Nur 12,7 Prozent der Vergewaltigungen in der Steiermark enden mit Verurteilung

2024 wurden in der Steiermark 142 Vergewaltigungen angezeigt, aber nur 18 Täter verurteilt. Expertinnen fordern schnelles Handeln nach Übergriffen.

Nur 12,7 Prozent der Vergewaltigungen in der Steiermark enden mit Verurteilung

Freispruch statt Urteil: Steiermarks ernüchternde Vergewaltigungsstatistik

Wie die Kleine Zeitung berichtet, wurden 2024 in der Steiermark 142 Vergewaltigungen angezeigt – rechtskräftig verurteilt wurden jedoch nur 18 Fälle, was einer Quote von 12,7 Prozent entspricht. Alle Verurteilten waren Männer.

Der Fall einer Studierenden an der US-amerikanischen Cornell University hatte zuletzt weltweit Empörung ausgelöst: Die Frau wurde 2024 Opfer einer Gruppenvergewaltigung durch sieben Kommilitonen, für die es großteils keine rechtlichen Konsequenzen gab. 50 Mitglieder einer Snapchat-Gruppe sollen von der Tat gewusst haben. Marion Egger vom Gewaltschutzzentrum Steiermark betont, dass es sich dabei um kein Einzelschicksal handelt. „Diese Täter fühlen sich berechtigt, ein Opfer zu wählen und diese Form der Gewalt auszuüben", sagt sie.

Die niedrige Verurteilungsrate erklärt Egger vor allem mit dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten". „Wenn es an Zeugen und Beweisen fehlt, steht Aussage gegen Aussage. Man muss sich vorstellen, was für ein Schlag ins Gesicht ein Freispruch für ein Opfer ist." Viele Betroffene würden Übergriffe gar nicht erst anzeigen – aus Scham, so Egger. Damit sei das tatsächliche Ausmaß sexueller Gewalt kaum abschätzbar.

Eine österreichweite Prävalenzstudie aus dem Jahr 2022 bestätigt die Dimension des Problems. Sarah Heinze, Professorin für Gerichtliche Medizin an der MedUni Graz, verweist darauf, dass etwa ein Viertel der Frauen zwischen 18 und 74 Jahren angeben, in ihrem Leben sexuelle Gewalt erlebt zu haben. Rund elf Prozent waren Opfer einer versuchten oder vollendeten Vergewaltigung.

Heinze und Egger betonen übereinstimmend, wie wichtig es ist, sich nach einem sexuellen Übergriff so schnell wie möglich an eine Gewaltambulanz zu wenden, um Spuren zu sichern. „In solchen Situationen sind rationale Entscheidungen schwer. Der erste Reflex ist meist, sich zu duschen und die Kleidung zu waschen", sagt Egger – wodurch entscheidende Beweise verloren gehen. Laut Heinze werden Abstriche bei Verdacht bis zu 72 Stunden nach dem Vorfall entnommen, in Ausnahmefällen auch später.

Bei K.o.-Tropfen ist das Zeitfenster noch kürzer. „Die meisten Substanzen werden rasch abgebaut und sind somit nur wenige Stunden nachweisbar", erklärt Heinze. Sie empfiehlt, umgehend in der Gewaltambulanz anzurufen: „Wir eruieren dann am Telefon so rasch wie möglich, welche Maßnahmen es braucht." Ein vorheriges Gespräch ermöglicht es zudem, Mehrfachuntersuchungen und wiederholtes Schildern des Erlebten zu vermeiden. Neben forensischen Untersuchungen informiert die Gewaltambulanz auch über Opferhilfe sowie psychologische und rechtliche Beratungsangebote. Eine Lotsin begleitet Betroffene auf Wunsch auch zu Terminen.

Egger greift abschließend den Satz von Gisèle Pelicot auf, die über Jahre Opfer sexueller Gewalt war: „Die Scham muss die Seite wechseln." Und sie fügt hinzu: „Wir als Öffentlichkeit müssen unseren Mund aufmachen."

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Hilfsangebote: - Gewaltambulanz: 0664 84 38 241 - Gewaltschutzzentrum Steiermark: 0316 77 41 99 - Beratungsstelle TARA: 0316 31 80 77

Source: Kleine Zeitung

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