Hackergruppe Rhysida erpresst Berlin: 1,44 Mio. Dateien im Darknet
Die Hackergruppe Rhysida droht, 5,7 Terabyte gestohlener Berliner Verwaltungsdaten zu veröffentlichen – Lösegeld von 2 Mio. Euro wurde nicht gezahlt.
Berliner Datengau: Rhysida setzt Ultimatum – Senat verweigert Zahlung
Um 15.35 Uhr lief das Ultimatum ab: Die Hackergruppe Rhysida forderte 30 Bitcoin im Wert von rund 2 Millionen Euro auf ein anonymes Konto – andernfalls werde sie 5,7 Terabyte gestohlene Daten aus der Berliner Senatsverwaltung im Darknet veröffentlichen. Das berichtet BILD, dem Einsicht in die Darknet-Seite der Gruppe gelang.
Der Senat ist auf die Forderung nicht eingegangen. Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) hatte zuvor erklärt, Berlin lasse sich nicht erpressen.
Daten aus vier Berliner Behörden gestohlen
Laut Senatsverwaltung wurden die Daten zwischen dem 7. und 12. August entwendet. Betroffen sind Netzwerke der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie für Stadtentwicklung. Gestohlene Datensätze betreffen Bürger, Unternehmen und Sicherheitsbehörden.
Im Darknet präsentiert Rhysida die erbeuteten Inhalte nach eigenen Angaben katalogähnlich zur Versteigerung. Die Gruppe behauptet, im Besitz von 1,44 Millionen Dateien zu sein – darunter 46.522 Verträge, 5.941 Passwörter, 16.389 E-Mail-Adressen und 5.000 Personalakten.
Verfassungsschutz-Unterlagen und LKA-Ermittlungen sollen dabei sein
Besonders heikel: Rhysida behauptet außerdem, Krisenanalysen zur kritischen Infrastruktur, Unterlagen des Verfassungsschutzes, Pass- und Ausweisdaten sowie interne Ermittlungsakten des Landeskriminalamtes und des Staatsschutzes zu besitzen.
Für den Fall ausbleibender Zahlung kommentieren die Hacker auf ihrer Seite zynisch: „Viel Spaß damit, Datenjäger." Die Daten sollen dann für jedermann zum Download bereitgestellt werden.
Senat: Kein Hinweis auf weiter aktive Infiltration
Ein Sprecher der Senatskanzlei teilte BILD mit: „Es liegen derzeit keine Erkenntnisse vor, dass das Landesnetz noch infiltriert ist. Die forensischen Untersuchungen dauern aber an. Gegenstand der Untersuchungen ist auch, ob möglicherweise weitere Daten abgeflossen sind." Senatssprecherin Christine Richter erklärte, die Behörden würden auf die weiteren Entwicklungen reagieren.
Gruppe mit mutmaßlichen Russland-Verbindungen
Laut Experten soll Rhysida Verbindungen nach Russland haben. Der Name der Gruppe lehnt sich an einen giftigen Tausendfüßler aus Südamerika an – eine bewusst gewählte Metapher für Schadsoftware, die unbemerkt durch IT-Systeme läuft.
Rhysida beschränkt sich nicht auf Großstädte: Im Darknet dokumentiert die Gruppe nach BILD-Angaben auch Angriffe auf amerikanische Handwerksbetriebe, Kleinstadtverwaltungen und Medizinunternehmen. In mehreren Fällen soll Lösegeld gezahlt worden sein – betroffene Firmen werden auf der Seite mit dem Vermerk „Sold" gekennzeichnet. Insgesamt laufen derzeit vier Auktionen, 263 Firmen und Verwaltungen sollen gehackt worden sein.
Source: BILD