Mistrial im Fall Lindsay Clancy: Geschworene einigen sich nicht auf Schuldfähigkeit

Ein US-Gericht hat den Prozess gegen Lindsay Clancy für gescheitert erklärt. Die 36-Jährige hatte gestanden, ihre drei Kinder erdrosselt zu haben.

Prozess gegen mutmaßliche Kindsmörderin in Massachusetts gescheitert

Der aufsehenerregende Prozess gegen Lindsay Clancy ist in den USA geplatzt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, stellte Richter Sullivan am Freitag in Plymouth, Massachusetts, fest, dass sich die zwölf Geschworenen nach siebentägigen Beratungen nicht auf ein einheitliches Urteil zur Schuldfähigkeit der 36-Jährigen einigen konnten. „Keine andere Wahl" habe er gehabt, als das Scheitern des Verfahrens festzustellen, erklärte der Richter.

Clancy hatte gestanden, ihre drei Kinder – den acht Monate alten Callan, den dreijährigen Dawson und die fünfjährige Cora – im Januar 2023 in Duxbury südöstlich von Boston erdrosselt zu haben. Danach sprang sie aus einem Fenster im zweiten Stock ihres Hauses. Seitdem ist sie querschnittgelähmt und wurde im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren.

Trotz ihres Geständnisses plädierte die frühere Geburts- und Entbindungsschwester auf nicht schuldig. Eine Stimme habe ihr befohlen, die Kinder zu töten, sagte sie vor Gericht. Die Verteidigung berief sich auf eine sogenannte Wochenbettpsychose, die Clancy schuldunfähig gemacht haben soll. Die Staatsanwaltschaft hingegen warf ihr kaltblütigen Mord vor und forderte eine lebenslange Haftstrafe.

In letzter Minute scheiterte auch ein Antrag der Verteidigung beim Berufungsgericht, einen der Geschworenen auszutauschen. Dieser eine Juror hatte den elf anderen auch nach tagelangen Beratungen nicht zugestimmt. Die überwiegende Mehrheit der Geschworenen war offenbar bereit gewesen, Clancy für schuldunfähig zu erklären.

In fast zwei Monaten hatte das Gericht mehr als 80 Zeuginnen und Zeugen gehört, darunter Psychiater, Angehörige und der Ex-Mann und Vater der drei Kinder. Eine ärztliche Diagnose einer postpartalen Psychose lag dem Gericht jedoch nicht vor. Bei einer solchen Erkrankung können Mütter noch Wochen oder Monate nach der Geburt unter Wahnvorstellungen oder Halluzinationen leiden. Nach Angaben von Unterstützerorganisationen tritt sie bei ein bis zwei von tausend Entbindungen auf.

Clancy bleibt vorerst in psychiatrischer Behandlung. Bezirks-Staatsanwalt Tim Cruz ließ offen, ob er ein neues Verfahren beantragen wird – eine Entscheidung werde er „in Kürze treffen", sagte er. US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Fall als „schreckliche Tragödie" und äußerte die Erwartung, dass ein weiterer Prozess folgen werde.

Der live übertragene Fall hatte in den USA eine breite gesellschaftliche Debatte über die psychische Gesundheit von Müttern ausgelöst. Vor dem Gericht in Plymouth demonstrierten in den vergangenen Wochen dutzende Frauen und bekkundeten Solidarität mit der Angeklagten. Viele Anhänger von Präsident Trump forderten in sozialen Netzwerken dagegen eine möglichst harte Strafe zum Schutz des Lebensrechts von Kindern.

Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung