Lidl-Mord in St. Tönis: Nach 31 Jahren Verdächtiger verhaftet
DNA-Abgleich führt Ermittler nach über drei Jahrzehnten zu einem früheren Ladendetektiv. Der Mann steht im Verdacht, an dem Raubmord an der Filialleiterin Sonja K. beteiligt gewesen zu sein.
Durchbruch bei Raubmord nach 31 Jahren
Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet, dass die Polizei einen Mann festgenommen hat, der im Verdacht steht, den Raubmord an der Lidl-Filialleiterin Sonja K. begangen zu haben. Der Mord ereignete sich am 25. Januar 1995 in St. Tönis (Nordrhein-Westfalen). Ein DNA-Abgleich mit neugewonnenen Spuren aus den ursprünglichen Ermittlungen führte zu dem 59-jährigen Tatverdächtigen, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.
Der Mann wurde am vergangenen Donnerstag in Krefeld festgenommen und am Folgetag in Untersuchungshaft genommen. Bis Ende 1994 arbeitete er sporadisch als Ladendetektiv in der Lidl-Filiale, in der die damals 24-jährige Sonja K. als Leiterin tätig war. Die Ermittler gaben diese Information am Dienstag in einer Pressekonferenz bekannt.
Die Tat spielte sich ab, als Sonja K. kurz vor Öffnung des Geschäfts für Kunden Regale einräumte. Mehrere Täter überrumpelten die Frau, fesselten ihre Hände mit Klebeband auf dem Rücken und wickelten Klebeband über ihren Mund. Mit dem Schlüssel des Opfers — der bis heute nicht aufgefunden wurde — öffneten sie den Tresor und erbeuteten mehrere Tausend Mark. Eine Mitarbeiterin entdeckte die leblose Filialleiterin später auf der Toilette und setzte einen Notruf ab. Die Obduktion ergab, dass Sonja K. erdrosselt worden war.
Bereits 1995 galt der Mann zeitweise als Verdächtiger, wurde aber damals nicht überführt. Im Jahr 2025 gelang es den Ermittlern mithilfe moderner DNA-Techniken, eine Spur aus den ursprünglichen Beweismitteln zu extrahieren. Sie schlossen zunächst Personen aus dem Umfeld des Opfers sowie damalige Rettungskräfte aus, deren DNA-Profile erklärbar waren. Anfang 2026 wurden von etwa 30 bis 40 Personen aus dem Umfeld der Detektei, für die der Verdächtige arbeitete, Speichelproben genommen. Auch der Italiener gab eine Probe ab. Es ergab sich eine hohe Übereinstimmung.
Die Hauptkommissarin Stefanie Kohnen bestätigte die Treffer. Das Motiv für die Tötung bleibt unklar; eine Frage ist, ob Sonja K. den Ladendetektiv möglicherweise erkannt hatte. Der Verdächtige äußert sich zu den Vorwürfen nicht. Dennoch erhoffen sich die Ermittler, dass er bei der Identifizierung weiterer Mittäter unterstützen könnte.
Zwar sind die Eltern von Sonja K. verstorben, ohne die Identität des Mörders ihrer Tochter zu erfahren. Ihre beiden Brüder wurden jedoch umgehend über die Festnahme benachrichtigt — ein Ergebnis, auf das sie über 31 Jahre gewartet hatten.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung