Offenburg: 36-Jährige von Ex-Partner erschossen, Polizei berief sich auf Gespräche
Eine 36-Jährige wurde in Offenburg von ihrem Ex-Partner erschossen. Die Frau hatte die Polizei dreimal vor ihm angezeigt; die Polizei sagt, sie habe Verhaltenshinweise gegeben.

Tödliche Schüsse nach wiederholten Anzeigen
Ein 33-Jähriger hat am Montag in einem Offenburger Wohngebiet eine 36-Jährige erschossen und sich danach selbst getötet, berichtet swr.de. Die beiden kannten sich aus einer Geflüchtetenunterkunft in Schutterwald. Die Polizei ermittelt zu den genauen Umständen; die Obduktion läuft.
Der Mann soll illegal Waffen besessen haben. Bereits vor einem Jahr wies eine Unbekannte die Polizei darauf hin, dass der Tatverdächtige möglicherweise gegen das Waffengesetz verstieß. Im März 2026 ging eine weitere Anzeige wegen Stalking ein — von einer anderen Frau.
Die getötete Frau hatte seit Anfang 2025 dreimal Anzeige gegen ihren Ex erstattet. Die Vorwürfe lauteten auf Nachstellungen, Beleidigung, Bedrohung und Verleumdung. In mehreren Fällen reichte der 33-Jährige Gegenanzeigen ein. Nach Angaben der Polizei Offenburg führten Beamte in allen Fällen unmittelbar Gefährderansprachen mit ihm durch und legten die Vorfälle der Staatsanwaltschaft vor.
Mit der späteren Opfer seien mehrere intensive Gespräche geführt worden. Die Polizei gab ihr Verhaltenshinweise und regte an, ein Annäherungsverbot nach dem Gewaltschutzgesetz zu beantragen. Nach Kenntnis der Polizei stellte die Frau diesen Antrag nicht. Beamte hätten ihr eindeutig mitgeteilt, sich unverzüglich an die Polizei zu wenden, sollte sich der 33-Jährige ihr nähern.
Der Lebensgefährte der Toten wirft der Polizei vor, die Frau nicht genügend geschützt zu haben. Das Amtsgericht Offenburg teilte mit, dass dort kein Gewaltschutzverfahren anhängig gewesen sei.
Ob es sich um einen sogenannten Femizid handelt — eine Tötung aufgrund des Geschlechts des Opfers — wird diskutiert. In Deutschland ist Femizid kein eigenständiger Straftatbestand; die Polizei Offenburg nutzt den Begriff offiziell nicht. In der Politik wird debattiert, Femizide ins Strafrecht aufzunehmen, um die besondere Schwere solcher Taten anzuerkennen.
Der Polizei zufolge war der Tatverdächtige in der Unterkunft in körperliche Auseinandersetzungen verwickelt. Nach der Tat entstand ein Ort des stillen Gedenkens im Wohngebiet. Mitarbeitende der städtischen Gemeinwesenarbeit und Jugendarbeit sind vor Ort und vermitteln Kontakte zu Ansprechpersonen.
Nach Angaben der Stadt Offenburg war die verstorbene Frau stark in der Gemeinde engagiert — tätig in verschiedenen Gruppen und Organisationen. Sie hinterlässt einen Sohn. Eine privat initiierte Spendenaktion für die Familie sammelte bislang etwa 15.000 Euro. Am Mittwochabend findet eine Gedenkveranstaltung in Freiburg statt, zu der die Initiative "Netzwerk gegen Femizide Freiburg" aufgerufen hat.
Seit Mittwoch ist in Baden-Württemberg der Einsatz der "elektronischen Aufenthaltsüberwachung" zum Schutz vor Partnerschaftsgewalt möglich — Täter können damit per Fußfessel überwacht werden.
Source: Google News DE — Crime (de)