Kinderarzt aus Havelland gesteht Missbrauch in 130 Fällen – Prozess in Potsdam

Vor dem Landgericht Potsdam hat der Prozess gegen einen 46-jährigen Kinderarzt begonnen, dem sexueller Missbrauch an über 70 Kindern vorgeworfen wird.

Kinderarzt aus Havelland gesteht Missbrauch in 130 Fällen – Prozess in Potsdam

Prozessauftakt in Potsdam: Kinderarzt räumt fast alle Vorwürfe ein

Vor dem Landgericht Potsdam hat am Montag der Strafprozess gegen einen 46-jährigen Kinderarzt der Havelland Kliniken begonnen. Wie rbb24.de berichtet, wird dem Angeklagten sexueller Missbrauch von mehr als 70 Kindern und Jugendlichen in insgesamt 130 Fällen vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft verlas zum Verhandlungsauftakt knapp drei Stunden lang die Anklageschrift. Anschließend ergriff der Beschuldigte selbst kurz das Wort: Er habe zu fast allen Vorwürfen Geständnisse abgelegt und bleibe dabei, erklärte er. Es sei ihm bewusst, dass er große Schuld auf sich geladen habe. Er wünsche sich, dass seine Opfer das Geschehene eines Tages hinter sich lassen könnten – und wolle ihnen daher eine Aussage als Zeugen ersparen. Die Verteidigung kündigte an, er werde sich im weiteren Verlauf des Verfahrens noch detaillierter äußern.

Tatorte: Kliniken, Kitas und Privatwohnung

Den Vorwürfen zufolge beging der Arzt den Großteil der Taten im Rahmen seiner Tätigkeit an den Klinikstandorten in Rathenow und Nauen im Havelland. Meist soll er seine überwiegend männlichen Opfer in Patientenzimmern aufgesucht und sie – auch unter dem Vorwand medizinischer Untersuchungen – missbraucht haben. Er soll dabei Fotos und Videos angefertigt haben.

In mindestens vier Fällen nutzte er laut Anklage Besuche in Kindertagesstätten in Brandenburg aus, die er im Auftrag des Gesundheitsamts für medizinische Untersuchungen durchführte. Auch dort soll er Kleinkinder missbraucht und Bild- sowie Videomaterial erstellt haben.

Im Jahr 2023 soll er darüber hinaus mehrfach einen ehemaligen Patienten in einer Bereitschaftswohnung der Klinik in Nauen getroffen haben. Bei diesen Treffen kam es den Vorwürfen zufolge zu sexuellen Handlungen mit dem damals 15- beziehungsweise später 16-Jährigen. Schwere sexuelle Straftaten an Minderjährigen sollen sich auch in der Privatwohnung des Angeklagten ereignet haben.

Tatzeitraum von zwölf Jahren

Der Anklage zufolge erstrecken sich die mutmaßlichen Taten von Anfang Dezember 2013 bis November 2025 – ein Zeitraum von fast zwölf Jahren. Die Opfer waren demnach zwischen zwei und 20 Jahre alt. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen, nachdem eine Mutter im vergangenen November Anzeige erstattet hatte. Nach der Auswertung sichergestellter Datenträger wuchs die Dimension des Falls erheblich. Der Arzt wurde festgenommen und kam wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Klinik überarbeitet Kinderschutzmechanismen

Im Prozess treten 15 Betroffene oder deren Erziehungsberechtigte als Nebenkläger auf. Insgesamt sind 18 Verhandlungstage angesetzt; ein Urteil wird Mitte Dezember erwartet.

Die Havelland Kliniken GmbH bezeichnete den Prozessbeginn als „wichtigen Schritt hin zu einer umfassenden und rechtsstaatlichen Aufklärung". Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe das Unternehmen seine Kinderschutzmechanismen überarbeitet. „So gilt heute bei Untersuchungen und pflegerischen Maßnahmen in sensiblen Situationen grundsätzlich das Vier-Augen-Prinzip", teilte die Klinikgruppe mit. Zudem sei eine unabhängige Kinderschutzbeauftragte benannt worden.

Source: Google News LU DE

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