Hamburger Prozess: Klara Block schildert ihre Entführung in der Silvesternacht

Die heute 16-jährige Tochter der Steakhouse-Erbin Christina Block berichtet erstmals öffentlich über ihre Entführung. In einem Podcast beschreibt sie die Vorfälle der Silvesternacht 2023/24.

Hamburger Prozess: Klara Block schildert ihre Entführung in der Silvesternacht

Klara Block berichtet von Entführung in der Silvesternacht

Nach fast 80 Verhandlungstagen geht der Hamburger Prozess gegen die Steakhouse-Erbin Christina Block in die Schlussphase. Die 53-Jährige wird beschuldigt, eine israelische Sicherheitsfirma mit der Entführung ihrer beiden Kinder aus Dänemark beauftragt zu haben. Laut WELT hat nun erstmals ihre heute 16-jährige Tochter Klara öffentlich über die Vorfälle berichtet.

Im Podcast „House of Block" der Serie „Zeit Verbrechen" schildert Klara erstmals der Öffentlichkeit, wie sie die Tatnacht erleben musste. Bislang hatte sie nur dem Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit von ihren Erfahrungen berichtet. „Ich wollte erzählen, was mir und meiner Familie passiert ist an dem Silvester", sagt sie in der ersten Folge. Damals war sie 13 Jahre alt.

Zum Zeitpunkt der Entführung lebte Klara mit ihrem damals zehnjährigen Bruder Theo bei ihrem Vater Stephan Hensel und dessen dänischer Lebensgefährtin Astrid Have in Grasten, direkt hinter der deutsch-dänischen Grenze. Der Grund für ihre Unterbringung in Dänemark: Ein Sorgerechtsstreit zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter Christina Block war eskaliert, nachdem die Kinder nicht wie vereinbart zur Mutter zurückkehrten. „Und dann hat sie rot gesehen. Und ich wollte nicht lockerlassen", erklärt Hensel im Podcast.

Sicherheitsmaßnahmen und erste Warnzeichen

Die Familie stand bereits unter erheblicher Anspannung. Astrid Have berichtet von Kameras, die im Garten des Hauses entdeckt worden waren, sowie von unbekannten Männern, die das Haus beobachteten. Auch an der Schule seien verdächtige Personen aufgetaucht. Die dänische Polizei nahm die Bedenken ernst und versetzte die Kinder mit Notfallknöpfen aus – Geräte, die bei Aktivierung einen Notruf senden und die Umgebung per Mikrofon aufzeichnen.

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen gaben die Erwachsenen am Silvesterabend dem Wunsch der Kinder nach, sich das Feuerwerk am Hafen anzusehen. „Ich wollte nicht der Paranoide sein. Und dann haben wir gesagt: Na gut, also es ist kurz vor zwölf. Lass uns doch noch mal zum Hafen gehen", begründet Hensel die Entscheidung. Astrid Have ergänzt: „Du kannst nicht zu den Kindern sagen: ‚Nein, du kannst nicht rausgehen, weil du entführt werden kannst.'"

Das Feuerwerk verursachte Angst bei Haves jüngerer Tochter, weshalb Mutter und Kind ins Haus zurückkehrten. Hensel blieb mit Klara und Theo auf einer etwa 140 Meter vom Hafen entfernten Terrasse.

Der Überfall kurz vor Mitternacht

Plötzlich, so Hensels Darstellung, habe sich eine „völlig vermummte Person" vor ihm aufgebaut. „Dann lag ich schon auf dem Boden. Ich hab' mich auch mal versucht umzudrehen, um dann in die Angriffsposition zu kommen. Dementsprechend hat man mir mal wieder ins Gesicht geschlagen mit der Faust. Man hat mir in den Unterleib getreten, mehrfach. Und auch an den Körper."

Klara erinnert sich an Schreie – die ihres Vaters. „So laut, wie er noch nie geschrien hat. Also, es war furchtbar, fürchterlich", sagt sie. Ihr Bruder Theo schrie ebenfalls. Klara blieb bei ihm: „Ich dachte, ich kann ihn nicht allein lassen."

Sie beobachtete, wie ihr Vater am Boden lag und Männer ihren Bruder in ein Auto schleppten. Einer der Angreifer drückte auch ihr die Hand auf den Mund. „Und diesen Geruch, das ist ein richtig typischer Handschuhgeruch", erinnert sich Klara. Sie schrie auf Deutsch, Dänisch und Englisch. Zwei Männer packten sie schließlich an Kopf und Beinen und trugen sie zu einem Fahrzeug.

Die Fahrt und Klaras Angst

Während der Fahrt lagen die Geschwister übereinander im Fußraum eines Wagens. Ein älterer Mann saß hinten bei ihnen. „Ich hab' mich gekniffen, ich hab' meine Augen geschlossen. Ich hab' gedacht, dass das nicht passiert", beschreibt Klara ihre psychische Reaktion. „Dann merkt sie: Wir fahren und wir fahren echt schnell."

Während der Fahrt drückte Theo insgesamt neunmal seinen Notfallknopf. Er lag unter Klara und beklagte sich über Atemnot, worauf sie versuchte, ihre Position zu verändern. Ein Entführer wies sie aber auf Englisch an: „Be quiet now."

Klaras Gedanken kreisten in dieser Zeit um ihren Vater. Sie befürchtete, die Täter hätten ihn mit einem Messer getötet. „Ich hatte wirklich so eine Angst davor, dass er tot wäre", sagt sie. Als die Kinder später erfuhren, dass sie zu ihrer Mutter gebracht werden sollten, reagierten sie offenbar anders, als die Entführer erwartet hatten. Auf den Aufnahmen des Notfallknopfes ist zu hören, wie beide protestieren: „No!"

Ausgang des Verfahrens noch offen

Wann der Prozess gegen Christina Block endet, ist noch nicht bekannt. Der Unternehmerin drohen bis zu zehn Jahre Haft. Sie bestreitet alle Vorwürfe, die Unschuldsvermutung gilt. Das Sorgerecht für ihre beiden jüngsten Kinder liegt inzwischen vollständig beim Vater in Dänemark.

Source: WELT

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