BND-Affäre in Geretsried: Bekannte verteidigen festgenommenen Manfred D.

Manfred D. soll rund 2000 Geheimdokumente an Ex-BND-Chef August Hanning verkauft haben. Nachbarn und frühere Mitspieler beschreiben den 64-Jährigen als ruhigen, korrekten Menschen.

BND-Affäre in Geretsried: Bekannte verteidigen festgenommenen Manfred D.

Geretsried unter Schock: Bekannte nehmen festgenommenen BND-Mitarbeiter in Schutz

Ein langjähriger Bekannter des am Dienstag festgenommenen Manfred D. aus Geretsried würde „die Hand für ihn ins Feuer legen" — das berichtet merkur.de nach Gesprächen mit Nachbarn und früheren Wegbegleitern des 64-Jährigen. D. steht im Verdacht, als ehemaliger BND-Büroleiter rund 2000 Geheimdokumente an den früheren BND-Präsidenten August Hanning verkauft zu haben.

„Ich war geschockt, als ich das gehört habe", sagt ein Wolfratshauser, der D. aus der Nachbarschaft kennt. Die beiden hätten regelmäßig am Gartenzaun oder auf der Straße miteinander gesprochen. D. sei ihm stets als „sehr korrekter Mensch" begegnet, einer, den er als besonders loyal erlebt habe. Von der Festnahme in der Nachbarstadt hatte er im Kontext des Geheimdienstskandals erfahren — erst zwei Tage später stellte sich heraus, dass sein Bekannter gemeint war. Mit seiner Frau habe er die Nachricht besprochen: „Ich könnte mir denken, dass er jetzt als Bauernopfer hergenommen wird."

Ehemaliger Schützling: „Ein top Kerl, ein ruhiger Typ"

Auch aus dem Fußball kennen ihn einige. D. war als Spieler und später als Amateur-Trainer in der Region aktiv. Ein früherer Spieler, den er betreut hat, zeigt sich überrascht von den Vorwürfen: „Er war ein top Kerl, ein ruhiger, ganz netter Typ." Vom Beruf seines Trainers habe er damals wenig gewusst. „Wir waren alles junge Kerle. Das hat uns auch nicht groß interessiert, was unser Trainer beruflich macht." Eines blieb ihm aber in Erinnerung: „Im Verein hatte er einen guten Ruf."

Der Lokalsport-Redakteur Thomas Wenzel erinnert sich an einen konkreten Moment aus D.s früher Trainerkarriere, als dieser noch als Spielertrainer aktiv war: In der 89. Minute einer knappen Partie wechselte er sich selbst ein und verwandelte einen Freistoß direkt in den Torwinkel. Bei zwei Vereinen in der Region hinterließ der „super Spieler und spätere Trainer" nach Wenzels Schilderung bleibende Eindrücke.

Generalbundesanwaltschaft: 2000 Dokumente übergeben

Die Generalbundesanwaltschaft erklärte nach der Festnahme, D. stehe im dringenden Verdacht, rund 2000 Dokumente — darunter als Verschlusssache deklarierte Staatsgeheimnisse — an seinen ehemaligen Vorgesetzten weitergegeben zu haben. Hauptbeschuldigter in dem Verfahren ist August Hanning (80), von 1998 bis 2005 Präsident des BND und anschließend bis 2009 Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Hanning wird geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen sowie versuchter Landesverrat vorgeworfen. Beide Männer befinden sich seit Anfang der Woche in Untersuchungshaft.

Laut Recherchen des Spiegel soll D. vom Bundesnachrichtendienst eine offizielle Genehmigung für eine Nebentätigkeit für seinen ehemaligen Chef erhalten haben.

Ehemaliger BND-Kollege: „Ganz ruhiger, besonnener Kollege"

Auch ein früherer Kollege, der selbst mehr als 40 Jahre beim BND arbeitete, hat sich gegenüber merkur.de geäußert. Er kenne D., „wenn auch nur flüchtig", und erinnere sich an ihn als „ganz ruhigen, besonnenen Kollegen". Zu möglichen Motiven äußert er sich nicht: „An Spekulationen beteilige ich mich nicht." Er betont jedoch ausdrücklich: „Wir alle haben eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben. Die gilt ein Leben lang." Die Verschwiegenheitsverpflichtung beim BND gilt als strengstes rechtliches Geheimhaltungsgebot in Deutschland.

Im Netz hinterlässt D. — der angebliche Deckname lautet „Augner" — kaum berufliche Spuren. Eine Ausnahme bildet ein offener Brief einer Frau, in dem er als „durch und durch hilfsbereiter Beamter" gelobt wird.

Karriere: Büroleiter mehrerer Geheimdienstchefs

D. war zunächst Hannings Büroleiter beim BND und wechselte gemeinsam mit ihm ins Bundesinnenministerium. Seit März 2012 fungierte der 64-Jährige als Büroleiter mehrerer aufeinanderfolgender BND-Präsidenten. Im Frühjahr dieses Jahres schied er beim Dienst aus.

Source: Google News LU DE

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