Hacker-Angriff auf Berlin: Einstieg über Bezirksamt Mitte und Senatsverwaltung

Die Hackergruppe „Rhysida" soll über Monate Berliner Behördennetze infiltriert haben. Sensible Bundes- und Infrastrukturdaten sind abgeflossen.

Hacker-Angriff auf Berlin: Einstieg über Bezirksamt Mitte und Senatsverwaltung

Berlins größtes Datenfiasko: Wie „Rhysida" tief in die Hauptstadtnetze eindrang

Nach dem massiven Cyberangriff der Hackergruppe „Rhysida" auf die Berliner Verwaltung wird das Ausmaß des Schadens erst schrittweise sichtbar. BILD hat mit mehreren Experten, Beamten und Politikern gesprochen und zeichnet ein erschreckendes Bild über Dauer, Umfang und Folgen der Attacken.

Nicht erst beim jüngsten Großangriff sollen sicherheitsrelevante Daten des Bundes und der kritischen Infrastruktur abgeflossen sein – laut BILD-Informationen gab es über Monate hinweg mehrere schwere Zwischenfälle im Berliner Datennetz.

Netze „offen wie ein Scheunentor"

Mehrere Beteiligte zitierten gegenüber BILD den inzwischen entlassenen Digital-Staatssekretär Matthias Hundt mit den Worten: „Die Netze in Berlin bei Senat und Bezirken sind offen wie ein Scheunentor – und es gibt keine Informationen darüber, welche Systeme wo bei wem mit welcher Software und welchem Sicherheitsstand laufen."

Von BILD damit konfrontiert, erklärte Hundt: „Ich kann das nicht dementieren." Weitere Aussagen lehnte er mit Verweis auf seinen laufenden Rechtsstreit mit dem Land Berlin ab.

Einstieg über Bezirksamt Mitte – dann Neukölln

Zwei mit der Materie vertraute Personen schilderten BILD, wie die Hacker beim jüngsten Großangriff vorgegangen sein sollen: Sie drangen zunächst über ein E-Mail-Konto des Bezirksamts Mitte ein, anschließend über die Bezirksverwaltung Neukölln in das Landesnetz. Die Cyberkriminellen werden intern einem Russland-nahen Kollektiv zugeordnet.

Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (55, Grüne) reagierte überrascht: „Das ist mir neu. Ich werde meinen Krisenstab gleich befragen, die haben Rufbereitschaft. Mitte hat im Juli als erster Bezirk die neue Schutzsoftware aufgespielt."

Die Senatskanzlei von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) bestätigte die BILD-Recherchen zunächst teilweise: „Es liegen derzeit Erkenntnisse vor, dass das initiale Ereignis im Bezirksamt Mitte stattgefunden hat." Ein hochrangiger Vertreter der Senatskanzlei relativierte später: „Wir gehen Stand jetzt nicht davon aus, dass dieser Versuch das initiale Ereignis war." BILD zufolge gelang der entscheidende Zugriff schließlich über die Senatsverwaltung für Umwelt.

IT-Chaos als Systemfehler

Aus vertraulichen Gesprächen, Protokollen des Abgeordnetenhauses und Rechnungshofberichten ergibt sich laut BILD ein weiteres strukturelles Problem: In Berlins IT herrschen Doppel- und Dreifachstrukturen. Auch beim landeseigenen IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ), das für die Netze von Land und Bezirken zuständig ist, habe Schlendrian geherrscht.

Dieses Chaos soll nach Angaben zweier unabhängiger Quellen auch beim Terroranschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten Anfang Januar eine Rolle gespielt haben. Im Juni 2025 sei zudem ein Dienstleister gehackt worden, der Zugang zu Daten und Lageplänen kritischer Infrastruktur – darunter Wasser- und Stromversorgung – hatte. Ein Insider sagte BILD: „Die Daten sind komplett abgeflossen."

Weiteren Angaben zufolge sollen auch der Cyberangriff auf ein Heizwerk in Berlin-Neukölln am 20. März sowie die Attacke auf die Berliner Justiz ab dem 13. Juli – durch die Gerichte teilweise weder arbeiten noch verhandeln konnten – ihren Ursprung beim selben kompromittierten Dienstleister gehabt haben.

US-Experte warnt vor bundesweiter Dimension

US-Cybersicherheitsexperte Professor Max Kilger (72), einer der international führenden Fachleute auf diesem Gebiet, sagte BILD, es bestünden möglicherweise „erhebliche Netzwerkverbindungen zwischen den angegriffenen Berliner Systemen und anderen Systemen der deutschen Bundesregierung". In diesem Fall könnte es sich um einen „schwerwiegenderen Vorfall" handeln als derzeit erkennbar.

Verantwortlich für die Datensicherheit in Berlin ist formal die Senatskanzlei – und damit Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), dessen Behörde das größte Datenfiasko der Hauptstadtgeschichte zu verantworten hat.

Source: BILD

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