Vier Angeklagte wegen Bauschaum-Attacken auf hunderte Autos vor Gericht
Vier junge Menschen stehen in Ulm wegen Sachbeschädigungen an Autos in vier Bundesländern vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt sie, als sogenannte Wegwerfagenten für einen Auftraggeber tätig gewesen zu sein.

Prozess zu Bauschaum-Sabotagen mit Wahlbeeinflussungsverdacht
Wegen einer Serie von Bauschaum-Attacken auf hunderte Fahrzeuge stehen vor dem Amtsgericht Ulm drei Männer und eine Frau vor Gericht. Wie tagesspiegel.de berichtet, beschuldigt die Staatsanwaltschaft Ulm die 18 bis 21 Jahre alten Angeklagten der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung. Die Gruppe soll im Dezember 2024 zahlreiche Autos in Blaubeuren, Langenau, Ulm, Neu-Ulm, Schönefeld in Brandenburg und Berlin gezielt beschädigt haben. Der Schaden beläuft sich nach Behördenangaben auf mehr als 13.000 Euro.
Nach der Anklage füllten die Verdächtigen Montageschaum in die Abgasrohre der Fahrzeuge und klebten Aufkleber mit dem Text „SEI GRÜNER!" und einem Bild von Robert Habeck, dem damaligen Bundeswirtschaftsminister, auf die Autos. Für die Autobesitzer stellte der ausgehärtete Schaum ein erhebliches Problem dar: Das Material lässt sich danach nicht mehr leicht entfernen.
Die Ermittler sehen hinter der vermeintlich einfachen Sachbeschädigung einen Versuch der Wahlbeeinflusssung. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft stiftete ein Auftraggeber die vier gezielt zu den Aktionen an, um das Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 2025 zu beeinflussen. Den Angeklagten seien 100 Euro je beschädigtem Auto versprochen worden.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt seit längerem vor Versuchen russischer Geheimdienste, sogenannte Wegwerfagenten in Deutschland zu rekrutieren. Diese Agenten sollen für Spionage und Sabotage eingesetzt werden. Die Sicherheitsbehörden werten solche Taten als Teil der hybriden Bedrohung, der Deutschland vor allem seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgesetzt ist.
Ein 19-jähriger Angeklagter, der wegen einer anderen Tat in Untersuchungshaft sitzt, machte Angaben zu den Vorwürfen und belastete dabei auch seine Mitangeklagten. Die drei anderen Verdächtigen bestritten die Tatvorwürfe oder machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie befinden sich auf freiem Fuß.
Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Drahtzieher wurden inzwischen eingestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte ein Tatverdächtiger berichtet, dass die Taten durch einen wohl serbischen Staatsangehörigen aus Russland in Auftrag gegeben worden seien. Die Identität dieser Person ist weiterhin ungeklärt. Ein Verfahren gegen einen 29-jährigen Mann aus dem Alb-Donau-Kreis wurde eingestellt.
Source: Google News DE — Crime (de)