Amoklauf Aarau: Krankenwagen warteten 600 Meter entfernt – Kritik an Einsatzkräften
Nach dem Amoklauf in Aarau mit einer Toten und sechs Verletzten wächst die Kritik: Rettungsfahrzeuge sollen zu spät zum Tatort vorgedrungen sein.
Rettungskräfte unter Beschuss: Zu langsam am Tatort in Aarau?
Fast eine Woche nach dem Amoklauf in Aarau reisst die Debatte über das Vorgehen der Einsatzkräfte nicht ab. In der Nacht auf Sonntag gegen 2:30 Uhr feuerte ein Mann 40 Schüsse in eine feiernde Menschenmenge, die zuvor eine Technoparty besucht hatte. Die 22-jährige Maria S. starb, sechs weitere Personen wurden verletzt. Den mutmasslichen Täter, Julien G. (43) aus dem Kanton Jura, nahm die Polizei wenige Stunden nach der Tat fest.
Nun steht die Reaktion der Rettungskräfte in der Kritik. Einem anonymen Augenzeugen zufolge, der gegenüber der «Aargauer Zeitung» aussagte, seien die Ambulanzfahrzeuge in der Tatnacht deutlich zu spät eingetroffen. «Die Polizei kann noch so behaupten, die Ambulanz sei schnell vor Ort gewesen», zitiert die Zeitung den Zeugen. «Die Ambulanz war vorne am Anfang der 30er-Zone.»
Unabhängige Quellen aus dem Kreis der Rettungskräfte bestätigen der «Aargauer Zeitung», dass die Krankenwagen tatsächlich lange an der Einfahrt gewartet haben – rund 600 Meter vom eigentlichen Tatort entfernt. Rettungssanitäter und Notfallärztinnen sollen daraufhin zu Fuss zum Tatort geeilt sein, um die Verletzten zu versorgen. Der genaue Zeitpunkt, zu dem die Fahrzeuge aufs Gelände gelassen wurden, ist nicht bekannt.
Diese Schilderungen decken sich mit dem, was Alexa S. (24) gegenüber Blick berichtete. Die bei dem Angriff verletzte Frau erklärte, dass «irgendwann» auch die Krankenwagen eingetroffen seien. «Sie durften wegen der Gefahr nicht aufs Gelände, weil ja der Schütze noch frei herumlief. Die beiden Helfer sind dann mit mir nach vorne, wo ich in die Ambulanz gestiegen bin.» Ins Spital eingeliefert wurde Alexa erst gegen 4:20 Uhr – fast zwei Stunden nach dem Amoklauf.
Einsatzleiter Matthias Schildknecht verteidigte das Vorgehen der Polizei an einer Medienkonferenz am Mittwoch. «Erst wenn das Gelände gesichert ist, können wir die Rettungskräfte durchlassen», sagte er mit Verweis auf die unübersichtliche Lage am Tatort.
Quellen aus dem Rettungsumfeld behaupten zusätzlich, die Zufahrt zum Tatort sei durch Polizeifahrzeuge blockiert gewesen. Ob das den Tatsachen entspricht, bleibt ungeklärt. Die Kantonspolizei lehnte eine Stellungnahme dazu ab.
Source: Blick