Schussserie in Köln: Restaurants, Juweliere und Wohnhäuser im Visier
Seit Ende Mai häufen sich Schüsse und Brandanschläge in Köln und Umgebung. Die Polizei hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen bedeckt.

Gewaltanschläge in Köln: Chronologie einer beispiellosen Serie
Seit Ende Mai erschüttern wiederholt Schüsse und Brandanschläge Köln und die umliegenden Gemeinden. Wie tagesschau.de berichtet, handelt es sich nach Einschätzung von Ermittlern um eine Gewaltserie ohne Präzedenz in der Region. Die Ziele: Restaurants, Cafés, Juweliergeschäfte und Privathäuser – in vielen Fällen mit türkischen Eigentümern. Als mögliches Motiv gilt Schutzgelderpressung, doch Polizei und Staatsanwaltschaft machen aus „ermittlungstaktischen Gründen" keine näheren Angaben zu Tatverdächtigen.
Einschusslöcher im Zimmer eines schlafenden Kindes
Gegen 6:35 Uhr alarmierten Zeugen den Notruf, nachdem sie Schüsse in Köln-Mülheim gehört hatten. Beamte stellten Einschusslöcher in der Hausfassade und der Fensterfront einer Erdgeschoss-Pizzeria fest. Ein Projektil wurde schließlich im Zimmer eines zehnjährigen Kindes gefunden, das zum Tatzeitpunkt schlief.
Rund eine Stunde später, gegen 7:00 Uhr, beobachteten Anwohner an der Frankfurter Straße einen Mann, der mehrere Schüsse auf eine Bar abfeuerte, in der sich zu diesem Zeitpunkt eine Person aufhielt. Der Schütze flüchtete als Beifahrer in einem Fahrzeug.
Gegen 7:40 Uhr schlugen vier Projektile in das Schaufenster eines Cafés an der Bonner Straße ein. Der als glatzköpfig beschriebene Täter flüchtete zu Fuß.
Anschlag auf Haus eines Imbissbetreibers in Erftstadt
Gegen 4:45 Uhr hörten Bewohner eines Einfamilienhauses in Erftstadt-Köttingen Schüsse und alarmierten die Polizei. Mehrere Projektile hatten die Fassade des Gebäudes getroffen. Recherchen von WDR ergaben, dass das Haus dem Inhaber einer bekannten türkischen Imbisskette gehört. Die Polizei veröffentlichte später Fotos mutmaßlicher Schützen.
In der Ansbacher Straße bemerkten Anwohner gegen 23:40 Uhr Schussgeräusche. Einsatzkräfte fanden Einschusslöcher in der Fassade sowie Patronenhülsen auf der Straße. Ermittler prüfen in diesem Zusammenhang die Bedrohung eines Hausbewohners, der zuvor mit einem bewaffneten E-Scooter-Fahrer in Streit geraten war.
Juwelier auf der Keupstraße, Uhrengeschäft in der Innenstadt
Gegen 3:40 Uhr wurden auf der Keupstraße Schüsse auf ein Juweliergeschäft abgefeuert. Patronenhülsen lagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zwei Verdächtige flüchteten nach Zeugenaussagen zu Fuß.
Beim Öffnen eines Uhrengeschäfts in der Breite Straße entdeckte ein Mitarbeiter Einschusslöcher in der Fassade. Die Polizei geht davon aus, dass die Schüsse zwischen dem 1. und 4. August abgegeben wurden. Am 12. August suchten unbekannte Täter das Geschäft erneut auf – wieder fielen Schüsse.
Seniorenpaar unverletzt, Festnahmen im Rockermilieu
Gegen 2:20 Uhr schlugen Projektile in das Schlafzimmerfenster einer Wohnung ein. Die beiden Bewohner im Alter von 70 und 71 Jahren blieben unverletzt. Wochen später meldete die Staatsanwaltschaft die Festnahme von zwei Tatverdächtigen. Die Ermittler vermuten als Hintergrund einen Streit im Rockermilieu.
Imbiss beschossen, drei Festnahmen
Gegen 1:30 Uhr schoss ein Mann auf einen geschlossenen türkischen Imbiss in Köln-Höhenberg. Die Polizei setzte bei der Fahndung auch einen Hubschrauber ein und konnte das Fluchtfahrzeug ausfindig machen. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen.
Brandanschläge auf Lokal an der Brühler Straße
Gegen 2:00 Uhr zündeten zwei bis drei dunkel gekleidete Personen an der Brühler Straße brennbares Material vor einem Lokal. Die Eingangstür zersplitterte. Wenige Tage später folgte ein erneuter Angriff: Gegen 2:55 Uhr wurde ein Brandsatz gezündet, ein Tisch und Stühle gerieten in Brand.
Sprengstoff verletzt Anwohner, Schüsse auf Passanten
Gegen 6:00 Uhr explodierte im Eingangsbereich einer Bar ein Sprengsatz. Das Lokal war zu diesem Zeitpunkt geschlossen; ein Bewohner der darüber liegenden Wohnung wurde verletzt. Die Polizei sucht mehrere Tatverdächtige.
Gegen 4:30 Uhr wurde ein 32-jähriger Passant im Zülpicher Viertel von Projektilen getroffen und schwer verletzt. Ein unbekannter Täter hatte aus einem vorbeifahrenden Auto auf ihn geschossen. Der mutmaßliche Schütze wurde im Juli in Ungarn festgenommen.
Ob und inwieweit die einzelnen Taten miteinander in Zusammenhang stehen, ist nach Angaben der Polizei weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Source: Google News DE — Crime (de)