Sabotage an Umspannwerk in Brandenburg: Sprengvorrichtungen nahe Jänschwalde gefunden

An einem Umspannwerk in Turnow-Preilack wurden selbstgebaute Sprengvorrichtungen entdeckt. Innenminister Redmann spricht von einem Sabotageakt.

Sabotageakt auf Brandenburger Energieinfrastruktur

Google News LU DE berichtet, dass an einem Umspannwerk in Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße, unweit des Kohlekraftwerks Jänschwalde, mehrere unkonventionelle Brand- und Sprengvorrichtungen entdeckt worden sind. Die Polizei stellte den Vorfall am Dienstag gegen 8.00 Uhr fest, als eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung gemeldet wurde.

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) bezeichnete den Vorfall am Nachmittag als „Sabotageakt". „Das Ziel war, leitfähiges Material in die Hochspannungsleitungen einzubringen, um einen Kurzschluss zu provozieren und so einen Versorgungsausfall herbeizuführen", erklärte Redmann. In zwei Fällen sei dies gelungen, in weiteren Fällen jedoch nicht. Auf dem Gelände wurde eine zweistellige Anzahl an Vorrichtungen sichergestellt. „Der Vorfall ist vergleichsweise glimpflich verlaufen, im Vergleich zu dem, was hätte passieren können", so der Minister.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verurteilte den „Anschlagsversuch" und verwies auf eine besorgniserregende Häufung ähnlicher Vorfälle. „Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen", erklärte Woidke. Die Einsatzkräfte sowie die Beschäftigten von Umspannwerk und Kraftwerk hätten durch rasches Handeln Schlimmeres verhindert.

Eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums in Potsdam bestätigte, dass es mindestens eine Detonation gegeben habe. Nicht alle entdeckten Vorrichtungen seien explodiert. Entschärfer seien vor Ort gewesen, Spuren würden gesichert. Für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden. Das Landeskriminalamt Brandenburg (LKA) hat die Ermittlungen übernommen.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz teilte mit, dass „bislang unbekannte Täter" am Dienstagmorgen „vermeintlich Sachbeschädigungen an mehreren Leitungen im Übertragungsnetz" begangen hätten. Es habe eine „kurzzeitige Leitungsunterbrechung" gegeben, mittlerweile seien jedoch alle Leitungen wieder in Betrieb. Die allgemeine Stromversorgung sei derzeit nicht beeinträchtigt. 50Hertz arbeite „eng mit den zuständigen Sicherheitsbehörden zusammen".

Laut einer späteren Mitteilung von 50Hertz handelte es sich bei den Tatmitteln um „selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln". Vor Ort seien weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden worden. Die Märkische Allgemeine hatte zunächst von „mit Sprengstoff bestückten Raketen" berichtet — das LKA widersprach dieser Formulierung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ausdrücklich: „Wir reden hier nicht von Raketen."

Das Energieunternehmen Leag, das das Kraftwerk Jänschwalde betreibt, bestätigte einen Anschlag auf das Umspannwerk, „über welches der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingespeist wird". Infolge des Vorfalls sei es zu einem technischen Ausfall von Block B des Kraftwerks gekommen. Nach Informationen von WELT schaltete sich der Block durch eine automatische Sicherheitsmaßnahme ab; er ist bislang nicht wieder in Betrieb. Das mutmaßliche Ziel des Anschlags sei ein großflächiger Stromausfall am Block E des Kraftwerks gewesen.

Das Umspannwerk Preilack dient der überregionalen und regionalen Verteilung des in Jänschwalde erzeugten Stroms. Das Kraftwerk selbst wurde nach Angaben der Leag zwischen 1976 und 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet. Ob durch den Vorfall ein konkreter Sachschaden entstanden ist, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen des LKA.

Source: Google News LU DE

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