Stromversorgung sabotiert: Polizei fahndet europaweit nach Daniel V. aus Gevelsberg
Der 48-jährige Daniel V. aus Gevelsberg wird nach Angriffen auf Energieinfrastruktur in Deutschland mit Fotos gesucht. Zwei Bekennerschreiben brachten die Ermittler auf seine Spur.
Europäische Fahndung nach mutmaßlichem Saboteur der Stromversorgung
Das Polizeipräsidium Potsdam hat Fotos des 48-jährigen Tatverdächtigen Daniel V. veröffentlicht, der nach Angriffen auf Energieinfrastruktur an mehreren Orten in Deutschland gesucht wird. Wie DER SPIEGEL (Justiz & Kriminalität) berichtet, ist der in Gevelsberg gemeldete Mann derzeit flüchtig – die Fahndung läuft inzwischen europaweit. Hinweise nimmt die Polizei rund um die Uhr unter der Nummer 0331 505950 sowie über das Hinweisportal der Polizei NRW entgegen.
Am Freitagmittag stürmten Beamte des SEK das Wohnhaus des Verdächtigen in Gevelsberg – ohne Erfolg. Noch am selben Tag durchsuchten Ermittler einen zum Wohnwagen umgebauten Lkw in der Nähe des Hambacher Forsts. Auch dort wurde Daniel V. nicht angetroffen.
Auf die Spur gebracht hatten die Behörden offenbar die Verdächtigen selbst: V. verschickte in den vergangenen Tagen zwei Bekennerschreiben. Das erste wurde am Donnerstag zunächst von der Tageszeitung taz öffentlich gemacht; beide Schreiben liegen dem SPIEGEL vor.
In seinen handschriftlichen Briefen beschreibt V. detailliert, wie er Drähte mit „kleinen Kanonen und Silvesterraketen zu den Leitungen hochgeschossen" habe. Er geht dabei in technische Einzelheiten: Drahtdurchmesser, Konstruktionsaufbau und verwendete Treibladungen werden erläutert. Das Ziel war demnach, durch in Hochspannungsleitungen geschossene Drähte Kurzschlüsse auszulösen.
Die Vorfälle hatten ihren Anfang am Dienstag dieser Woche. Ein Arbeiter entdeckte an einem Umspannwerk in Turnow-Preilack, einem Ort nahe der polnischen Grenze in Brandenburg, auffällige Vorrichtungen. Diese dienten dem Abschuss selbst gebauter Flugobjekte, die an Silvesterraketen erinnerten. Der Netzbetreiber informierte die Polizei, die rund um das Umspannwerk etwa zwei Dutzend weitere Abschussvorrichtungen sicherte.
Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben Politik und Bevölkerung erheblich beunruhigt und erneut die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur in Deutschland ins Bewusstsein gerückt.