Brandanschlag auf Münchner Rüstungsstandort: Zwei Bulgaren in U-Haft
Nach einem Brandanschlag nahe Rüstungsfirmen in München sitzen zwei bulgarische Staatsbürger in Untersuchungshaft. Ermittler gehen von einem politischen Motiv aus.
Zwei Tatverdächtige nach Brandanschlag bei Münchner Rüstungsfirmen festgenommen
Eine 28-jährige Bulgarin und ihr zehn Jahre älterer Landsmann befinden sich nach einem Brandanschlag auf eine Baustelle in München in Untersuchungshaft. Wie Tagesschau berichtet, erließ ein Ermittlungsrichter die Haftbefehle auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft München und des bayerischen Landeskriminalamts. Den Verdächtigen werden Sachbeschädigung und versuchte Brandstiftung zur Last gelegt.
Die Tat ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag. Den Ermittlungen zufolge warfen die beiden Beschuldigten aus einem fahrenden Auto Brandsätze auf die Baustelle. Einer der Brandsätze löste ein Feuer aus, das Polizisten löschten; ein zweiter Brandsatz wurde entschärft. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden blieb gering. Ein Zeuge beobachtete die mutmaßlichen Täter, woraufhin die Polizei die zwei Personen kurz darauf an einer Tankstelle festnahm. Weitere Verdächtige gebe es bislang nicht, erklärte ein Sprecher des Landeskriminalamts.
Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten Beamte drei Wohnungen im Landkreis München und stellten zahlreiche Gegenstände sicher, die nun ausgewertet werden.
Nähe zu Helsing und Rohde & Schwarz
Die betroffene Baustelle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Firmenzentralen des Sicherheitstechnikherstellers Rohde & Schwarz und des Drohnenherstellers Helsing. Helsing beliefert nach öffentlich bekannten Informationen die ukrainischen Streitkräfte im Krieg gegen Russland mit KI-gesteuerten Kampfdrohnen. Ob die Unternehmen das eigentliche Ziel des Anschlags waren, ist bislang nicht geklärt.
Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios könnte ein russischer Geheimdienst hinter dem Anschlag stehen. Die Münchner Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen; bei der Behörde ist die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus angesiedelt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geht ebenfalls von einem politischen Hintergrund aus.
Rüstungsstandort Bayern im Visier
Bayern gilt als eines der Zentren der deutschen Rüstungsindustrie. Nach Zahlen des bayerischen Wirtschaftsministeriums entfiel zuletzt ein Drittel der bundesweiten Umsätze in diesem Bereich auf im Freistaat ansässige Firmen; die Branche beschäftigt dort 45.000 Menschen. Umsätze und Beschäftigung wachsen, weil die europäischen NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöht haben.
Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden ist die Gefährdung der deutschen Rüstungsindustrie im Zuge des Ukraine-Kriegs gestiegen. Der Anschlag reiht sich in eine Serie von Sabotageakten gegen Unternehmen und Einrichtungen in ganz Deutschland ein. Die Bundesregierung berät deshalb gemeinsam mit den Ländern über neue Befugnisse für die Drohnenabwehr sowie weitere Schutzmaßnahmen, wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums mitteilte.
Source: Tagesschau