Schütze von Aarau lebte isoliert in Jura-Dorf – Nachbarn von Waffen nichts gewusst

Der 43-jährige Schweizer, der bei einem Rave in Aarau eine Person tötete, lebte zurückgezogen in Montsevelier. Nachbarn zeigten sich über die Waffen schockiert.

Schütze von Aarau lebte isoliert in Jura-Dorf – Nachbarn von Waffen nichts gewusst

Montsevelier: Ruhiges Dorfleben, dann der Schock

Der mutmassliche Schütze von Aarau wohnte bis zu seiner Selbststellung bei der Polizei in Montsevelier, einem kleinen Dorf im Jura. Lediglich eine versiegelte Haustür mit einem Polizeihinweis deutete darauf hin, dass der 43-jährige Schweizer in der Erdgeschosswohnung gelebt hatte. Wie 20 Minuten berichtet, erfuhr seine Nachbarin Suzanne Lovis erst am Mittwochabend von der Tat – nachdem sie die versiegelte Tür gesehen hatte.

Lovis beschreibt den Verdächtigen als sehr zurückhaltend und ruhig. «Er hat vor allem für sich gelebt und war nicht wirklich ins Dorfleben integriert.» Der grosse Mann mit Rossschwanz sei im Ort kaum aufgefallen. Von Waffen wussten die Nachbarn nach eigenen Angaben nichts: «Das hat uns sehr überrascht.»

Am Montagmorgen, kurz nach der Tat in der Nacht auf Sonntag, wurde seine Wohnung durchsucht. Bei dem Anschlag hatte der Mann bei einem Rave in Aarau mit einer Kalaschnikow rund 40 Schüsse abgefeuert, eine Person getötet und sechs weitere verletzt. Die Kantonspolizei Aargau stuft den Vorfall als Amoktat ein.

Rückzug und Stille – mit einem Ausbruch

Auch Claude-Alain Chapatte, Gemeindepräsident von Val Terbi, bezeichnet den Mann gegenüber der Westschweizer Zeitung Le Matin als «zurückhaltend und kaum bekannt». Eine weitere Nachbarin berichtet, sein Auto habe tagsüber meist vor dem Haus gestanden, nachts jedoch nie. Lärm, Musik oder laute Gespräche seien nie zu hören gewesen.

Frühere Nachbarn aus der Zeit, als der 43-Jährige noch bei seinen Eltern in einem benachbarten Dorf wohnte, erinnern sich anders. Für sie sei die Nachricht aus Aarau ein Schock gewesen – obwohl sie den Verdächtigen gut kannten. «Schon seit mehreren Jahren war für uns klar, dass er verrückt ist», sagten sie gegenüber 20 Minuten. Als Beispiel nennen sie, dass er manchmal zehnmal hintereinander die Autotür zugeschlagen habe.

Die Eltern des Mannes, von Nachbarn als «sehr sympathisch» und im Ort engagiert beschrieben, wollten sich gegenüber 20 Minuten nicht äussern. Der Präsident des örtlichen Schützenvereins bestätigte, dass der 43-Jährige nie Mitglied gewesen sei.

Waffen seit 20 Jahren legal im Besitz

Die halbautomatische AK-74, mit der er in Aarau schoss, hatte der Mann laut Kantonspolizei Aargau vor rund 20 Jahren legal erworben. Zum Zeitpunkt der Tat soll er zudem zwei weitere Waffen im Auto mitgeführt haben – darunter eine Pistole, die er in Aarau ebenfalls abfeuerte.

Den Behörden war der Verdächtige vor der Tat nicht bekannt. Nach den Schüssen fuhr er am frühen Montagmorgen mit dem mutmasslichen Tatfahrzeug und den Waffen zum Polizeiposten in Delémont und stellte sich selbst.

Das Motiv bleibt weiterhin ungeklärt. Der Beschuldigte macht derzeit keine Aussagen. Weder eine örtliche Verbindung zu Aarau noch eine persönliche Beziehung zu den Opfern ist bislang erkennbar. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann zufällig auf die Party gestossen war.

Source: 20 Minuten

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