Hackerangriff auf Berlin: 1,4 Millionen Datensätze gestohlen, Erpressungsversuch gescheitert

Die Hackergruppe Rhysida stahl 1,4 Millionen Datensätze aus Berlins Verwaltung und forderte zwei Millionen Euro Lösegeld. Der Senat reagierte tagelang zu spät.

Chronologie eines IT-Versagens: Berlins Verwaltung unter Hackerbeschuss

Geheime Krisenpläne, Verträge und Kontodaten von Mitarbeitern – insgesamt 1,4 Millionen Datensätze haben Cyberkriminelle aus dem Berliner Landesnetz gestohlen und anschließend zum Verkauf angeboten. Wie BILD berichtet, unterschätzte Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) den Angriff über Wochen hinweg, obwohl Digitalisierung im Land Berlin seit drei Jahren als Chefsache gilt.

Freitag, 14. August: Am Abend werden die Senatsverwaltungen für Verkehr und Stadtentwicklung vom Landesnetz getrennt. Mails lassen sich nicht mehr versenden, Homeoffice ist nicht mehr möglich. Nachträgliche Ermittlungen ergeben, dass die Daten zwischen dem 7. und 12. August abgeflossen sind – die Cyberattacke blieb mehrere Tage unentdeckt. Der genaue Beginn des Angriffs bleibt unklar.

Ein strukturelles Problem verschärft die Lage: Die beiden betroffenen Senatsbehörden stehen nicht unter dem Schutz des landeseigenen IT-Dienstleisters ITDZ und verwalten Software-Updates und Sicherheitsmaßnahmen eigenständig. Tobias Schulze (50, Linke), langjähriges Mitglied im IT-Ausschuss des Berliner Parlaments, kritisiert gegenüber BILD: „Sie sind nicht auf dem erforderlichen Stand der Sicherheitstechnik."

Montag, 17. August: Nach einem Wochenende des Schweigens informiert das Presseamt des Regierenden erstmals offiziell über eine „Inkriminierung" des Landesnetzes. Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind eingeschaltet, ein Krisenstab eingerichtet. Digital-Staatssekretär Florian Hauer (47) erklärt, nach seinem Kenntnisstand seien keine sensiblen personenbezogenen Daten abgeflossen. Hauer hatte die Zuständigkeit erst im Mai übernommen, nachdem sein Vorgänger zurückgetreten war. Die späte öffentliche Information begründet Senatssprecherin Christine Richter damit, dass die Sicherung des Landesnetzes und die Absicherung der bevorstehenden Abgeordnetenhauswahl Vorrang gehabt hätten.

Mittwoch, 20. August: Wegner erklärt auf einer Pressekonferenz, der Angriff sei ernst, aber nach seinem Kenntnisstand seien keine sensiblen Daten abgeflossen.

Sonntag, 23. August: Der Regierende teilt mit, alle Senatsverwaltungen seien wieder am Netz und grundsätzlich arbeitsfähig.

Mittwoch, 26. August: Per Presseerklärung folgt das offizielle Eingeständnis: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass personenbezogene oder sonstige nicht-öffentliche Daten abgeflossen seien. Gleichzeitig geht der Senat davon aus, dass der Angriff eingedämmt werden konnte.

Freitag, 28. August: Die Hackergruppe Rhysida bietet die gestohlenen Daten in einer Auktion an. Mindestgebot: 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Wegner reagiert öffentlich: „Das Land Berlin lässt sich nicht erpressen." Aus dem Senat ist intern zu hören: „Wenn wir jetzt zahlen, verlangen die beim nächsten Mal 10 Millionen Euro."

Donnerstag, 3. September: Das Presseamt warnt, die mutmaßlichen Täter könnten die Daten am Folgetag veröffentlichen. Betroffen seien personenbezogene Daten von Beschäftigten, Bürgern und Unternehmen. Ob das Landesnetz noch infiltriert ist, bleibt zu diesem Zeitpunkt unklar. Betroffenen rät der Senat, über die Internetwache der Polizei Anzeige zu erstatten.

Freitag, 4. September: Nach Ablauf des Ultimatums um 15.35 Uhr räumt der Senat ein: „Das Land Berlin ist Opfer einer äußerst schweren Straftat geworden." Behörden kündigen an, identifizierte Betroffene zu informieren.

Sonnabend, 5. September: Auf BILD-Anfrage, ob der IT-Gau schlimmer sei als der Berliner Stromausfall im Januar mit 50.000 betroffenen Haushalten, antwortet Wegner: „Das kann ich heute noch nicht sagen." Die Sicherheitsbehörden müssten zunächst prüfen, welche Daten konkret abgeflossen sind. Die FDP fordert seinen sofortigen Rücktritt. Bei den Behörden melden sich zehn besorgte Mitarbeiter und elf Bürger mit Fragen zu den veröffentlichten Daten.

Source: BILD

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