US-Militär im Drogenkrieg: Bodeneinsätze und Luftangriffe in Ecuador

Das US-Militär führt laut n-tv.de gemeinsam mit ecuadorianischen Kräften Razzien gegen Drogenkartelle durch – trotz fraglicher Wirksamkeit.

US-Militär im Drogenkrieg: Bodeneinsätze und Luftangriffe in Ecuador

US-Armee aktiv am Boden: Gemeinsame Razzien mit Ecuador gegen Kokainschmuggel

Ecuadors Präsident Daniel Noboa veröffentlichte stolz Fotos auf sozialen Netzwerken: Blutüberströmte Leichen mutmaßlicher Kartellmitglieder neben einem von Einschusslöchern durchsiebten SUV. Unter den Getöteten befand sich nach Angaben Noboas ein „Logistik- und Finanzmanager internationaler Drogenhandelsnetzwerke". Der Einsatz war einer der ersten gemeinsamen Operationen ecuadorianischer und US-amerikanischer Streitkräfte. Wie n-tv.de berichtet, weitet das US-Militär seinen Drogenkrieg in Südamerika erheblich aus – und schlägt nun nicht mehr nur aus der Luft, sondern auch am Boden zu.

Bei einer Razzia in der vergangenen Woche waren laut ecuadorianischem Innenminister John Reimberg 50 Angehörige des US Southern Command sowie der US-Antidrogenbehörde DEA beteiligt. Zusammen mit Hunderten Einsatzkräften der Nationalpolizei griffen sie einen Ableger eines mexikanischen Kartells an.

Ecuador im Kreuzfeuer: Transit-Land mit einer der höchsten Mordraten Südamerikas

Ecuador liegt geografisch zwischen den beiden weltgrößten Kokainproduzenten Kolumbien und Peru. Das Land dient kriminellen Organisationen als Transit- und Umschlagplatz für Drogenlieferungen in die USA, nach Europa und nach Asien. Rivalisieren­de Banden kämpfen um Schmuggelrouten und Territorien, was inzwischen zu einer der höchsten Mordraten des Kontinents geführt hat.

Unter Präsident Noboa hat Ecuador eine zentrale Rolle im „Shield of the Americas" übernommen, dem Sicherheitsbündnis der Trump-Regierung. Dem Verbund gehören mehrere lateinamerikanische Staaten an, die überwiegend von rechten Regierungen geführt werden. Zuletzt trat Kolumbien nach dem Wahlsieg des rechten Hardliners Abelardo de la Espriella im August der Allianz bei.

„Kein Staat kann allein einen Feind besiegen, der keine Grenzen kennt", sagte Noboa vor der UN-Generalversammlung. Die Trump-Regierung bezeichnet Kartelle und andere kriminelle Gruppen als „Narcoterroristen" und hat inzwischen mehr als 20 Organisationen als ausländische terroristische Organisationen eingestuft. Trump spricht offen von einem „Krieg" gegen die Kartelle – ohne formale Kriegserklärung des Kongresses, wie Kritiker anmerken.

Luftangriffe auf Schmugglerboote: Mehr als 200 Tote, aber kein Nachweis

Im vergangenen Monat wurden mehrere ecuadorianische Fischerboote im Pazifik zerstört, die angeblich dem Drogenhandel dienten. Das US-Militär führt Angriffe auf mutmaßliche Schmugglerboote seit rund einem Jahr durch. Bei diesen rechtlich umstrittenen Attacken in internationalen Gewässern wurden US-Medienberichten zufolge inzwischen mehr als 200 Menschen getötet. Belege für Verbindungen der angegriffenen Boote zu Drogenkartellen legte Washington bislang nicht vor. Im März hatten die USA Ecuador bereits dabei unterstützt, angebliche Schmuggler an der Grenze zu Kolumbien zu bombardieren.

Wirkung bleibt aus: Kokainmengen und Straßenpreise unverändert

Die Welle militärischer Schläge hat bisher keine messbare Wirkung auf den Drogenschmuggel. Einem DEA-Bericht zufolge sind weder die Menge noch die Reinheit des in die USA geschmuggelten Kokains zurückgegangen. Auch der Schwarzmarktpreis habe sich nicht verändert, berichtete die „Washington Post" im Juli unter Berufung auf die DEA-Analyse. Ein Preisanstieg würde auf eine Verknappung des Angebots hindeuten.

Laut DEA führen die US-Angriffe lediglich zu einem strategischen Wandel bei den Kartellen: Statt auf kleinere Schnellboote auf offenem Wasser setzen sie nun auf größere Schiffe, die sich entlang der Küste bewegen und so dem Risiko von Angriffen in internationalen Gewässern entgehen.

„Operation Southern Spear": General Donovan jagt Kartelle im Dschungel und auf hoher See

Verantwortlich für die Führung des Antidrogenkampfs in Südamerika ist General Francis Donovan, Kommandeur des US Southern Command. Donovan war zuvor jahrelang im Nahen Osten im Einsatz; nun jagt er mit der „Operation Southern Spear" Drogenkartelle in Dschungel und auf dem Meer.

„Es ist eine unglaubliche Herausforderung", sagte Donovan dem „Wall Street Journal". „Wenn man die Flussnetze, ihre täglichen Durchflussmengen und Gezeitenunterschiede von bis zu 20 Fuß hinzunimmt, ergibt sich eine einzigartige Kombination aus geografischen und topografischen Problemen, mit der wir bisher einfach noch nicht konfrontiert waren."

Die ursprünglich als vorübergehend geplante Einheit wurde inzwischen zu einer dauerhaften Eingreiftruppe umgewandelt, die gemeinsame Einsätze koordiniert. „Diese Maßnahmen können Razzien, Festnahmen oder die Zerschlagung eines Unterschlupfs sein. Es könnte sich sogar um etwas so Routinemäßiges handeln wie den verstärkten Einsatz von Frachtscannern an Grenzkontrollstellen", erklärte Donovan. Das Ziel sei es, den Kartellen „umfassenden, systemischen Widerstand" entgegenzusetzen.

Reaper-Drohnen und Antiterror-Werkzeuge: Southern Command in neuem Auftrag

Instrumente und Waffensysteme aus dem Antiterrorkampf kommen im Drogenkrieg zunehmend zum Einsatz. US-Medienberichten zufolge sollen weitere Drohnen vom Typ MQ-9 Reaper in die Region verlegt werden. Sie können sowohl zur Aufklärung eingesetzt werden als auch – mit Raketen bestückt – Luftangriffe durchführen, ein aus dem Nahen Osten bekanntes Mittel.

Die wachsende operative Rolle markiert einen erheblichen Wandel für das Southern Command, das bislang meist nur mit begrenzten Kräften in der Region präsent war. Ob die Ausweitung des militärischen Engagements den Drogenfluss tatsächlich unterbinden kann, bleibt nach bisherigen Ergebnissen offen.

Source: Google News LU DE

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