Flughafen Klagenfurt: Sechster Beschuldigter im Fall Lilihill – Gutachten im Fokus
Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt weitet die Ermittlungen im Fall Lilihill aus. Ein Universitätsprofessor steht im Verdacht, ein „Gefälligkeitsgutachten" erstellt zu haben.

Ermittlungen im Fall Lilihill: Universitätsprofessor als sechster Beschuldigter
Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat die Ermittlungen rund um die Unternehmensgruppe Lilihill und den Flughafen Klagenfurt ausgeweitet. Wie die Kleine Zeitung berichtet, ist nun ein Universitätsprofessor als sechster Beschuldigter in das Verfahren einbezogen worden – ein Mann, der nie der Lilihill-Gruppe angehörte.
Im Frühjahr 2022 erstellte der Professor ein Gutachten zur sogenannten Call-Option, mit der das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt ihre Anteile am Flughafen zurückfordern konnten. Die Expertise beschrieb diesen Schritt als „rechtlichen und finanziellen Super-GAU" für die öffentliche Hand. Auftraggeber war die Flughafengesellschaft KFBG, die dem Professor dafür 29.400 Euro überwies.
Ermittler prüfen nun, ob es sich dabei um ein „Gefälligkeitsgutachten" handelte – eine Expertise also, die bewusst den Interessen des damaligen Flughafen-Mehrheitseigentümers Lilihill angepasst, dem Flughafen aber in Rechnung gestellt wurde.
Grundlage des Verdachts ist ein Mailverkehr zwischen dem Professor und dem damaligen, von Lilihill eingesetzten KFBG-Geschäftsführer. Die Nachrichten aus dem März 2022 wurden zuerst vom Portal „Mediapartizan" veröffentlicht. Darin schreibt der Professor, das Gutachten solle für Außenstehende „hoffentlich einigermaßen objektiv" wirken. Gleichzeitig erklärt er, er habe versucht, den Standpunkt von Lilihill „möglichst gut zu argumentieren" und jenen von Stadt und Land „als unsicher darzustellen".
Die Unternehmensgruppe von Gründer und Alleineigentümer Franz Peter Orasch war von 2018 bis 2023 Mehrheitseigentümerin des Flughafens Klagenfurt. Seit eineinhalb Jahren arbeitet die Staatsanwaltschaft die Ära Lilihill auf – mit Hausdurchsuchungen an sechs Adressen in Österreich und Deutschland sowie der Sicherstellung mehrerer Terabyte an Daten. Bisher wurden fünf Personen als Beschuldigte geführt, darunter Orasch selbst.
Die Call-Option wurde schließlich 2023 doch gezogen. Diese Rückverstaatlichung bildete die Grundlage für eine Prüfung durch den Landesrechnungshof, der im Februar 2025 eine detaillierte Liste von Versäumnissen und Missmanagement vorlegte und die Staatsanwaltschaft zur Ermittlung aufforderte. Seither besteht der Verdacht der Untreue.
Der geschätzte Schaden beläuft sich derzeit auf rund 500.000 Euro. „Die Auswertung der Daten, die essenziell für die weiteren Ermittlungen ist, liegt beim Landeskriminalamt und wird leider noch dauern", sagt Markus Kitz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt.
Eine Anfrage der Kleinen Zeitung an den Professor blieb unbeantwortet. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Source: Kleine Zeitung