Tätowierung überführt Anführer der Wiener Säure-Einbrecherbande – Festnahme in Bratislava

Eine 150-Euro-Kamera im Vorraum brachte den Kopf einer Einbrecherbande zu Fall, die seit 2022 rund 160 Wiener Wohnungen heimgesucht hat.

Tätowierung überführt Anführer der Wiener Säure-Einbrecherbande – Festnahme in Bratislava

Tätowierung am Oberarm entlarvt georgischen Ex-Ringer als Bandenführer

Eine für 150 Euro gekaufte Überwachungskamera hat nach fast vier Jahren Ermittlungen den mutmaßlichen Anführer einer Bande überführt, die Salpetersäure in Türschlösser träufelt, um sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. Wie die Kronen Zeitung berichtet, wurde der 36-jährige Georgier Besiki S. vergangene Woche in Bratislava von slowakischen Zielfahndern festgenommen – auf Grundlage eines österreichischen EU-Haftbefehls.

In der Nacht auf den 19. August schlug die Kamera-App auf dem Handy von Verena (Name geändert) um 2.42 Uhr an. Das Ehepaar befand sich gerade auf Urlaub in Niederösterreich. Auf dem Live-Bild waren zwei Männer zu sehen, die seelenruhig Handschuhe anzogen und das Schlafzimmer der Wohnung im Wiener Weißgerberviertel durchwühlten. Sie suchten nach Bargeld, Goldmünzen und Schmuck.

„Wir mussten mitansehen, wie die Einbrecher ins Schlafzimmer gehen. Dort haben sie wirklich alles durchwühlt und durcheinander geworfen", schilderte Verena gegenüber der Kronen Zeitung.

Kamera-Alarm verscheucht Duo – aber liefert entscheidendes Bild

Halb im Schlaf tippte Verena auf ihren Handybildschirm und löste damit den Alarm der Kamera aus. Das schrillende Gerät scheuchte die beiden Männer aus dem Schlafzimmer. Sie griffen die Kamera und flohen – nur eine Minute, bevor die Polizei eintraf. „Hätte ich nicht auf den Knopf gedrückt, wären sie wohl nicht vor der Polizei schon weg gewesen", sagte Verena.

Entscheidend war dennoch, was die Kamera zuvor aufgezeichnet hatte: Einer der Männer trug ein T-Shirt, das eine Tätowierung am Oberarm freilegte. Ermittlern in mehreren europäischen Ländern war dieses Motiv bekannt – es gehört Besiki S., einem früheren Ringer, der als Aktiver Medaillen bei großen Asienmeisterschaften geholt hatte.

Ex-Sportler seit 2020 gesucht – gefälschte Pässe ermöglichten Reisen quer durch Europa

Seit 2020 wird Besiki S. von Schweden gesucht. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, in europäische Länder ein- und auszureisen. Falsche Reisepässe und ein geänderter Nachname dürften dabei eine Rolle gespielt haben, wie die österreichischen Behörden mitteilen. Österreich hat er offenbar bevorzugt: Er gilt als maßgeblich verantwortlich für den Großteil der Wiener Einbruchsserie, die im November 2022 begann.

Nach Ausstellung des EU-Haftbefehls schlugen slowakische Fahnder zu, als sich Besiki S. über Bratislava auf dem Heimweg nach Georgien befand. Die österreichischen Ermittler warten nun auf seine Auslieferung nach Wien. Mindestens sechs Einbrüche sollen ihm bereits sicher nachgewiesen werden können.

Salpetersäure in Türschlösser – 160 Wohnungen, Schaden im Millionenbereich

Die Masche der Bande ist seit Jahren dieselbe: Zunächst werden Wohnungen ausgekundschaftet und mit einem hauchdünnen Kleberfaden markiert. Türspione werden abgeklebt – auch jene der Nachbarn. Dann träufeln die Täter giftige Salpetersäure in die Schlösser und warten, bis diese sich aufgelöst haben. Seit 2022 wurde diese Methode bei rund 160 Wiener Wohnungen angewendet, vor allem im Bezirk Landstraße. Der Gesamtschaden bewegt sich im Millionenbereich.

Das betroffene Pärchen hatte die Kamera im Internet bestellt, nachdem das Weißgerberviertel schon seit November 2022 besonders häufig ins Visier der Bande geraten war. Am Abend vor dem Einbruch hatten die Täter die Wohnung bereits ausgekundschaftet und den Kleberfaden angebracht.

Zweiter georgischer Verdächtiger in Berlin gefasst

Einen Tag nach der Festnahme in Bratislava folgte die nächste Erfolgsmeldung: In Berlin wurde ein weiterer georgischer Tatverdächtiger bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt. V. N. (48) soll seine DNA zuvor bei mindestens zwei Säure-Einbrüchen in Wien-Penzing hinterlassen haben.

Verena und ihr Mann mussten nach dem Einbruch vorübergehend ihre Wohnung verlassen. Die Festnahmen dürften das Paar dennoch erleichtern – und zeigen, dass die für 150 Euro angeschaffte Kamera am Ende mehr wert war, als ihr Preis vermuten ließ.

Source: Kronen Zeitung

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