Hackergruppe Rhysida veröffentlicht 1,44 Millionen Dateien aus Berliner Landesnetz
Nach Ablauf eines Ultimatums hat die Hackergruppe Rhysida gestohlene Daten der Berliner Verwaltung öffentlich zugänglich gemacht. Das Paket umfasst 5,26 Terabyte mit sensiblen Behördendaten.
Berliner Verwaltungsdaten nach Hackerangriff im Darknet frei zugänglich
Knapp drei Wochen nach Bekanntwerden des Angriffs auf das Berliner Landesnetz hat die Hackergruppe Rhysida die erbeuteten Daten öffentlich ins Netz gestellt. Wie Google News LU DE unter Berufung auf die Berliner Morgenpost berichtet, führt auf der entsprechenden Seite im Darknet seit Freitagnachmittag, 15.36 Uhr, ein Link zu einer Dokumentensammlung mit knapp 1,44 Millionen Dateien. Die Botschaft darunter: „Datenjäger, genießt es."
Umfang und Inhalt des Datenlecks
Das veröffentlichte Paket umfasst 5,26 Terabyte. Ursprünglich hatte Rhysida insgesamt 5,79 Terabyte Daten zum Kauf angeboten und dafür mindestens 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro – verlangt. Ob ein Teil der Daten vorab an Kriminelle verkauft wurde, lässt sich laut den Berichten nicht mit Gewissheit sagen.
Enthalten sind Unterlagen aus der Senatsverkehrs- und der Senatsbauverwaltung: Dokumente zu rechtlichen Verfahren, darunter Klagen der Deutschen Umwelthilfe, Informationen zum Katastrophenschutz, zur kritischen Infrastruktur, zu einzelnen Verkehrsprojekten sowie Personalunterlagen. Ein Unterordner trägt den Namen „Personelles und weiteres". Betroffen vom ursprünglichen Hack waren zwischen dem 7. und 12. August die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
Experten warnen vor hohen Zugriffsrechten der Angreifer
Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), geht davon aus, dass eine zentrale Dateiablage der Verwaltung kompromittiert wurde. „Es sieht auch nach sehr hohen Zugriffsrechten aus", sagt Selzer. Darunter befinden sich auch personenbezogene Daten von Beschäftigten wie Arbeitszeugnisse – „Dokumente, die normalerweise nicht für alle einsehbar sind". Selzer weist zudem darauf hin, dass das Land Berlin möglicherweise geltende Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht eingehalten habe, was in der Vergangenheit empfindliche Bußgelder nach sich gezogen habe. Der CCC rät Betroffenen, Strafanzeige zu erstatten.
Politiker fordern rasche Unterstützung der Betroffenen
Wie viele Beschäftigte der Verwaltung konkret betroffen sind, ist nach wie vor unklar. Die Linke und die Grünen fordern, dass Betroffene schnell ermittelt und unterstützt werden. Werner Graf, Fraktionschef und Spitzenkandidat der Grünen, warnt, Passwörter, Kontodaten und persönliche Informationen von Zehntausenden könnten „für Identitätsdiebstahl und gezielte Phishing-Angriffe genutzt werden". Tobias Schulze, Linken-Fraktionschef, fordert einen höheren Sicherheitsstandard für die Berliner IT.
Senat zunächst ohne öffentliche Reaktion
Während die Oppositionsfraktionen ihre Stellungnahmen kurz nach dem Leak verschickten, schwieg der Berliner Senat zunächst. Aus der Senatskanzlei hieß es noch vor dem Ablauf des Countdowns, betroffenen Beschäftigten stehe ein Beratungsangebot zur Verfügung. Eine Sondereinheit aus Landeskriminalamt und Senatsverkehrsverwaltung ermittele und sichere Daten.
Am Abend meldete sich der Senat mit einer weiteren Erklärung: Sicherheitsbehörden führten eine intensive Datenprüfung durch, IT-Forensiker untersuchten die veröffentlichten Daten mit Hochdruck. Betroffene Bürgerinnen und Bürger könnten sich an die Berliner Landesdatenschutzbeauftragte wenden und Strafanzeige erstatten – über die Internetwache der Polizei Berlin oder jede örtliche Polizeidienststelle.
Gewerkschaft wirft Senat Verharmlosung vor
Scharfe Kritik äußert die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Landesvize Thorsten Scheider wirft dem Senat vor, das Ausmaß des Angriffs zu unterschätzen. „Es kann nicht sein, dass hier tagelang hochsensible Daten geraubt wurden und die einzige Reaktion scheinbar darin besteht, die Beschäftigten anzuweisen, ihre Passwörter zu ändern. Das zeugt schon von einer gewissen Hilflosigkeit. Unsere Kollegen sind nicht Schuld, dass die IT-Sicherheit im Land Berlin jahrzehntelang an die Wand gefahren wurde."
Rhysida mit internationalem Angriffsmuster
Auf der Auktionsseite im Darknet findet sich zudem ein Archiv mit mehr als 260 Einträgen, das Behörden aus den USA, Kanada, Mexiko, Chile sowie mehreren europäischen Staaten und Gesundheitseinrichtungen auflistet. Auch Daten aus dem Netz der Stadt Stuttgart werden dort vollständig und kostenlos angeboten.
Die Cyberattacke auf Berlin war am 14. August entdeckt worden. Die betroffenen Senatsverwaltungen wurden daraufhin für mehrere Tage vom Landesnetz isoliert. Zunächst hatte der Senat angegeben, keine sensiblen Daten seien abgeflossen. Am 28. August erschien das Kaufangebot im Darknet; Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte noch am selben Tag, Berlin werde auf Erpressungsversuche nicht eingehen. Der Vorfall gilt inzwischen als größter IT-Sicherheitsvorfall in der Geschichte der Berliner Verwaltung.
Source: Google News LU DE