Sechs Mitglieder der «Jungen Tat» vor Bezirksgericht Zürich angeklagt

Sechs Rechtsextreme der Gruppierung «Junge Tat» stehen in Zürich vor Gericht. Den Anführern drohen je 15 Monate Freiheitsstrafe.

Prozess gegen «Junge Tat»: Anführer riskieren Freiheitsstrafen

Sechs Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung «Junge Tat» haben sich am Freitag vor dem Bezirksgericht Zürich zu verantworten. Wie Google News CH — Crime (de) berichtet, werfen ihnen die Behörden in unterschiedlicher Besetzung eine Reihe von Straftaten vor, darunter Diskriminierung, Nötigung, Landfriedensbruch und Hausfriedensbruch.

Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen die beiden Anführer Tobias Lingg (23) und Manuel Corchia (25), die regelmässig öffentlich für die Organisation auftreten. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl beantragt für beide je eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten — davon sechs Monate vollzogen, neun Monate auf Bewährung. Zusätzlich fordert die Anklage Geldstrafen und Bussen.

Störung eines Pride-Gottesdienstes und einer Kinderlesung

Zu den schwersten Vorwürfen zählt ein Vorfall in der Zürcher Kirche St. Peter und Paul vom Juni 2022. Laut Anklageschrift drangen die Beschuldigten während eines gut besuchten Pride-Gottesdienstes durch eine Seitentür ins Gebäude ein und stellten ein 2,4 Meter hohes Holzkreuz mit der Aufschrift «NOPRIDEMONTH» auf. Die Aktion störte die religiöse Feier, verhöhnte die Anwesenden und verursachte am Steinboden einen Schaden von knapp 9000 Franken. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung sowie als Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit.

Im Oktober 2022 verschafften sich drei Beteiligte Zugang zu einer «Queer Story Time» beim Tanzhaus Zürich — einer Kinderlesung mit rund 50 Anwesenden. Im Gebäude sollen sie heimlich Gespräche aufgezeichnet und versucht haben, ein Transparent auszurollen. Vor dem Eingang zündeten andere Gruppenmitglieder Pyrotechnik, skandierten Parolen und verteilten Flugblätter. Rauch und martialisches Auftreten versetzten die Anwesenden laut Anklageschrift derart in Angst, dass sie das Lokal vorübergehend nicht zu verlassen wagten.

Unbewilligte Aktionen auf Dächern und Bauwerken

Das Gericht befasst sich zudem mit mehreren unbewilligten Aktionen an öffentlichen Gebäuden. Im November 2022 bestiegen Mitglieder der Gruppe das Dach des SBB-Bahnhofs Basel, entrollten ein Transparent mit der Aufschrift «Kriminelle abschieben» und zündeten Rauchpetarden. Im April 2024 brachten sie beim Kesselhaus in Winterthur ein Transparent zum Thema Remigration an. Bereits im Mai 2022 hatten sie einen Baukran an der Zürcher Molkenstrasse bestiegen.

Gewalttätige Auseinandersetzungen am Hauptbahnhof

Den Anführern wird überdies vorgeworfen, sich im Februar 2022 am Hauptbahnhof Zürich an gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Demonstrationsgruppen beteiligt zu haben. Bei zwei gegensätzlichen Kundgebungen kam es laut Anklage zu physischen Angriffen mit Faustschlägen und Fusstritten. Die Staatsanwaltschaft sieht darin den Tatbestand des Landfriedensbruchs erfüllt.

Vier weitere Angeklagte

Die Rolle der übrigen vier Mitangeklagten bewertet die Justiz als weniger zentral; sie waren bei den einzelnen Aktionen in wechselnder Konstellation beteiligt. Unter ihnen sticht laut Gericht die einzige beschuldigte Frau der Gruppe hervor, die unter anderem beim Tanzhaus Zürich und in Winterthur mitgewirkt hatte. Gegen die weiteren Beteiligten ergingen zunächst separate Strafbefehle wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz. Weil sich vier von ihnen dagegen wehrten, werden ihre Fälle nun ebenfalls vor Gericht verhandelt.

Die «Junge Tat» gilt innert kurzer Zeit als bekannteste rechtsextreme Gruppierung der Schweiz.

Source: Google News CH — Crime (de)

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