden."

Machchhar sagte Modi auch, dass ihm religiöse Gebete während des Kampfes Kraft gaben. Er rezitierte eine Andacht zu Ehren des Affengottes Hanuman, der in der hinduistischen Tradition um Mut und Kraft gebeten wird. „Gott Hanuman gab mir Mut", sagte er zu Modi.

Der Copilot wurde nach der Notlandung in Saudi-Arabien in Gewahrsam genommen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte mit, der Angreifer habe die omanische Staatsbürgerschaft. Israel geht von einem geplanten Terroranschlag aus. „Seine Social-Media-Konten zeigen eindeutig, dass er von einer dschihadistischen Ideologie radikalisiert wurde. Er spricht davon, Juden zu töten", zitierte die „Daily Mail" einen israelischen Beamten.

Nach der Überwältigung forderte der Copilot die Passagiere wiederholt auf, ihn zu töten. „Er sagte nichts, außer uns anzuflehen: ,Tötet mich'", berichtete Musaev. Passagiere fesselten ihm Hände und Füße.

Machchhar ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach seinem LinkedIn-Profil arbeitet er seit etwa vier Jahren für Flydubai. Davor war er elf Jahre lang für SpiceJet, eine indische Billigfluggesellschaft, tätig und absolvierte dort mehr als 9750 Flugstunden.

Philip Kean, Geschäftsführer der neuseeländischen Flugschule Mainland Air, an der Machchhar ausgebildet wurde, sagte, dass Piloten üblicherweise trainieren, die Kontrolle zu übernehmen, falls ein anderes Besatzungsmitglied handlungsunfähig wird. Ein Messerangriff durch einen Kollegen sei jedoch nicht Teil der Standard-Ausbildung. „Ich glaube nicht, dass es im Handbuch viel dazu gibt, erstochen zu werden", sagte Kean der Nachrichtenagentur AP.

Premierminister Modi würdigte Machchhars Handeln und erklärte, dass „Mut, Geduld und Geistesgegenwart" des Piloten viele Menschenleben gerettet hätten. Der Vorfall zeigt, wie schnelle Entscheidungen eines erfahrenen Piloten auch unter extremem körperlichem Stress eine Katastrophe verhindern können.

Source: WELT

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