Sabotage an Umspannwerken in NRW: Bekennerschreiben und Fahndung nach Mann aus Gevelsberg
Nach dem Fund eines verdächtigen Gegenstands in Dormagen geht die Polizei von Sabotage aus. Ein Bekennerschreiben nennt weitere mögliche Tatorte.
Bekennerschreiben nach Fund an Umspannwerk in Dormagen
Nach dem Auffinden eines verdächtigen Gegenstands an einem Umspannwerk in Dormagen – gelegen zwischen Köln und Düsseldorf – geht die Polizei von einem Sabotagedelikt aus. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Sprecher der Polizei Köln, der sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur äußerte. Es handelt sich um den dritten ähnlichen Vorfall innerhalb weniger Tage in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Bundesländern.
Den Ermittlern liegt ein Bekennerschreiben vor. Darin werden bereits öffentlich bekannte Verdachtsfälle in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg erwähnt. Als weiterer möglicher Tatort wird ein Umspannwerk in Weisweiler bei Aachen genannt, das die Polizei nun auf „verdächtige Abschussvorrichtungen" prüft.
Als mutmaßlicher Verfasser des Schreibens gilt ein Mann aus Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis. Nach ihm wird derzeit intensiv gefahndet. „Ob es sich bei ihm tatsächlich um einen Tatverdächtigen handelt oder um einen Trittbrettfahrer, muss erst mal geprüft werden", betonte der Polizeisprecher. Mehrere Medien, darunter der WDR, berichteten, dass in dem Schreiben der Kampf gegen fossile Energieträger als Motiv genannt werde. Die Polizei machte dazu keine Angaben.
Der verdächtige Gegenstand in Dormagen war am Donnerstagabend von einem Spaziergänger entdeckt worden. Die Untersuchungen dazu waren in der Nacht noch nicht abgeschlossen. Möglicherweise handelt es sich um eine „verdächtige Abschussvorrichtung", so der Sprecher. Beamte überprüften weitere Umspannwerke in umliegenden Regionen auf ähnliche Objekte.
Vorherige Vorfälle in Bergheim und Jänschwalde
In Niedersachsen untersuchten Einsatzkräfte zudem das Gelände an einem Umspannwerk in Ganderkesee im Landkreis Oldenburg. Eine Sprecherin bestätigte, dass weitere Kräfte angefordert wurden. Details zu möglichen Funden nannte sie nicht.
Mit Ausnahme des Umspannwerks in Bergheim westlich von Köln wurden bislang keine Schäden festgestellt. Dort waren am Dienstag Kabel über die Oberleitung verbracht worden, was zu einem Kurzschluss führte. Im Nachhinein wurden mehrere Abschussvorrichtungen entdeckt. Ein mutmaßlicher Anschlag auf das dortige Umspannwerk hatte Braunkohlekraftwerke in der Nähe von Köln lahmgelegt. Der nordrhein-westfälische Innenminister sprach von einem Angriff auf Deutschland.
Wenige Stunden zuvor hatte es einen ähnlichen Vorfall in Südbrandenburg gegeben. Nahe dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde wurden am Dienstagmorgen mit selbst gebauten Flugkörpern, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähige Materialien in Richtung der Hochspannungsleitungen gelenkt. Mehr als ein Dutzend Vorrichtungen wurden sichergestellt. Zu einem Stromausfall kam es laut Netzbetreiber nicht. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Vorfälle in Bergheim und Jänschwalde auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.
Laut Recherchen von NDR, WDR und SZ zählen zu den in diesem Jahr registrierten Fällen manipulierte Stromleitungen und Bahntrassen sowie geplante Brandanschläge – so geht es aus einer internen BKA-Analyse hervor.
Source: Süddeutsche Zeitung