Menschenhandel und Geldwäsche: Andrew Tate in Rumänien angeklagt
Ein rumänisches Gericht hat Andrew Tate wegen Menschenhandels, Geldwäsche und Sex mit einer Minderjährigen angeklagt. Die Brüder bestreiten alle Vorwürfe.
Tate-Brüder in Rumänien vor Gericht gestellt
Ein rumänisches Gericht hat Andrew und Tristan Tate wegen Menschenhandels, Geldwäsche und weiterer schwerer Vergehen angeklagt, wie SRF berichtet. Zu den Vorwürfen gegen Andrew Tate zählen Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen sowie Zeugenbeeinflussung.
Laut der rumänischen Strafverfolgungsbehörde war eines seiner Opfer 15 Jahre alt, als er die Frau 2012 in Grossbritannien verführte. Anschliessend brachte er sie nach Bukarest und zwang sie, pornografische Inhalte für Social-Media-Seiten zu produzieren. Bruder Tristan soll dabei als Mittäter gehandelt und körperliche Gewalt eingesetzt haben, um das Opfer zu nötigen.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Brüdern vor, ihre Opfer durch vorgetäuschte Liebes- oder Heiratsabsichten rekrutiert zu haben, um sie anschliessend zur Produktion von pornografischen Inhalten für ein Webcam-Geschäft zu zwingen. Den Ermittlern zufolge behielten die Brüder 1,25 Millionen Dollar der durch das Opfer erzielten Video-Chat-Einnahmen ein — rund 80 Prozent der gesamten Erlöse. Dieses Geld sollen sie durch den Kauf von vier Luxusautos gewaschen haben.
Die Tate-Brüder, ehemalige Kickboxer mit doppelter US-amerikanischer und britischer Staatsbürgerschaft, wurden Ende Juli in Miami festgenommen, nachdem Grossbritannien ihre Auslieferung beantragt hatte. Seit 2017 leben sie hauptsächlich in Rumänien und stehen dort seit Dezember 2022 unter strafrechtlicher Ermittlung.
Beide befinden sich derzeit in den USA in Haft. Ein Richter entscheidet gegenwärtig über den britischen Auslieferungsantrag — in Grossbritannien werden die Brüder wegen Vergewaltigung gesucht. Ob die rumänischen Behörden ihrerseits eine Auslieferung aus den Vereinigten Staaten beantragen werden, sei laut dem Sprecher der Strafverfolgungsbehörde noch nicht absehbar.
In Rumänien kann der Prozess in Abwesenheit der Angeklagten geführt werden, beginnt jedoch nicht unmittelbar. Nach rumänischem Recht wird die Anklageschrift zunächst an eine Vorverfahrenskammer weitergeleitet, wo ein Richter die Rechtmässigkeit der Akten prüft.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Tates in Rumänien angeklagt werden: Bereits im Juni 2023 war gegen sie Anklage wegen Menschenhandels erhoben worden. Ende 2024 wies das Bukarester Berufungsgericht den Fall jedoch an die Staatsanwaltschaft zurück, nachdem es einige Beweise für unzulässig befunden hatte.
Die Brüder weisen alle Vorwürfe zurück. «Wir werden jeden Aspekt der Anklageschrift mit derselben Sorgfalt prüfen und alle Beweis-, Verfahrens- oder Rechtsmängel anfechten», erklärte ein rumänischer Anwalt der Tates. «Unsere Mandanten weisen die gegen sie erhobenen Vorwürfe weiterhin zurück.»
Andrew Tate, der sich selbst als frauenfeindlich bezeichnet, hatte zuvor öffentlich erklärt, er sei nach Rumänien gezogen, weil die Strafverfolgung dort lockerer sei.
Source: SRF