Rücktritt nach Stade-Bluttat: Migrationsbeauftragter Kurku legt Amt nieder

Nach dem Sechsfachmord in Stade tritt Niedersachsens Migrationsbeauftragter Deniz Kurku zurück – seine Schwiegermutter fuhr den Fluchtwagen.

Niedersachsens Integrationsbeauftragter zieht Konsequenzen aus Stade-Bluttat

Der niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku (44, SPD), will sein Amt niederlegen. Das berichtet BILD unter Berufung auf Informationen des „Spiegel". Kurku begründet den Schritt damit, die Aufgaben als Migrationsbeauftragter „unter den gegebenen Bedingungen nicht mehr in dem erforderlichen Maße ausüben" zu können. Das Amt übt er ehrenamtlich aus.

Auslöser für den Rückzug ist die Bluttat von Stade vom 29. Juni: Der ausreisepflichtige Türke Fatih G. (†45) erschoss in einer Jugendhilfeeinrichtung sechs Menschen. Sein mutmaßliches Motiv war Rache – ihm war zuvor das Sorgerecht für seine Tochter entzogen worden, weil er das Baby durch Schütteln schwer verletzt haben soll.

Die Verbindung zu Kurku entstand durch eine familiäre Zufälligkeit: Ausgerechnet seine Schwiegermutter Sylvia S. (65) fuhr den Fluchtwagen des Täters. Die Polizei stoppte den Mercedes-AMG durch Schüsse auf die Reifen. Fatih G. wurde in Untersuchungshaft genommen und erhängte sich dort am 21. Juli mit einem Stück Bettlaken. Sylvia S. blieb hingegen auf freiem Fuß – mangels dringenden Tatverdachts, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Gegen sie sowie die Mutter des Kindes wird weiterhin ermittelt. Sylvia S. hatte Fatih G. zu dem Termin in der Einrichtung begleitet und sich vor der Tat für dessen Familie eingesetzt.

Zur Sitzung des Innenausschusses im Landtag am Donnerstag, bei der der Sechsfachmord in Stade Thema war, erschien Kurku nicht.

Laut „Spiegel" hatten rechte Medienportale dem Landesbeauftragten unterstellt, persönlich in den Fall verwickelt zu sein. Belege dafür, dass Kurku vorab von der Tat wusste oder Fatih G. kannte, wurden demnach nicht vorgelegt.

Ministerpräsident Olaf Lies (59, SPD) dankte Kurku in einer Erklärung für seinen Einsatz. Der Landesbeauftragte habe sich mit „großem Engagement und viel Herzblut" für Teilhabe und Miteinander in Niedersachsen eingesetzt, auch für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. Sein Rückzug verdiene „Anerkennung und Respekt", so Lies.

Gleichzeitig verurteilte der Ministerpräsident laut „Spiegel" den Umgang mit Kurku in scharfen Worten: „Die herabwürdigenden Kommentare, die Verbreitung von Verschwörungsspekulationen, die Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen gegen Deniz Kurku sind völlig inakzeptabel und werden von mir in aller Schärfe verurteilt."

Source: BILD

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