Brandanschlag in München: Zwei Bulgaren in U-Haft, Geheimdienst-Verdacht
Nach einem Brandanschlag auf eine Baustelle nahe Münchner Rüstungsfirmen sitzen zwei bulgarische Staatsbürger in Untersuchungshaft. Ermittler prüfen einen möglichen geheimdienstlichen Hintergrund.
Brandanschlag nahe Rüstungsfirmen: Zwei Bulgaren in Untersuchungshaft
Nach einem Brandanschlag auf eine Baustelle im Großraum München befinden sich zwei bulgarische Staatsbürger in Untersuchungshaft. Wie DER SPIEGEL (Justiz & Kriminalität) berichtet, handelt es sich um die 28-jährige Gabriela M. und den 38-jährigen Dimitar T., beide wohnhaft im bayerischen Unterhaching. Ein Ermittlungsrichter erließ Haftbefehle gegen die Verdächtigen.
Die Generalstaatsanwaltschaft München und das Bayerische Landeskriminalamt teilten mit, den beiden werde Sachbeschädigung und versuchte Brandstiftung vorgeworfen. Sie sollen in der Nacht zum Donnerstag aus einem fahrenden Auto heraus Brandsätze auf das Gelände geworfen haben. Einer der Sätze entfachte ein Feuer, das Polizisten löschten; ein zweiter wurde entschärft. Verletzt wurde niemand, der entstandene Sachschaden blieb gering.
Ein Zeuge beobachtete die mutmaßlichen Täter während der Tat. Die Polizei nahm die beiden Verdächtigen kurz darauf an einer Tankstelle fest. Weitere Tatverdächtige gibt es nach Angaben eines Sprechers des Landeskriminalamts bislang nicht. Im Zuge der Ermittlungen wurden drei Wohnungen im Landkreis München durchsucht und zahlreiche Gegenstände sichergestellt, die nun ausgewertet werden.
Die Baustelle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Firmenzentralen des Sicherheitstechnikherstellers Rohde & Schwarz und des Drohnenherstellers Helsing. Ob die Unternehmen das eigentliche Ziel des Anschlags waren, ist nach Ermittlerangaben noch ungeklärt. Helsing ist öffentlich bekannt dafür, die ukrainischen Streitkräfte im Krieg gegen Russland zu beliefern und produziert unter anderem KI-gesteuerte Kampfdrohnen. Rohde & Schwarz ist zwar kein klassisches Rüstungsunternehmen, unterhält jedoch eine militärische Sparte.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und die Ermittler gehen von einem politischen Hintergrund der Tat aus. Die Münchner Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen deshalb übernommen — bei der Behörde ist die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus angesiedelt.
Laut SPIEGEL-Informationen prüfen die Sicherheitsbehörden derzeit, ob es sich bei den Verhafteten um sogenannte Low-Level-Agenten im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes handeln könnte. Den Behörden waren beide bislang weder im Zusammenhang mit Spionage noch mit politischen Delikten bekannt. Eine Stellungnahme der Verteidigung war zunächst nicht zu erhalten.
Dem Anschlag waren nach SPIEGEL-Recherchen bereits konkrete Warnhinweise vorausgegangen. Die Sicherheitsbehörden hatten kurz zuvor mehrere in Bayern ansässige Rüstungsunternehmen zu einem vertraulichen Briefing geladen und zur erhöhten Wachsamkeit aufgerufen. Dabei waren unter anderem Rohde & Schwarz und Helsing vertreten. Hintergrund war die Festnahme eines Ukrainers Anfang August in Thüringen, dem vorgeworfen wird, mehrere bayerische Rüstungsunternehmen ausgespäht und entsprechende Aufnahmen an einen Verbindungsmann bei einem russischen Geheimdienst weitergeleitet zu haben. Die Behörden befürchteten, seine Informationen könnten trotz seiner Inhaftierung für weitere Anschläge genutzt werden.
Bayern und der Großraum München gelten als Zentren der deutschen Rüstungsindustrie. Nach Zahlen des bayerischen Wirtschaftsministeriums aus dem vergangenen Jahr entfiel ein Drittel der bundesweiten Branchenumsätze auf in Bayern ansässige Unternehmen, die insgesamt 45.000 Beschäftigte zählen. Umsätze und Mitarbeiterzahlen wachsen, da die europäischen NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöht haben.
Der Anschlag reiht sich nach Einschätzung der Ermittler in eine Serie von Sabotageakten gegen Unternehmen und Einrichtungen in ganz Deutschland ein. Die Bundesregierung berät nach Angaben einer Sprecherin des Bundesinnenministeriums nun gemeinsam mit den Ländern über neue Befugnisse zur Drohnenabwehr sowie weitere Schutzmaßnahmen.