Polizistinnen nach Schießerei in Gevelsberg aus Beamtenverhältnis entfernt
Zwei Polizistinnen, die 2020 flüchtende Kollegen im Stich ließen, verlieren nun ihren Beamtenstatus. Das Verwaltungsgericht Münster verhängte die schwerste mögliche Disziplinarmaßnahme.

Schwerste Disziplinarstrafe nach Flucht bei Schießerei im Ruhrgebiet
Das Verwaltungsgericht (VG) Münster hat zwei Polizistinnen wegen Dienstvergehens aus dem Beamtenverhältnis entfernt. Das berichtet n-tv. Die Frauen hatten im Mai 2020 bei einer Schießerei in Gevelsberg ihre Kollegen zurückgelassen, anstatt ihnen zu helfen.
Die Entscheidung fiel nach einer nicht-öffentlichen Verhandlung über eine Disziplinarklage des Dienstherrn der beiden Beamtinnen. Es handelt sich laut VG Münster um die schwerste Disziplinarmaßnahme, die in diesem Fall möglich ist. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig; eine Berufung beim Oberverwaltungsgericht ist möglich.
Hintergrund: 21 Schüsse in Sekunden
Die Polizistinnen – damals 32 und 37 Jahre alt – waren 2020 zufällig zu einer Verkehrskontrolle im südlichen Ruhrgebiet gestoßen. Dort hatte ein Autofahrer auf zwei Verkehrspolizisten geschossen. Binnen Sekunden fielen 21 Schüsse; einer der angegriffenen Beamten überlebte nur dank seiner schusssicheren Weste.
Statt ihren Kollegen beizustehen, hielten die beiden Polizistinnen ein vorbeifahrendes Auto an und flüchteten darin. Warnschüsse gaben sie keine ab; die Leitstelle alarmierten sie erst später.
Bereits 2022 strafrechtlich verurteilt
Im Herbst 2022 waren die Frauen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung im Amt durch Unterlassen zu je vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die nun abgeschlossene Disziplinarklage bildet den zweiten, beamtenrechtlichen Teil der Aufarbeitung des Vorfalls.
Die Disziplinarkammer des VG Münster stuft die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis als verhältnismäßige Konsequenz des festgestellten Dienstvergehens ein.
Source: n-tv