Betrugsprozess in Leoben: Ehepaar soll über 90-Jährige um 150.000 Euro geschädigt haben
Am Landesgericht Leoben wurde der Betrugsprozess gegen ein obersteirisches Ehepaar fortgesetzt. Die Angeklagten bestreiten alle Vorwürfe.

Zeugen schildern widersprüchliche Bilder im Leoben-Betrugsverfahren
Am Landesgericht Leoben wurde am Donnerstag ein schwerer Betrugsfall erneut verhandelt. Wie die Kleine Zeitung berichtet, ist ein Ehepaar aus der Obersteiermark angeklagt, eine mittlerweile verstorbene, über 90-jährige Nachbarin um mehr als 150.000 Euro gebracht zu haben. Das Paar bestreitet sämtliche Vorwürfe. Im Mittelpunkt der Verhandlung standen stundenlange Befragungen von Nachbarn, Handwerkern sowie Vertrauenspersonen und Angehörigen der Verstorbenen.
Dem 53-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, zwischen Jänner 2022 und April 2024 zahlreiche Überweisungen und Bargeldbehebungen von den Konten der älteren Frau veranlasst zu haben — teils innerhalb weniger Minuten am selben Tag. Die dabei zusammengekommene Summe beläuft sich auf 120.000 Euro. Zusätzlich soll der Beschuldigte versucht haben, einen Großteil des Kaufpreises von 150.000 Euro zurückzuüberweisen, den die Frau Ende 2021 für den Verkauf ihrer Wohnung an die Nachbarn erhalten hatte.
Zentrale Frage des Verhandlungstages war, ob Umbauarbeiten in der Wohnung und auf der Terrasse der älteren Frau auf deren eigenen Wunsch oder auf Drängen des Angeklagten zurückgingen. Die Aussagen der Zeugen fielen dabei widersprüchlich aus. „Mir erschien sie immer sehr orientiert. Sie wusste genau, was sie wollte", sagte ein als Zeuge geladener Handwerker. Ein weiterer Handwerker bestätigte, alle Arbeiten seien auf Initiative der alten Dame erfolgt. Eine enge Vertraute der Verstorbenen schilderte hingegen eine andere Version: „Sie wollte das alles nicht in dieser Größenordnung. Der Angeklagte hat da viel mitbestimmt."
Auch das Verhältnis der alten Frau zu ihren deutschen Verwandten — zwei Nichten und ein Neffe — kam zur Sprache. Die Zeugenaussagen zeichneten ein gemischtes Bild. „Mehrmals hat sie erzählt, dass sie sich schon freut, wenn sie einmal auf einer Wolke sitzt, von oben herunterschaut und sieht, dass die Deutschen nichts erben", berichtete ein Nachbar. Eine Vertraute der Verstorbenen relativierte dies: „Sie hat oft über ihre Verwandten geschimpft. Wenn sie zu Besuch kamen, hat sie sich aber schon gefreut."
Die deutsche Nichte des Opfers sagte mehr als zwei Stunden lang als Zeugin aus. Sie beschrieb das Verhältnis zu ihrer Tante als stets herzlich, mit regelmäßigen Telefonaten und mehrmaligen Besuchen pro Jahr in der Obersteiermark. Zu Beginn, so die Nichte, habe ihre Tante ein sehr positives Verhältnis zu dem benachbarten Paar gehabt. Im Frühjahr 2024 habe sich das allerdings „schlagartig geändert". Die alte Dame soll damals gegenüber ihrer Nichte völlig aufgelöst erklärt haben: „Er hat mein Geld genommen, ich will mein Geld zurück."
Vom Wohnungsverkauf habe die Nichte erst im August 2024 erfahren. „Meine Tante hat sich total geschämt, als sie davon erzählt hat. Sie hat gemeint, der Nachbar hat sie dazu gedrängt." Diese Äußerung der Verstorbenen wurde von Angehörigen auf Video festgehalten. Das Material wurde am Donnerstag jedoch nicht gesichtet. Richter Armin Scheck merkte an, dass die „Videos sehr suggestiv gestaltet sind", und stellte deren Aussagekraft in Frage.
Da auch die Zeugenaussagen des Verhandlungstages kein eindeutiges Bild ergaben, vertagte Richter Scheck die Verhandlung erneut. Bereits im Juni waren neun Stunden lang Pflegekräfte befragt worden, deren Aussagen damals zusammen mit auffälligen Bankbewegungen ein anderes Bild als die Version der Angeklagten gezeichnet hatten.
Source: Kleine Zeitung