Rentner wegen Frauenmord von 1985 angeklagt – DNA-Beweis nach 41 Jahren
Ein 70-Jähriger aus Baden-Württemberg steht vor Gericht, weil er 1985 eine Frau vergewaltigt und getötet haben soll. DNA-Spuren führten Jahrzehnte später zum Angeklagten.

Prozess gegen mutmaßlichen Frauenmörder in Ulm
Der 70-jährige Armin H. wurde Anfang dieser Woche im Rollstuhl in den Gerichtssaal des Landgerichts Ulm gebracht. Wie BILD berichtet, wird dem schwer erkrankten Rentner vorgeworfen, 1985 die 31-jährige Renate Borst vergewaltigt und anschließend mit seinem Auto überfahren zu haben. Spermaspuren von H. am Tatort führten die Ermittler nach mehr als vier Jahrzehnten zur Anklage.
Die Leiche der arbeitslosen Küchenhilfe wurde am 10. März 1985 an einem Waldweg bei Deggingen gefunden. Sie war nackt, ihre Beine waren mit ihrem BH zusammengebunden. Der Oberstaatsanwalt Andreas Kröner wirft dem Angeklagten vor, Borst am 21. oder 22. Februar 1985 in einem Lokal in Göppingen oder einer Diskothek in Eislingen kennengelernt zu haben. H. habe sie dann in seinem Auto mitgenommen, zum Sex gezwungen und die Tat durch extreme Gewalt gedeckt.
Bereits drei Wochen nach dem Fund wurde H. von der Polizei befragt. Zeugen hatten berichtet, dass er kurz zuvor an Renate Borst herangemacht hatte. H. bestritt damals jeden Kontakt im Tatzeitraum und erklärte, seine schwangere Frau könne nicht erfahren, dass er einen Seitensprung gehabt habe. Eine Bekannte des Opfers zeigte H. anschließend wegen Vergewaltigung an – er wurde verurteilt.
Die Ermittlung lag dann jahrelang still, bis sich die DNA-Analyse-Methoden verbesserten. Im Jahr 2022 veranlasste die Kriminalpolizei einen erneuten Abstrich bei damaligen Zeugen. Nach einem genetischen Treffer rückte das Spezialeinsatzkommando bei H. in Schwendi an, fand weitere Beweise und nahm ihn fest.
Zum Prozessauftakt räumte H. erstmals ein, Renate Borst kennengelernt zu haben. Er bezeichnete den Kontakt als Seitensprung und bestritt, Gewalt angewendet zu haben. Sie sei „willig" gewesen, so seine Aussage. Seine früheren Lügen begründete er damit, dass er sich fürchtete, seine Familie könne etwas erfahren. Das Landgericht plant sechs Verhandlungstage. Richter Wolfgang Tresenreiter will sein Urteil am 11. November verkünden.
Source: BILD