Schütze von Aarau: 43-Jähriger feuerte über 40 Mal in die Menge – ein Toter, sechs Verletzte
Die Kantonspolizei Aargau stuft die Schüsse beim Aarauer Rave als Amoktat ein. Der 43-jährige Beschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft.

Ermittlungsstand nach Amoktat beim Aarauer Rave
Wie 20 Minuten berichtet, hat die Kantonspolizei Aargau am Mittwochnachmittag den aktuellen Ermittlungsstand zu den Schüssen beim Aarauer Rave präsentiert. Im Zentrum steht ein 43-jähriger Schweizer ohne Migrationshintergrund.
Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der Beschuldigte am frühen Sonntagmorgen mit seinem Fahrzeug zu einem Parkplatz in der Nähe der Pferderennbahn und näherte sich dem Gelände zu Fuss. Von ausserhalb des Geländes feuerte er mit einem Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow AK-74 mehr als 40 Mal wahllos in die Menschenmenge, wobei er seine Position und Schussrichtung mehrfach wechselte. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch deutlich mehr als 100 Personen vor Ort. «Der Anschlag ist dem Szenario Amok zuzuordnen», teilte die Polizei mit.
Anschliessend kehrte der Mann zum Parkplatz zurück und schoss dort mit einer Pistole mehrfach – unter anderem auf ein wegfahrendes Fahrzeug. Danach flüchtete er mit seinem Auto in Richtung Aarau. Eine Person kam ums Leben; inzwischen zählt die Polizei sechs Verletzte, nachdem sich am Montag eine weitere betroffene Person gemeldet hatte. Alle Opfer seien nach derzeitigem Stand Zufallsopfer.
In der Nacht auf Montag wurde der Beschuldigte im Kanton Jura, wo er seinen Wohnsitz hat, festgenommen. Er habe sich der Kantonspolizei gestellt, sagte Staatsanwalt Christoph Rüedi. Unabhängig davon seien die Ermittlungen der Kantonspolizei Aargau zu jenem Zeitpunkt bereits so weit fortgeschritten, dass eine Identifizierung des Täters absehbar war. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat eine Strafuntersuchung eröffnet.
In seinem Fahrzeug wurden drei auf ihn registrierte Waffen sichergestellt: zwei Pistolen sowie das Sturmgewehr vom Typ AK-74. Erste forensische Untersuchungen hätten Übereinstimmungen zwischen den am Tatort gefundenen Patronenhülsen und den sichergestellten Waffen ergeben. Die Waffen seien vor rund 20 Jahren legal erworben worden; es handle sich nicht um Armeewaffen.
Der Beschuldigte absolvierte in der Schweizer Armee eine Ausbildung als Truppenkoch, schied 2013 aus der Wehrpflicht aus und gab seine Dienstwaffe zurück. Laut Staatsanwalt Rüedi gibt es Hinweise darauf, dass der Mann unter psychischen Problemen leidet; gesicherte Erkenntnisse oder eine ärztliche Diagnose lägen jedoch noch nicht vor.
Zum Motiv gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund oder auf Mithelfer und Mitwisser liegen gemäss Polizei nicht vor. Der Beschuldigte machte bei seiner Einvernahme weitgehend von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und befindet sich in Untersuchungshaft. Ermittelt wird unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung, Mordes sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.
Offen bleibt laut den Ermittlern, weshalb der Mann aus dem Jura nach Aarau gefahren ist und warum er ausgerechnet den Rave als Ziel wählte.
Source: 20 Minuten