Schütze von Aarau: 43-jähriger Schweizer aus Jura festgenommen
Nach der tödlichen Schiesserei an einem Rave in Aarau hat die Polizei einen 43-jährigen Schweizer festgenommen. Er stellte sich selbst in Delsberg und gestand die Tat.
Rave-Schiesserei in Aarau: Verdächtiger stellte sich mit Waffen der Polizei
Drei Tage nach der tödlichen Schiesserei an einem Rave im Aarauer Schachen hat die Kantonspolizei Aargau an einer Medienkonferenz erstmals umfassende Details zu Täter und Tatablauf bekanntgegeben. Wie Blick berichtet, wurde ein 43-jähriger Schweizer festgenommen, der unter dringendem Tatverdacht steht.
«Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit können wir Ihnen sagen, dass der Mann, den wir festgenommen haben, die Person ist, die auf die Besucher dieser Raveparty geschossen hat», erklärte Polizeikommandant Michael Leupold. Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen Schweizer ohne Migrationshintergrund mit Wohnsitz im Jura. RTS meldete am Mittwochabend, dass der Mann aus der Gemeinde Montsevelier stamme, rund 18 Fahrminuten von Délémont entfernt. Nachbarn beschreiben ihn als sehr zurückgezogen.
Tatablauf: 40 Schüsse mit Sturmgewehr, dann Pistole
Gemäss Gesamteinsatzleiter Matthias Schildknecht fuhr der Täter mit seinem Fahrzeug zur Schachenstrasse. Dort sei er zunächst ein Stück zu Fuss weitergegangen, bevor er mit einem Sturmgewehr 40 Mal in Richtung der Feiernden geschossen habe. Anschliessend sei er zurück zum Parkplatz gegangen, wo er erneut schoss – diesmal mit einer Pistole auf ein wegfahrendes Fahrzeug.
Die Polizei klassifiziert die Tat als «Amok» und geht von einem Einzeltäter aus. «Stand heute gibt es keine Hinweise auf weitere tatbeteiligte Personen», so Leupold. Die Gefahr für die Bevölkerung sei gebannt.
Nach der Tat gingen rund 80 Notrufe ein. Weit über 100 Hinweise aus der Bevölkerung folgten. Allein in den ersten zwölf Stunden führte die Polizei über 130 Befragungen durch. Entscheidend war ein Hinweis auf ein Fahrzeug mit jurassischem Kontrollschild, das möglicherweise an der Tat beteiligt war.
Selbststellung in Delsberg
«Der Mann stellte sich schliesslich der Kantonspolizei Jura und gab an, die Tat begangen zu haben», schilderte Schildknecht. Der 43-Jährige sei mit seinen Waffen auf den Polizeiposten in Delsberg gefahren und habe sinngemäss gesagt: «Ich bin der Täter von Aarau.»
Im Fahrzeug wurden drei Schusswaffen sichergestellt: zwei Pistolen sowie ein Sturmgewehr vom Typ AK-74. Alle Waffen waren auf den Mann registriert. Leupold erläuterte, dass der Erwerb vor rund 20 Jahren durch die Behörden des Kantons Jura bewilligt worden sei.
Der Beschuldigte war früher als Truppenkoch bei der Armee tätig. 2013 schied er aus der Wehrpflicht aus und gab seine persönliche Dienstwaffe zurück. Polizeilich war er bisher nicht in Erscheinung getreten.
Keine extremistischen Hintergründe, mögliche psychische Störung
Durchsuchungen im Haus des Mannes ergaben laut Leupold keine Hinweise auf ideologische oder extremistische Motive. Staatsanwalt Christoph Rüedi verwies auf Anhaltspunkte für eine psychische Störung, betonte aber: «Zum psychischen Zustand des Beschuldigten haben wir keine gesicherten Erkenntnisse.»
Dem 43-Jährigen werden vorsätzliche Tötung (teilweise versucht), Mord (teilweise versucht), mehrfache Gefährdung des Lebens sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz zur Last gelegt.
Todesopfer und Verletzte
Das Todesopfer ist die 22-jährige Maria S. «Die verstorbene Person hatte einen Durchschuss erlitten», sagte Schildknecht. Dabei seien lebenswichtige Organe im Oberkörper getroffen worden.
Die Polizei sprach am Mittwoch erstmals von sechs Verletzten – zuvor war von fünf die Rede gewesen. Eine sechste Person hatte sich erst nachträglich gemeldet. Zwei der Verletzten befinden sich noch im Spital.
Source: Blick