Lebenslang für Mord an Jennifer Scharinger – Ex-Freund in Wien verurteilt

Ein 33-Jähriger wurde am Wiener Straflandesgericht zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er Jennifer Scharinger 2018 erwürgte. Acht Jahre galt die 21-Jährige als vermisst.

Lebenslang für Mord an Jennifer Scharinger – Ex-Freund in Wien verurteilt

Femizid in Wien Brigittenau: Lebenslange Haft nach acht Jahren

Acht Jahre lang galt Jennifer Scharinger als vermisst – bis ihr Ex-Freund im Dezember 2025 geststand, die damals 21-Jährige getötet zu haben. Wie die Wiener Zeitung berichtet, wurde der heute 33-Jährige am Wiener Straflandesgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Zusätzlich ordnete das Gericht seine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum an, nachdem ihm eine kombinierte Persönlichkeitsstörung attestiert worden war. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

„21 Jahre war die Jenni erst alt, als der Angeklagte beschlossen hat, ihr das Leben zu nehmen. Weil er sie nicht haben kann, soll sie keiner haben. Ein Femizid, nennen wir es beim Namen", sagte die Staatsanwältin in ihrem Schlussplädoyer im Saal 103 des Straflandesgerichts.

Würgeangriff nach Beziehungsende

Am 22. Jänner 2018 beendete der gelernte Gärtner in Jennifers Wohnung in Wien-Brigittenau ihr Leben: Er packte sie während eines Streits von hinten und erwürgte sie, bis sie leblos am Boden lag. Zuvor hatte Jennifer die Beziehung beendet. Nach der Tat entkleidete er die Tote und brachte sie in einer Kiste aus der Wohnung.

„Er hat sie eiskalt erwürgt. Er konnte die Vorstellung nicht akzeptieren, dass sie selbst entscheidet, wie und mit wem sie ihr Leben lebt", so die Staatsanwältin. Verteidigerin Astrid Wagner betonte hingegen, ihr Mandant sei „kein eiskalter Killer" – die Gefühle seien „mit ihm durchgegangen". Er sei „erleichtert, dass es aufgedeckt wurde".

Der Angeklagte legte vor der vorsitzenden Richterin Petra Poschalko ein nüchternes Geständnis ab. „Das ist doch extrem grausam", warf die Richterin ein. Er begann zu weinen: „Es tut mir irrsinnig leid für die Familie, und dass ich sie so lange angelogen habe, weil ich nicht in der Lage war, Verantwortung zu tragen. Ich hoffe, dass mir geholfen wird." Die Antwort der Richterin: „Dem Opfer ist nicht mehr zu helfen, das ist das Traurige."

Leiche in militärischem Sperrgebiet versteckt

Nach dem Mord legte der Angeklagte die Leiche zunächst in einem Gestrüpp bei Großweikersdorf im Bezirk Tulln ab. Sein Aufenthalt dort ergab sich aus den Standortdaten seines Mobiltelefons – das er in jener Nacht für 47 Minuten deaktiviert hatte. Die Polizei durchkämmte damals Waldgebiete mit Spürhunden, führte Grabungen durch und setzte Taucher im Stausee Ottenstein ein, fand jedoch nichts.

Im März 2018 brachte der Angeklagte die sterblichen Überreste laut Anklage zum endgültigen Ablageort: ein militärisches Sperrgebiet beim Truppenübungsplatz Allentsteig im Bezirk Zwettl. Er stritt jede Beteiligung an einem Verbrechen ab. Im Frühjahr 2019 wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt – obwohl er laut Ermittlern stets als Hauptverdächtiger galt. Die Indizienlage reichte damals nicht aus.

Mutter ermittelte selbst – Falle über Datingplattform

Jennifer Scharingers Mutter Brigitta hörte in all den Jahren nicht auf zu suchen. Sie durchforstete Wälder mit Schaufel und Spaten, organisierte selbstfinanzierte Grabungen und ermittelte auf eigene Faust. Sie war überzeugt, dass der Ex-Freund ihrer Tochter für das Verschwinden verantwortlich war.

Den entscheidenden Durchbruch brachte schließlich eine List: Ein Bekannter von Brigitta Scharinger legte ein gefälschtes Profil auf einer Datingplattform an und begann, mit dem Tatverdächtigen zu chatten. Dieser schilderte daraufhin in einer Sprachnachricht im März 2025 detailliert, wie man eine Leiche beseitigen könnte, ohne verdächtige Spuren zu hinterlassen – den „perfekten Mord". Die Aufnahme wurde im Prozess vorgespielt.

Das löste neue Ermittlungen aus. Frühere Ex-Partnerinnen des Mannes wurden erneut einvernommen; sie zeichneten laut Gericht stets dasselbe gewalttätige Bild. Wenige Tage vor seinem Geständnis im Dezember 2025 sprach die Polizei ein Betretungsverbot gegen ihn aus, weil er seine damalige Freundin attackiert hatte. Daraufhin führte er die Behörden zu Jennifers Gebeinen.

Kritik: Opfer kam im Prozess zu kurz

Im Gerichtssaal äußerte Andreas Schweitzer, Rechtsvertreter von Jennifers Mutter, Kritik am Verlauf der Verhandlung. Zu wenig sei auf Jenni eingegangen worden: „Ist Ihnen aufgefallen, dass immer nur vom Angeklagten gesprochen wurde, immer er im Mittelpunkt gestanden ist? Wir haben vergessen, um wen es hier wirklich geht."

Rosa Logar, Frauenrechtsaktivistin und Vorstandsvorsitzende von WILPF Austria – Frauenliga für Frieden und Freiheit, bedauerte ebenfalls, dass keine Menschen aus Jennifers persönlichem Umfeld als Zeuginnen zu Wort kamen: „Da hat etwas gefehlt. Das ist symptomatisch dafür, dass die Opferseite in diesen Prozessen oft zu kurz kommt."

Jennifer Scharinger – von allen „Jenni" genannt – war eine lebenslustige, ehrgeizige junge Frau mit einem großen Freundeskreis. Sie studierte Jus, arbeitete nebenbei in der Sozialversicherungsanstalt und war sozial engagiert. Sie hatte noch viele Pläne.

Source: Google News AT — Crime (de)

Read this article in English