Sabotage am deutschen Stromnetz: Polizei fahndet nach mutmaßlichem Klimaterroristen

Ein 48-Jähriger soll mit selbstgebauten Raketen und Sprengvorrichtungen Umspannwerke in Deutschland angegriffen haben. Innenminister Dobrindt spricht von „Klimaterrorismus".

Fahndung nach Anschlägen auf Umspannwerke in mehreren Bundesländern

Die deutsche Polizei fahndet mit Hochdruck nach einem 48-jährigen Mann, dem mehrfache Sabotage am Stromnetz vorgeworfen wird. Wie Google News AT — Crime (de) berichtet, konzentrieren sich die Vorfälle auf Bundesländer, in denen noch Braunkohle abgebaut und verstromt wird. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geht von „Klimaterrorismus" aus.

Sprengstoff in Wohnung, Verdächtiger flüchtig

Am Freitag fanden Beamte in der Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen (NRW) Sprengstoff. Anschließend stürmte ein Spezialeinsatzkommando rund 100 Kilometer entfernt in Niederzier einen zu einem Wohnmobil umgebauten Lkw in einem Waldstück — der Gesuchte wurde nicht angetroffen. Grundlage der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben.

„Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen", sagte Dobrindt. Es handle sich sehr wahrscheinlich um „Klimaterrorismus" eines Einzeltäters. In einem der Schreiben heißt es: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen." NRW-Innenminister Herbert Reul betonte, wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, rette nichts, sondern gefährde Leben. „Keine Ideologie taugt als Ausrede", so Reul.

Erster Angriff in Brandenburg, zweiter bei Köln

Den Auftakt bildete ein Angriff am Dienstagmorgen im Süden Brandenburgs: Mit mehr als 20 selbstgebauten Raketen wurden Kabel in Richtung der Höchstspannungsleitungen des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde beschossen. In zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss; einen Stromausfall gab es nach Angaben des Netzbetreibers nicht. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Noch am selben Abend kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Auch dort wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik sichergestellt. Laut RWE Power gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke an den Standorten Niederaußem und Neurath vom Netz; mehrere davon nahmen den Betrieb später wieder auf, einer soll erst in der folgenden Woche neu gestartet werden. Die allgemeine Stromversorgung war nach Unternehmensangaben jederzeit gesichert.

Weitere Vorfälle in NRW und Sachsen

Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger mutmaßliche Abschussvorrichtungen an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf und alarmierte die Polizei. Auf Basis eines Bekennerschreibens durchsuchten Beamte am Freitag zudem das Gelände rund um das Kraftwerk Weisweiler bei Aachen.

In Sachsen sicherte die Polizei an zwei Fundorten vier unbekannte Sprengvorrichtungen, wie Sachsens Innenminister Armin Schuster mitteilte. Die Polizeidirektion Görlitz bestätigte einen Einsatz nördlich von Bautzen, der zu diesem Zeitpunkt noch andauerte. Teils seien Polizisten die gesamte Nacht mit der Spurensicherung beschäftigt gewesen, erklärte eine Polizeisprecherin am Samstagmorgen.

Forderung nach besserem Infrastrukturschutz

NRW-Innenminister Reul forderte als Konsequenz aus den Vorfällen einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur. Dafür brauche es klare Rechte und moderne Technik — Kameras, Sensoren und Alarmsysteme. Als kritische Infrastruktur gelten Bereiche wie Energie, Wasser und Gesundheit, deren Ausfall zu Versorgungsengpässen oder Störungen der öffentlichen Sicherheit führen kann.

Österreich beobachtet die Entwicklung

Auch in Österreich verfolgen die Sicherheitsbehörden die Vorfälle aufmerksam. Der Schutz kritischer Infrastrukturen stehe „zunehmend im Fokus sicherheitspolitischer Maßnahmen", teilte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienste (DSN) im Innenministerium der APA mit. Internationale Entwicklungen würden in die Beurteilung der nationalen Gefährdungslage einbezogen. Die DSN stehe im engen Austausch mit ausländischen Sicherheitsbehörden und arbeite im Rahmen einer Arbeitsgruppe zu hybriden Bedrohungen, um „möglichst rasch und umfassend" auf derartige Lagen reagieren zu können.

Source: Google News AT — Crime (de)

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