Schuldspruch in Vorarlberg: Waffennarr bedroht Nachbarn mit Munitionsschachtel am Zaun
Ein 54-jähriger Waffenfreund aus Vorarlberg wurde am Landesgericht Feldkirch wegen gefährlicher Drohung verurteilt. Die Strafe: 12.000 Euro teilbedingt.

Jahrzehnte alter Nachbarschaftsstreit endet vor Gericht in Feldkirch
Google News AT — Crime (de) berichtet über einen Nachbarschaftskonflikt in Vorarlberg, der nach 25 Jahren eskalierte und am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch verhandelt wurde.
Im Mittelpunkt: ein 54-jähriger Waffenliebhaber und sein 57-jähriger Nachbar, die sich seit einem Vierteljahrhundert nicht ausstehen können. Ende März fand der Nachbar am gemeinsamen Grenzzaun eine leere Munitionsschachtel für eine Faustfeuerwaffe des Kalibers Magnum-357. Tags darauf soll der Angeklagte den Nachbarn am Maschendrahtzaun gestellt und gedroht haben: „Du wirst den nächsten Frühling nicht mehr erleben." Der Bedrohte erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei.
Die Erklärung des Angeklagten
Vor Gericht präsentierte sich der 54-Jährige gelassen. Die Munitionsschachtel habe er kurz zuvor beim Schießen mit Kollegen verwendet; auf seiner Werkbank liegengeblieben, habe er sie schlicht als Notizzettel für den Zaunbau zweckentfremdet. Der Privatbeteiligtenvertreter zeigte sich skeptisch: „Haben Sie keinen normalen Zettel?" Der Angeklagte zuckte mit den Schultern. Er betonte zudem, mit allen anderen Nachbarn bestens auszukommen — er fungiere sogar als inoffizieller Hausmeister der Siedlung und habe mehrere Wohnungsschlüssel. Einzig beim „Herrn Vermögensverwalter" hake es seit Jahren.
Kleinkrieg um Hausnummer und Grundstücksgrenze
Konkreter Streitpunkt ist die Hausnummer des Nachbarn: Mal demontiert der eine sie, mal schraubt der andere sie wieder fest. Hintergrund ist ein ungeklärter Eigentumsstreit über den Verlauf der Zaungrenze. Beide Parteien beanspruchen das Recht, die Hausnummer am Begrenzungspfahl zu befestigen.
Warum die Munitionsschachtel ausgerechnet an diesem umkämpften Fleckchen Grund landete, erklärte der Angeklagte bei Gericht mit den Worten: „Ich habe mir nichts dabei gedacht." Bei der Polizei hatte er noch angegeben, den Nachbarn lediglich ein wenig ärgern zu wollen.
Richter überzeugt sich von Schuld
Richter Martin Mitteregger glaubte dem Angeklagten die Geschichte mit dem Schmierzettel nicht: „Das war ein netter Versuch, aber unglaubwürdig." Die Botschaft an der Grundstücksgrenze sei unmissverständlich gewesen: „Ich habe eine Waffe, hier ist die Verpackung."
Schuldspruch: 12.000 Euro, davon 4.000 sofort fällig
Das Verfahren endete mit einem Schuldspruch wegen gefährlicher Drohung. Die Strafe beträgt 12.000 Euro teilbedingt, wovon 4.000 Euro sofort zu bezahlen sind. Mitteregger merkte an, dass bei vollständigem Geständnis sogar eine Diversion möglich gewesen wäre. Der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit; die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig — der Zaunstreit könnte damit in eine weitere Runde gehen.
Source: Google News AT — Crime (de)