Hackerangriff auf Berlin: US-Experte warnt vor Gefahr für Bundesbehörden
Der Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung könnte weit mehr Schaden angerichtet haben als bisher bekannt. Ein US-Experte warnt vor Folgen für andere Regierungsnetze.

Berliner Verwaltung gehackt – Experte befürchtet Ausbreitung auf Bundesebene
Der Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung könnte nach Einschätzung eines führenden US-Cybersicherheitsexperten deutlich gravierendere Folgen haben als bislang öffentlich bekannt. Wie BILD berichtet, warnt Professor Max Kilger (72), außerordentlicher Professor für Cybersicherheit an der University of Texas in San Antonio, vor möglichen Kettenreaktionen in andere staatliche Netze.
„Möglicherweise bestehen erhebliche Netzwerkverbindungen zwischen den angegriffenen Berliner Systemen und anderen Systemen der deutschen Bundesregierung", sagte Kilger gegenüber BILD. Falls das zutreffe, handele es sich um einen „schwerwiegenderen Vorfall" als derzeit erkennbar.
Gestohlene Passwörter als Einfallstor
Besonders brisant: Bei dem Angriff wurden offenbar auch Passwortdateien entwendet. Kilger warnt vor sogenanntem „Credential Stuffing" – einem Angriffsmuster, bei dem gestohlene Zugangsdaten systematisch bei anderen Diensten ausprobiert werden. Sollten Berliner Behörden dieselben Passwörter in mehreren staatlichen Systemen verwendet haben, könnten weitere Regierungsnetze kompromittiert worden sein.
Wie lange die Angreifer bereits unbemerkt in den Berliner Systemen aktiv waren, lässt sich laut Kilger derzeit nicht sagen. Aus vergleichbaren Fällen sei bekannt, dass Hacker „bis zu mehrere Wochen unentdeckt" in Netzwerken verbleiben können – Zeit, die sie nutzen könnten, um angebundene Systeme aufzuspüren und weitere Daten abzugreifen.
Erpressung statt Verschlüsselung möglich
Unklar ist auch, was beim Angriff konkret geschah. Kilger zufolge steht noch nicht fest, ob Daten tatsächlich verschlüsselt wurden. Denkbar sei auch ein anderes Vorgehen: Die Täter könnten Systeme infiltriert, Daten abgezogen und anschließend mit deren Veröffentlichung gedroht haben, um Geld zu erpressen.
Hinweise deuten laut Kilger darauf hin, dass hinter dem Angriff die Ransomware-Gruppe Rhysida steckt, die möglicherweise aus Russland oder einem GUS-Staat operiert. Für eine direkte Beteiligung ausländischer Geheimdienste gebe es bislang keine öffentlichen Belege. Kilger hält es jedoch für wahrscheinlich, dass der Staat, in dem die Gruppe ansässig ist, deren Angriffe auf westliche Organisationen zumindest duldet. Zudem sei es denkbar, dass ein ausländischer Staat Druck auf Rhysida ausgeübt habe, um Einblick in die erbeuteten Daten zu erhalten und material von nachrichtendienstlichem Interesse zu sichten.
Kein Lösegeld – Experte hält das für richtig
Berlin hat nach vorliegenden Informationen kein Lösegeld gezahlt. Kilger hält diese Entscheidung für die richtige: „Daher hat Berlin wahrscheinlich richtig gehandelt, das Lösegeld nicht zu zahlen." Es gebe keinerlei Garantie, dass Kriminelle nach einer Zahlung die Daten tatsächlich zurückgäben oder nicht dennoch verkauften oder veröffentlichten. Rhysida habe gestohlene Daten in der Vergangenheit bereits privat oder öffentlich versteigert.
Hinter Rhysida steckt laut Kilger ein strukturiertes Geschäftsmodell: Eine Kerngruppe stellt Schadsoftware und technische Infrastruktur bereit, während andere Kriminelle damit die eigentlichen Angriffe durchführen. Eingehende Lösegelder werden zwischen den Beteiligten aufgeteilt. Fachleute bezeichnen dieses Modell als „Ransomware as a Service".
Source: BILD